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Nationalpark Mt Victoria , Tatoo-Kultur der Chin-Frauen, Myanmar

Reisebericht von Ralph Sommer, März 2020

Von Bagan nach Kanpetlet zum Mount Victoria

Früh morgens flog ich mit der Fluglinie Yadarnapon von Yagon nach Bagan.

Fluglinie Yadarnopon Yangon – Bagan

Der Flug mit einer ATR-72 (Turbopropflugzeug) bei klarem Himmel und freundlichen aufmerksamen Stewardessen war sehr angenehm. Nach 2 Stunden landete ich in Bagan, der historischen Königsstadt, die mit über 2000 erhaltenen Sakralbauten eine der größten archäologischen Stätten Südostasiens bildet. Neben Angkor Wat in Kambodscha zählt Bagan zu den wichtigsten und heiligsten Tempelstätten der Welt.

Bagan, archäologische Königsstadt

Da ich zuvor auf früheren Reisen als Reiseleiter des öfteren Bagan ausführlich besucht hatte, war mein Ziel mit der Region des Nationalparks Mount VictoriaNeuland“ kennenzulernen, einer Gebirgsgegend im Westen von Myanmar, die touristisch auf Grund der zuvor schlechten Straßenverbindung wenig besucht wurde und wenn überhaupt, dann in einem 4×4-Fahrzeug.

Flughafen von Bagan

Auf dem Flughafen von Bagan erwartete mich schon mein Fahrer Agung in einem klimatisierten komfortablen Toyota Crown.

Los ging es auf asphaltierter Landstraße nach Chauk, einer Erdgas- und Erdölstadt und gleichzeitig Flusshafen, der ca. 40 km südlich von Bagan am Ayeyarwaddy Fluss liegt. Unterwegs sah ich eine Gruppe von Nonnen, in rosa Robe gekleidet, die im morgendlichen Gänsemarsch der Straße entlanggingen, um von den Einwohnern Spenden in Form von Reis und Gemüse einzusammeln.

Novizinnen mit Bettelschale bei Chauk

An vielen Stellen der Landstraße wurde diese erweitert und ausgebessert unter Einsatz von Kolonnen von Straßenarbeitern, die in mühseliger Handarbeit Steine zerkleinerten, sie auf der Straße verteilten und die Lücken mit feinem Material ausfüllten. Andere wiederum trugen rauchende Teertonnen auf Stangen auf den Schultern, um mit dem flüssigen Teer die Straße zu asphaltieren.

Es wurde kein Unterschied gemacht, Arbeiterinnen machten den gleichen Knochenjob wie die Männer. Nur wenige Bagger, Walzen oder andere Straßen-Fahrzeuge kamen zum Einsatz. Auf der Weiterfahrt konnte ich feststellen, dass sich dieses umfangreiche Straßenausbauprojekt auch im Gebirge bis über Kanpetlet hinaus bis zur Endstation des Mt Victoria fortsetzte, das bis Ende des Jahres 2020 abgeschlossen sein sollte.

Brücke über den Irriwaddy bei Chauk

Bei Chauk ging es über eine Flussbrücke auf die andere Seite des Ayeyarwaddy (auch Irrawaddy geschrieben). Ab hier führte die Straße durch weitere 80 km Flachland durch die Ortschaften Thabyay und Ka Zun Ma Richtung Westen. In dieser landwirtschaftlichen Gegend wurden am Ende der Trockenzeit Zwiebel geerntet. Viele Frauen mit Strohhüten bewegten sich in Sitzhocke auf dem Feld, um die Zwiebeln in Körben einzusammeln.

Zwiebelernte im Flachland auf dem Weg nach Kanpetlet
Zwiebelfeld, reif zur Ernte

Das Landschaftsbild im Flachland wurde hauptsächlich durch Toddypalmen bestimmt. Die Palmen sind der Lieferant für den Toddy-Zucker, Most und Schnaps. Die Blätter dienen in ländlichen Gegenden zum Bedecken der Häuser oder als Wände für Zäune.

Palmhain mit Toddy-Palmen

Ab und zu überholte mein Fahrer überfüllte Kleinbusse, wo förmlich die Passagiere aus dem Bus platzten und auch noch auf dem Dach zwischen dem Gepäck Sitzplätze fanden.

Straßencamp auf dem Weg nach Kanpetlet

Schließlich erreichten wir nach ca. 3 Stunden Fahrtzeit bergiges Land, in dem ein großes Eingangstor den Chin-Staat ankündigte. Was zuvor Zuckerpalmenhaine waren, wich jetzt dem Wald, der hauptsächlich aus Teak und anderen Edelhölzern bestand. In den tieferen Lagen des Bergwaldes war dieser aufgrund des Endes der Trockenzeit ziemlich entblättert; je höher wir über Serpentinen in die Berge kamen, um so grüner wurde die Vegetation.

Nach insgesamt 6 Stunden Fahrtzeit, eingerechnet einem Mittags-Stopp, erreichten wir die Ortschaft Kanpetlet, ein typisches Bergdorf, in dem sich die Hütten und kleine Shops entlang der Straße zogen. Der Ort liegt auf ca. 1.500 m ü.d.M.

Kanpetlet mit einfachen Hütten aus Bambuswänden
Floral Breeze Hotel bei Kanpetlet

Nach einer Weiterfahrt von ca. 10 Minuten erreichte ich oberhalb des Ortes das Hotel Floral Breeze. Hier bezog ich einen Bungalow mit einem herrlichen Talblick, umgeben von Orchideen und Bäumen mit Vögeln.

Dendrobium-Orchideen, Floral Breeze Hotel

Am nächsten Morgen hatte ich die Gelegenheit mit meinem einheimischen Chin-Führer Chocho, der mir mit Begeisterung von den Sitten und den Traditionen der Chin-Stämmer berichtete, zwei Chin-Familien in Kanpetlet zu besuchen.

Kanpetlet und Mindat sind mittlerweile touristische Ausgangsorte für Trekking– und BirdwatchingTouren geworden. Hier haben sich auch einige traditionelle Chins mit Tatoo-Chinfrauen niedergelassen, die gegen ein Entgelt besucht werden können und mit dem Obulus ihren Haushalt aufbessern.

Die vollständige Gesichtstätowierung von Chinfrauen wird schon seit der Frühgeschichte der Chin-Kultur prakziziert. Die im Gesicht tätowierten Damen sind ein Unterscheidungsmerkmal der Chin-Stämme von Myanmar. Auch bei dem versunkenen Königreich Mrauk U können Sie auf einer Flussfahrt einen Chin-Stamm mit tätowierten Frauen besuchen. Die Tätowierungs-Praxis wurde 1962 von der Regierung angeblich aus humanitären Gründen verboten, so dass es eine besondere Erfahrung ist, dieser verblassenden Tradition beizuwohnen.

Die Gründe der Tätowierung scheinen schützender Natur gewesen zu sein, entweder als Versuch, die Schönheit der Stammesfrauen zu verbergen, damit sie nicht von burmesischen Königen entführt wurden, oder um Entführungen zwischen Stämmen, die unterschiedliche Tätowierung haben vorzubeugen. Heutzutage haben sich im Chin-Staat Christentum und animistische Traditionen vermengt; viele Einheimische bezeichnen sich als Christen und besuchen jeden Sonntag die Kirche und halten dennoch an ihrer alten Rituale fest.

Traditionell lebten und leben noch die Chin selbstversorgend in kleinen Kommunen. Da das Gebirge um den Mount Victoria sehr zerklüftet ist und einige Chin-Dörfer nur auf beschwerlichen tagelangen Fußmärschen erreicht werden können, haben sich hier noch die Traditionen erhalten.

Chin-Frau beim Weben mit Nasenflöte

Die beliebtesten traditionellen Musikinstrumente der Chin sind Nasenflöte, Mundorgel, Naturtrompete, kleiner Kesselgong, kleine Trommel sowie Zimbeln.

Die Chin sind eine tibeto-birmanische Volksgruppe, die hauptsächlich im westlichen Myanmar im sogenannten Chin-Staat lebt, aber auch in den angrenzenden indischen Bundesstaaten Nagaland, Mizoram, Manipur und Assam. Heute sind 80–90 % des Volkes Christen, da seit 1899 amerikanische Baptisten-Missionare in der Region missionierten. Allein in Kanpetlet gibt es zehn Kirchen, darunter presbyterianische, katholische, baptistische und pfingstlerische. Ich fragte mich, ob der Missionseifer hier nicht über das Ziel hinausgeschossen ist?

Tee-Kneipe in Kanpetlet

Besuch des Mount Victoria und Vogelbeobachtung

Am nächsten Morgen machte ich mich mit meinem Fahrer Aung und Guide Chocho auf den Weg zum Mount Victoria. Zuerst ging es circa eine Stunde bergaufwärts, vorbei an mehreren Straßenarbeiten-Baustellen. Die Waldszenerie wurde immer schöner und üppiger.

Der Mount Victoria ist mit 3.053 m der höchste Gipfel im Chin Staat – und der dritthöchste von Myanmar. Er liegt innerhalb des Nat Ma Taung Nationalparks (übersetzt Mutter des Geistes). Die Wälder des Nationalparks, sind mit alten knorrigen bis zu 10 m hohen Rhododendren bewachsen, die zwischen Oktober und Februar in rot, gelb und weiß blühen.

Selbst Ende März konnte ich noch viele rotblühende Rhododendron arboreum bestaunen. Die Artenvielfalt der Flora & Fauna hat dazu geführt, dass dem Nationalpark von der UNESCO der Status eines ASEAN Heritage Park zuerkannt wurde, um seinen außergewöhnlichen universellen Wert herauszustellen. Auf dem Weg zum Gipfel konnte ich außerdem Kiefern, Eichen und viele Epiphyten wie Coelogyne-, Dendrobium- und Cymbidium-Pflanzen bestaunen.

Der Nationalpark ist auch ein großartiger Ort für Vogelbeobachter; hier gibt es 160 Vogelarten, darunter den endemischen (und gefährdeten) White-browed Nuthatch Weißbrauenkleiber. Das gebirgige Gebiet grenzt im Westen an Indien.

Wie kommt man auf den Mount Victoria?

Mit dem Auto ging es zuerst über asphaltierte Straße mit vielen Baustellen bergaufwärts bis zu dem öffentlichen Basislager-Parkplatz, der Endstation Ab hier führte ein steile Bergstrasse aus Erde, die anscheinend dieses Jahr noch asphaltiert werden sollte weiter den Berg hoch. Um vom Parkplatz aus zu laufen, braucht man etwa 3 Stunden nach oben und vielleicht 2 Stunden wieder zurück.

Da der Tag schon fortgeschritten war, entschied ich mich einen Motorradfahrer zu mieten, der mich auf einer abenteuerlichen Fahrt über die ausgebaute Erdstraße zu einem schmalen Waldpfad brachte bis zu einer Stelle, wo es mit dem Motorrad nicht mehr weiterging. Somit hatte ich ca. 2 Stunden Aufstieg gewonnen. Mein Chin-Guide Chocho folgte auf einem weiteren Motorrad und der Fahrer Aung blieb beim Fahrzeug, um eine Siesta einzulegen.

Rhododendron-Blüten am Mount Victoria

Zu Fuss ging es dann eine weitere Stunde auf den Gipfel des Mount Victoria, wo sich ein Panoramablick auf die Rhododendron-Wälder, Täler und Bergketten ergab, die sich bis nach Indien fortsetzten.

Honigvogel auf Mt Victoria

Auf dem Gipfel befand sich ein Stupa und ein Buddha-Monument, dem ich nacheiferte und meditierte und die herrliche Natur auf mich einwirken ließ.

Danach wanderten wir den ganzen Weg bis zum Basislager zurück und beobachteten Vögel, fotografierten verschiedene Pflanzen und freuten uns über die einzigartige Natur. Am Spätnachmittag erreichte ich mit dem Auto das Floral Breeze Hotel, um zu entspannen und den erlebnisreichen Tag mit vielen Fotos nochmals an mir vorbeiziehen zu lassen. Am nächsten Morgen ging es zurück nach Bagan.

Buddha am Mt. Victoria und Verfasser Ralph Sommer

Mein Resumé: Für Naturliebhaber + Kulturinteressierte ist die Tour zum Mount Victoria ein einzigartiges Erlebnis, eine Kombination von Natur mit den Traditionen der Chin-Stämme verbunden. Wir bieten eine 6-tägige Tour Naturschutzgebiet Mount Victoria und Chin Stämme an, die auf Wunsch auf Ihre Interessen abgestimmt werden kann, wobei statt Mindalat als Ausgangspunkt zum Mount Victoria auch Kanpetlet gewählt werden kann oder auch eine Kombination beider Orte. Da die Straßen im Jahr 2020 umfangreich ausgebaut werden, ist mit einem wesentlich einfacheren und bequemeren Access zu rechnen, da aufgrund der verbesserten Straßen statt 4×4 Fahrzeuge bequeme Limousinen eingesetzt werden können. Trotzdem sollten Sie gut zu Fuß sein, da die Berge um den Mount Victoria steil sind und somit eine normale Kondition erfordern, mit Wanderungen von ca. 3 bis 5 Stunden, je nachdem, ob Sie sich die letzte Teilstrecke mit dem Motorrad hoch und runter transportieren lassen oder was ich empfehle, hoch mit dem Motorrad und zurück zu Fuß, um intensiv die Natur erleben zu können.

Honigvogel auf Rhododendron

Autor + Fotos von Ralph Sommer


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