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Ecuador – Land der Kolibris

Vorkommen von Kolibris:
Kolibri (Trochilidae), engl. Hummingbird, Ordnung: Seglervögel

White-Bellied Woodstar - Weißbauchelfe im Flug, Foto Ralph Sommer
White-Bellied Woodstar – Weißbauchelfe im Flug, Foto Ralph Sommer

Aufgrund der Höhenunterschiede, kontrastreichen Landschaften, Klimastufen und der geografischen Lage am Äquator ist Ecuador ein einzigartiges Land für Naturbeobachtungen auf unserer Erde. Aufgrund dieser Gegebenheiten leben hier so viele verschiedene Vogelarten, insgesamt wurden 1.632 Arten gezählt. Ecuador weist alleine 132 Arten von Kolibris auf, in 57 Gattungen unterteilt, die in fast jeder Art von Lebensraum zu finden sind, vom Meeresspiegel bis zu den schneebedeckten Bergen und sogar bis in die Innenstädte.

 Ecuador-Andenkolibri
Ecuador-Andenkolibri
Ecuadorian Hillstar am Chimborazo, Foto Ralph Sommer

Der erstaunlichste Kolibri, der Andenkolibri (Andean Hillstar), besetzt die hoch gelegenen Regionen der Anden bis unterhalb der Schneegrenze (bis zu 5.000 m ü.d.M.). Um in dieser Höhe zu überleben, verringert dieser nachts seine Herzfrequenz und senkt die Körpertemperatur um 25 ° C, um Energie zu sparen; Kolibris sind an jedes Klima und jede Höhe angepasst, wobei sie je nach Fressnische ihre Federn, ihre Schnabelform und Länge und ihre Größe anpassen

Kolibri Komfortzone und neue Lebensräume

Es ist faszinierend zu beobachten, wie viele Kolibriarten in den Bergnebelwäldern vorkommen. Innerhalb von wenigen Stunden können an Futterstellen 20 bis 30 verschiedene Arten beobachtet werden. In höheren Lagen mit härteren Lebensbedingungen reduziert sich die Anzahl der Arten drastisch. Man geht davon aus, dass Kolibris ursprünglich in wärmeren, tropischeren Gegenden lebten. Als sie begannen, Gebiete außerhalb ihrer Komfortzone zu erobern, passte sich ihre Körper an die Bedingungen ihrer neuen Umgebung, die spezifische Umwelt und den Blütenvorlieben an.

Kolibri, wahrer Flug- und Überlebenskünstler

Kolibris sind die einzigen Vögel, die rückwärts fliegen können und die Fluggeschwindigkeit nach Wunsch ändern. Die Körperform und Färbung des Kolibris sowie die Flugeigenschaften helfen uns diesen zu bestimmen. Der EremitKolibri (Hermit) hat einen langen gekrümmten Schnabel und zieht beim Flug seinen Schwanz leicht ein, so dass er nach vorne gekrümmt aussieht. Oft scheint er zu schweben, fast senkrecht stehend.

Die Weißbauchelfe (White-bellied Woodstar) mit kurzem Schwanz und geradem Schnabel neigt dazu, beim Flug seinen Körper horizontal zu halten, wobei der Schwanz nach oben ragt. Er kann ebenfalls in der Luft schweben und sogar kopfüber fliegen. Das charakteristische Brummen wird durch die Flügel erzeugt, die sich mit bis zu 70 oder 80 Schlägen pro Sekunde bewegen. Der Riesenkolibri (Giant Hummingbird) schlägt seine Flügel nur etwa zehnmal pro Sekunde. Die meisten mittelgroßen Kolibris machen mit ihren Flügeln etwa 20 bis 25 Schläge pro Sekunde.

Tawny-Bellied Hermit - Braunbaucheremit
Tawny-Bellied Hermit – Braunbaucheremit , Foto Ralph Sommer

Schnabelform der Blütenform angepasst

Damit mehrere Kolibriarten im selben Ökosystem leben können, ist die Blütenvielfalt von entscheidender Bedeutung. Jede Schnabel-Art ist auf eine eigene Blütenart abgestimmt, sodass jede Gruppe von Kolibris mit gleicher Schnabelform ihre eigene ökologische Nische einnimmt. Die Blüten scheinen „maßgeschneidert“ für die Schnäbel der Kolibris zu sein oder umgekehrt die Schnäbel für die bevorzugten Nektarpflanzen. Die Schnabelform und Größe bestimmen, aus welcher Art von Blume der Kolibri sich den Nektar holt. Der Schwertschnabelkolibri (Sword-Billed Hummingbird) hat den Schnabel fast so lang wie den ganzen Körper, was immerhin 10 cm sind. Bei dem Kleinschnabel-Kolibri (Purple-Backed Thornbill) ist der Schnabel nur 5 mm lang und bei dem AdlerschnabelKolibri (White-Tipped Sicklebill) ist der Schnabel stark nach unten gebogen. Dagegen ist der Schnabel des Degenschnabelkolibris (Mountain Avocetbill) an der Spitze nach oben gebogen. Der Braunbaucheremit z. B. Tawny-bellied Hermit) kann mit seinem gekrümmten Schnabel Nektar aus der Paradiesvogel-Blüte trinken, die eine entsprechende Form aufweist.

Lange Zunge und Ernährung

Die Zunge der Kolibris ist besonders lang und kann weit herausgestreckt werden. Sie ist an der Spitze gespalten und strohhalmförmig, so dass sie vorzüglich zum Saugen des Blütennektars dient. Der Kolibri verwendet nur die Saccharose aus dem Nektar. Der Zuckergehalt des gesamten gesammelten Nektars ist so niedrig, dass der Kolibri mehrere Blüten besuchen muss, die somit bestäubt werden. Kolibris fressen auch Insekten, die für die Ernährung die nötigen Proteine liefern.

 Weißbauchelfe White-belliedWoodstar
Weißbauchelfe (White-belliedWoodstar), man beachte den Schnabel mit langer Zunge

Farbenpracht der Kolibris

Jede Kolibriart zeichnet sich durch besondere Eigenschaften aus und ist per se ein Meisterwerk der Natur. Die meisten Kolibris besitzen ein buntes, irisierendes Gefieder und ändern die Farbe je nach Lichteinfall und Bewegung. Besonders sind Kopf, Kehle und Brust mit wechselnden Farben versehen. Die Kehle der Männchen ist bei vielen Arten bunt glitzernd gefärbt, wobei es auch Ausnahmen gibt. Die irisierenden Federn besitzen mehrere Schichten mikroskopisch dünner Hornplatten. Fällt das Licht aus einem bestimmten Winkel auf die Federn, so wird es von den Lamellen in kleinen zeitlichen Abständen unterschiedlich reflektiert.

Großer Veilchenohr-Kolibri Sparkling Violetear
Großer Veilchenohr-Kolibri (Sparkling Violetear) mit irisierendem Federkleid, Foto R. Sommer

Kolibri, ein lebendiges Energiebündel

Als hochaktiver Vogel muss der Kolibri ständig fressen. Das Herz schlägt etwa 600 mal pro Minute, da der Stoffwechsel extrem hoch ist. Nachts verfällt er in eine Art Winterschlaf. Sobald jedoch der Tag anbricht, ist er in Kürze wieder hochaktiv.

Graubrust-Degenflügel Grey-Breasted Sabrewing

Graubrust-Degenflügel (Grey-Breasted Sabrewing) , Osten von Ecuador, Foto Ralph Sommer

Fortpflanzung der Kolibris

Die Fortpflanzung erfolgt, wenn die höchste Blütenproduktion ist, da dann die Nahrung reichlich ist. In der Regenzeit von Januar bis Mai können Sie davon ausgehen, dass die Kolibris ebenfalls hoch aktiv sind.

Kolibris im Nest
Kolibris im Nest, Foto Ralph Sommer

Kolibris, Nord- und Südamerika

Kolibris sind außer in Ecuador auch in den warmen Gegenden Süd- und Nordamerikas heimisch. Auch in der Karibik findet man einige Arten. Besonders auf unzugänglichen Orten wie hohen Bäumen oder Dornensträuchern bauen Kolibris Nester, um ihre Eier vor Räubern zu schützen. Zu den natürlichen Feinden gehören Reptilien wie Schlangen, Greifvögel aber auch Katzen und Marder.

Weitere Bilder von Kolibris

Verfasser Ralph Sommer, Quellenangabe: Wikipedia, Fotos Ralph Sommer

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