Buckelwal im Sprung in Ecuadro
Ecuador,  Sommer Fernreisen Redaktion,  Südamerika

Walbeobachtung (Whale Watching) bei Puerto Lopez an der Pazifikküste von Ecuador

 

Unsere Ecuador-Reisen finden Sie unter www.ecuador-discover.de

 

Verliebte Meerestänzer von Juni bis September

 

Jedes Jahr ab Juni bis Ende September werden mit großer Spannung Hunderte von Buckelwalen (Megaptera novaeangliae)  von der einheimischen Bevölkerung und von Touristen an der Pazifikküste Ecuadors erwartet. Die Wale erreichen diese nach einer Wanderung von ca. 7.000 km quer durch das südpolare Meer. Ihr Bestand wird weltweit auf ca. 7.000 Tiere geschätzt und ist extrem gefährdet. Der Zweck der Wanderung ist für die Weibchen, die Geburt der Jungtiere in Äquatornähe, diese in den ersten drei Monaten zu stillen und die Paarung, die anschließend erfolgt. Im Juni werden zu Ehren dieser mächtigen Meeressäuger an verschiedenen Orten der Küste mehrtägige Festlichkeiten abgehalten. Anfang Juni laden die Fischer die Bevölkerung von Puerto Lopez zu einer Bootsfahrt ein, um die Buckelwale nach ihrer mehrmonatigen Reise in Ecuador zu begrüßen.

Wer in der Zeit von Anfang Juni bis Ende September Ecuador besucht, sollte sich das Naturschauspiel der Walbeobachtung nicht entgehen lassen. So nahm ich am 16. Juni die Gelegenheit war, nach einer Fahrt auf der Spondylus-Route entlang der Pazifikküste in Puerto Lopez haltzumachen, um auf einer Touristen-Yacht, zusammen mit internationalen Touristen eine Walbeobachtungs-Tour (Whale Watching) in Puerto Lopez zu unternehmen.

Ecuador Ralph Sommer Walbeobachtung
Ralph Sommer auf Walbeobachtung

Bevor unsere Yacht startete, bot sich uns am Strand von Puerto Lopez ein sich täglich wiederholendes Schauspiel. Wir konnten den Fischern zusehen, die mit bunt bemalten Booten und vollen Netzen vom Fang zurückkamen und die Fische vor den Augen zahlreicher Neugieriger und Händler ausbreiteten. Ich hatte den Eindruck, dass die Hälfte der Dorfbevölkerung anwesend war, um sich mit frischen Fischen einzudecken. Man hörte Lachen, Scherzen, Bieten und die beliebte Vallenato-Musik. Kisten voll mit Fischen, Muscheln und Krebsen verschwanden in speziell mit Kühlfach ausgestatteten Lkws und Pickups.

An improvisierten Frühstücks-Ständen wurden Fischsuppen, Ceviche (marinierter Fisch), gebratener Fisch, Hühnersuppen und bunte Getränke angeboten. Frauen an kleinen Tischen, entschuppten geschickt Fische und nahmen sie im Nu aus. Fregattvögel, Pelikane, Schwarzhalsgeier und Hunde verfolgten jede einzelne Bewegung der ankommenden Fischer und der beschäftigten „Fischschuppfrauen“, d.h. Frauen, die die Fische entschuppten und die Innereien ausnahmen, um sich mit einem frischerbeuteten Fisch oder den Innereien aus dem Staub zu machen.

Walbeobachtung

Nach einer ca. einstündigen Fahrt in einer überbedachten Yacht befanden wir uns ca. 20 km von der Küste entfernt. Unsere Yacht schaukelte über Wellenberge und aus der Ferne konnte man die Silhouette der Isla de la Plata erkennen, die auch „Klein-Galapagos“ genannt wird, da sie eine den Galápagos-Inseln ähnliche attraktive Flora und Fauna aufweist. Unser spanischsprachiger Guide Mario erzählte uns während der Fahrt viel über die Eigenarten der Buckelwale, die hier im ecuadorianischen Gewässer die Jungtiere zur Welt bringen. Die Weibchen werden nach 5-8 Jahren geschlechtsreif und bringen alle 2-3 Jahre nach einer Tragzeit von 12 Monaten ein Junges zur Welt, das nach der Geburt schon 4-5 m lang ist und ein  Gewicht von rund einer Tonne aufweist. In den folgenden 5 Monaten bekommt das Baby jeden Tag etwa 40 kg der fettreichen Muttermilch und wächst dabei auf die doppelte Länge heran und verfünffacht sein Gewicht. Die Wale werden etwa 40 Jahre alt und durchschnittlich 30 Tonnen schwer.

Ecuador Walbeobachtung Buckelwal
Schwanzflosse vom Buckelwal

Ich hatte die Schilderungen neugierig verfolgt, aber im Stillen schon die Hoffnung aufgeben, überhaupt einen Buckelwal beobachten zu können als plötzlich der Kapitän und sein Assistent aufgeregt mit ausgestrecktem Arm in eine Richtung deuteten. Wir waren äußerst gespannt und die Yacht neigte sich aufgrund unserer Neugierde in dieselbe Richtung, in der die Wale gesichtet wurden. Da sah ich auch schon die erste Wasserfontäne aufspritzen, gefolgt von weiteren und danach tauchten drei Buckel auf und ab. Diese Bewegung hat dem Wal seinen Namen gegeben. Die Fontänen, die von den Tieren beim Ausblasen der Luft erzeugt wurden, waren etwa 2-3 m hoch. Es handelte sich laut unserem Führer um 2 Männchen, die einem weit größeren Weibchen folgten und durch Auf und Ab Bewegung der Schwanzflosse, durch klatschen der Brustflossen und durch Sprünge aus dem Wasser auf sich aufmerksam machten und um die Gunst des Weibchen buhlten, um sich bei passender Gelegenheit mit ihm zu paaren.

Ecuador Walbeobachtung Puerto Lopez
Buckelwal

Wir näherten uns den Walen bis auf eine Distanz von ca. 50 m. Sie ließen uns furchtlos herankommen und setzten in ihrem Liebeswerben mit akrobatischen Sprüngen und Brustflossenklatschen fort. Sie sprangen mit nahezu ihrer ganzen Körperlänge aus dem Wasser, um dann mit einem lauten Aufklatschen wieder auf der Wasserfläche aufzuschlagen. Dabei drehten sie sich manchmal um die eigene Achse. Unser Kapitän achtete gewissenhaft darauf, eine angemessen Distanz einzuhalten, um die Wale bei ihren Aktionen nicht zu stören.

Ab und zu tauchte auch der Kopf des Buckelwals auf und ich konnte unter dem Kinn einen weißen Fleck entdecken. Der Körper des Männchens hob sich fast ganz aus dem Wasser und klatschte dann mit einem großen Knall wieder in die Fluten, so dass diese aufschäumten. Die waagrechte tief eingekerbte Schwanzflosse (Fluke) hatte ungefähr eine Spannweite von 2,5 Metern und die Brustflossen, auch Flippers genannt, waren etwa 4 m lang und weiß gefärbt. Eines der Männchen klatschte mit der Brustflosse minutenlang auf das Wasser und danach folgte das andere Männchen demselben Beispiel, wahrscheinlich um zu demonstrieren, dass es dies mindestens genauso gut konnte. Ab und zu konnte ich auch den blökenden Gesang der Wale hören. Unter Wasser soll man den Gesang auf mehrere Kilometer hören können. Von Bord aus klangen die Töne wie aus einer gedämpften Posaune. Es wird vermutet, dass nur die Männchen singen, um den Weibchen zu imponieren. Mich faszinierten die akrobatischen Luftsprünge und die Gesänge der Buckelwale und schon jetzt stand für mich fest, dass ich bei der nächsten Gelegenheit weitere Walbeobachtungen anstellen werde.

Ecuador Puerto Lopez Walbeobachtung
Buckelwal
Buckelwal beim Abtauchen Puerto Lopez
Buckelwal beim Abtauchen

Ich hatte die Gelegenheit, die Wale ca. 40 Minuten lang vom Oberdeck der Yacht aus beobachten zu können und jeder an Boot war begeistert. Danach erzählte uns unser Führer noch mehr über die Buckelwale, zum Beispiel, dass sie zu den Furchenwalen gehören, sie bei der Jagd nach Fischschwärmen unter diese tauchen und diese durch einen Luftblasenvorhang zusammenhalten, um sie dann mit weit geöffnetem Maul zu verschlucken. Weitere Beutetiere sind Quallen, Krill und Tintenfische. Die Hautfalten (Furchen) spreizen sich dabei, so dass die Wale enorme Mengen von Nahrung aufnehmen können. Den Fischen und dem Krill ist der Ausgang aus dem Maul durch eine große Anzahl von Barten versperrt.

Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis steuerte die Yacht eine Schnorchel-Stelle an, wo wir große Fischschwärme von Drückerfischen, Papageienfischen und einige Kugelfische beobachten konnten. An der Klippe einer nahegelegenen Insel waren Blaufußtölpel zu beobachten, die mit ihren leuchtendblauen Füßen auf dem weißen Guano-Felsen ihren Namen alle Ehre machten. Nach Rückkehr in den Hafen von Puerto Lopez (nach ca. 3,5 Stunden) genehmigte ich mir in einem der vielen Fischrestaurants am Hafen ein köstliches Fischgericht und begoss dieses freudige Erlebnis mit dem schmackhaften Nationalgetränk Pisco Sour.

Ich möchte jedem Ecuador-Besucher empfehlen, diese einzigartigen Wal-Beobachtungen anzustellen, die auch von anderen Küstenorten Ecuadors aus angeboten werden wie Esmeraldas, Manabí und Santa Elena, jedoch ist sicherlich der geeignetste Platz dafür Puerto Lopez.

Zu bemerken ist, dass keine Garantie gegeben werden kann, Wale tatsächlich zu sichten, aber dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist und bei dem verlockenden Preis von ca. USD 30, bietet es sich an, mehre Walbeobachtungen zu machen, die ca. eine 3-stündige  Fahrt beinhalten.

Ebenfalls finden Sie Informationen über Buckelwale in meinem Bericht über Buckel-Wale. Für Naturbegeisterte bieten sich zusätzlich weitere Naturbeobachtungen auf dem Festland der Pazifikküste an, mit Abstechern auf die vorgelagerten Inseln (Isla de la Plata, Isla Solango), in den Bergtrockenwald und in den Bergnebelwald. Die Pazifikküste ist auch bekannt für die präinkaischen Küstenkulturen die bis zu 5.000 Jahre alt sind, sowie für die freundliche Bevölkerung, Paragliding, Tauchen und nicht zuletzt für Kakao und Bananen. Auf der Ruta del Spondylus (Route der Spondylus-Muschel, einer neu erbauten Küstenstraße, die Ecuador mit Nordperu verbindet) lässt sich ein faszinierendes Ecuador mal ganz anders erleben.

© Autor Ralph Sommer

 

Unsere Ecuador-Reisen finden Sie unter www.ecuador-discover.de

Schreibe einen Kommentar