Ecuador,  Sommer Fernreisen Redaktion

Charles Darwin und die Galápagosinseln

„Zufälle sind unvorhergesehene Ereignisse, die einen Sinn haben,“ erkannte bereits der altgriechische Philosoph Diogenes von Siope.
Charles Darwin auf einem Aquarell von George Richmond aus dem Jahr 1840

An solche Ereignisse erinnern sich die Menschen und manche davon prägen unser heutiges Weltbild entscheidend. Die Entdeckung des Penicillins beispielsweise. Und wäre Newton nicht gerne unter einem Apfelbaum gesessen, wüssten wir vielleicht heute noch nichts über die Gravitationskraft. Alle diese modernen Legenden haben etwas gemeinsam – einen genialen Kopf und eine gehörige Portion Zufall, Glück oder göttliche Vorsehung, je nachdem, mit welcher Auslegung man die Ereignisse betrachten möchte. Der junge Charles Darwin, Urheber der Evolutionstheorie und heute eine Ikone der Naturwissenschaft, hätte es als Mensch des 18. Jhds. und angehender Theologe jedenfalls als letzteres bezeichnet. Auch ihn führten erst eine Reihe von Zufällen auf den Weg, der ihn zu einem der einflussreichsten Köpfe in unserer Geschichte machen sollte.

Werdegang von Charles Darwin

Seine Karriere als revolutionärer Naturwissenschaftler war alles andere als vorgezeichnet. Nach einem kurzen Intermezzo in der medizinischen Fakultät, studierte er auf Wunsch seines Vaters Theologie und strebte das Leben eines Gemeindepfarrers an. Damals war die Bibel für ihn das Wort Gottes und damit jeder Satz darin die reine Wahrheit. Überhaupt zeigte der junge Charles wenig Hang zu rebellischem Gedankengut und folgte dem, was die Gesellschaft und vor allem auch sein Vater von ihm erwartete. Seine eigentliche Leidenschaft, die Naturwissenschaft und im Besonderen die Biologie, lebte er als Hobby und in einer studentischen Gruppe aus, die von seinem späteren Mentor Steven Henslow geleitet wurde. Damals war es durchaus nicht ungewöhnlich, dass sich Theologen mit Naturwissenschaften beschäftigten und so war Henslow selbst Geologe, Theologe und Botaniker. Er war es auch, der Charles Darwins Leben entscheidend veränderte, indem er den damals 22-jährigen als Reisebegleiter Robert FitzRoys vorschlug. FitzRoy, Angehöriger der britischen Marine und selbst begeisterter Meteorologe, übernahm 1831 das Kommando auf dem Schiff HMS Beagle, das zu einer 2-jährigen Expedition nach Südamerika aufbrechen sollte. Der Adelige Robert FitzRoy wünschte sich einen zivilen Begleiter auf der Reise, einen Gentleman, der wissenschaftliche Studien betreiben wollte und ihm Gesellschaft leisten konnte. An dieser Stelle verließ Darwin seinen vorgezeichneten Lebensweg und stach gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters 1831 in See. Die vom britischen Empire finanziere Expedition sollte die Küsten Südamerikas vermessen und damit den Weg zu florierenden Handelsbeziehungen zu den Stück für Stück autonom werdenden Staaten des Kontinents ebnen. Niemand ahnte, dass diese Reise 3-mal so lang wie geplant werden und unsere Weltsicht für immer verändern würde.

H.M.S Beagle Zeichnung auf Südamerikareise
H.M.S Beagle Zeichnung auf Südamerikareise (Wikipedia)

Sammlertrieb und geologische Erkenntnisse

Charles Darwin war ein begeisterter Reisebegleiter. Beliebt bei der Crew wie auch beim Kapitän und den Menschen vor Ort, legte der junge Mann einen unglaublichen Arbeitseifer an den Tag und motivierte einfache Matrosen auf dem Schiff, ihn bei seinen Studien zu unterstützen. Robert FitzRoy bezeichnete die Massen an Exponaten, Gesteinsproben, Tieren und Pflanzen, die Darwin sammelte, mit einem Augenzwinkern als „Schiffsladungen offenkundigen Mülls“. Nichtsdestotrotz brachte dieser „Müll“ dem jungen Forscher den ersten wissenschaftlichen Ruhm ein und das ganz ohne dessen Wissen oder einem naturwissenschaftlichen Abschluss. Charles Darwin stand in regem Kontakt zu seinem Mentor Henslow und einigen anderen Wissenschaftlern wie seinem früheren Professor, dem Geologen Adam Sedgewick. Henslow berichtete er in seinen Briefen von seinen geologischen Erkenntnissen und dieser veröffentlichte sie in Darwins Namen, ohne dessen Wissen.

Nach vier Jahren Seereise Ankunft auf Galapagos

Von Espinoza aus Blick auf den Vulkan Darwin/Galápagos
Von Espinoza aus Blick auf den Vulkan Darwin/Galápagos

Während der Reise der Beagle entlang der Küste Brasiliens und Argentiniens, um Feuerland herum, entlang der Westküste Südamerikas sammelte Charles eine Menge an unterschiedlichen Eindrücken in den verschiedensten Wissensgebieten, grub Fossilien aus, bewunderte Vulkane, den Regenwald und die Höhen der Anden. Nach 4 Jahren erreichte die HMS Beagle schließlich den Galápagos Archipel. Darwins Berichte indessen klangen nun um einiges weniger enthusiastisch; er scheint mit der Zeit etwas seiner Reiselust verloren zu haben und dachte viel an eine zukünftige Familiengründung. Die Vulkane der Inseln beschreibt er enttäuscht in einem Brief als „nichts weiter als einen Ring aus Steinen“.

Galapagos, Grundstein für die Evolutionstheorie

Charles Darwin Monument auf Insel San Cristobal
Charles Darwin Monument auf Insel San Cristobal

Die Tierwelt auf Galapagos jedoch überraschte und begeisterte ihn erneut. Nun überfluteten wieder Beschreibungen der Flora und Fauna seine Notizbücher. Er sammelte unzählige Proben, beschrieb unterschiedliche Finkenarten auf jeder Insel, begeisterte sich für die Riesenschildkröten und führte für unsere heutigen Verhältnisse teilweise seltsame Experimente mit den für ihn „dumm“ anmutenden Meerechsen durch. Seine Pflanzensammlung war für lange Zeit die vollständigste, die existierte. Noch war es zu früh für die Evolutionstheorie, aber hier wurde der Grundstein gelegt. Darwin war der richtige Mensch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort – denn damals begann die Wissenschaft, nicht mehr nur Gottes Schöpfung beschreiben zu wollen, sondern fragte zunehmend nach dem „Wie“. Die Debatte wurde hitziger und es ist durchaus ironisch, dass ausgerechnet der Theologe Darwin eine Theorie beitragen sollte, die bis heute von den Kreationisten aus religiösen Gründen abgelehnt wird. Der Galápagos Archipel, einer der meist isolierten der Welt, war zudem der ideale Ort, um die nötigen Schlüsse ziehen zu können. Bis heute kann man an kaum einem anderen Ort der Welt die Entwicklung und Anpassung von Arten anhand so vieler nah verwandter, endemischer Spezies beobachten. Nicht umsonst werden die Galápagos Inseln heute gerne als Experimentierlabor der Evolution bezeichnet. Der aufgeweckte, hoch gebildete junge Charles Darwin war durch seine vorherige Reise sensibilisiert auch Fossilienfunde auf dem Festland und andere Erkenntnisse in seine Überlegungen einzubeziehen.

Meeresechse auf der Insel Española (Hood-Island) - Galápagos
Meeresechse auf der Insel Española (Hood-Island) – Galápagos

Wann kam die Evolutionstheorie….

Trotzdem sollte es noch viele Jahre dauern, bis Darwin seine Ideen veröffentlichte. 1836 von seiner Reise zurück in England, heiratete er, gründete eine Familie, hatte mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und widmete sich anderen wissenschaftlichen Studien. Zwar können seine konkreteren Ideen zur Evolution anhand seiner Tagebucheinträge in etwa auf 1837 zurückdatiert werden, aus Angst vor den Reaktionen der Kirche und der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf seinen Bruch mit der bisherigen Glaubensvorstellung veröffentlichte er sein großes Hauptwerk „Der Ursprung der Arten“ erst 1859. Hätte er nicht 1858 einen Brief des Zoologen Alfred Russel Wallace erhalten, dessen Ideen in dieselbe Richtung wiesen, hätte er sein Werk vielleicht noch später veröffentlicht.

Die Entstehung von neuen Arten

In „The Origin of Species by means of Natural Selection“ beschrieb Darwin als Erster, dass sich Lebewesen im Laufe der Zeit verändern und so neue Arten entstehen. Die Tierwelt auf Galápagos inspirierte ihn entscheidend zu seinen Theorien und damit wurde auch der Archipel weltberühmt. Er erkannte beim Studium der nach ihm benannten 13 sich ähnelnden Arten von Darwinfinken, dass sie vermutlich von einem einzigen Urahnen abstammen. Jede Art hatte sich ihrer Umgebung auf den verschiedenen Inseln angepasst. Deutlich waren die Finken nach Schnabelform und -größe voneinander zu unterscheiden. Deshalb folgerte Darwin, dass jene Vögel überlebten, die optimal das Nahrungsangebot nutzten: Arten mit dickem Schnabel sind z. B. Samenfresser, während sich lange und dünne Schnäbel für den Insektenfang eignen. Eine Art kann also nicht unveränderlich sein und in Folge dessen auch nicht exakt so von Gott während der Schöpfung geschaffen worden sein. Diese Erkenntnis wird bis heute von den Kreationisten nicht anerkannt.

Grundfink Galápagos Ecuador
Grundfink, w auf Galápagos
Large Ground-Finch m, Großgrundfink auf Insel San Cristobal, Galápagos Ecuador
Large Ground-Finch m, Großgrundfink auf Insel San Cristobal, Galápagos
Karikatur: Charles Darwin als Affe (aus Wikimedia) Editorial cartoon depicting Charles Darwin as an ape

Zur damaligen Zeit waren die Reaktionen auf sein Werk sehr durchwachsen, viele Geistliche verurteilten es und selbst einige seiner Mentoren und Freunde wie Adam Sedgewick bezweifelten die Theorie zutiefst. Viele der jungen Wissenschaftler jedoch nahmen den Paradigmenwechsel an und noch heute gilt die Evolutionstheorie als beste Erklärung für die Verwandtschaft, die Vielfalt und die Anpassung der Arten an die Umwelt. Jedes Schulkind kennt heutzutage die „Darwinfinken“ der Galápagos Inseln als Paradebeispiel für die Anpassung unterschiedliche ökologische Nischen. Darwin selbst wandelte sich im Lauf seines Lebens vom überzeugten Christen zum Agnostiker.

Riesenschildkroete auf der Insel Santa Cruz, Galápagos Ecuador
Riesenschildkroete auf der Insel Santa Cruz, Galápagos

Besucher können aufgrund großer Naturschutzbemühungen und des Schutzstatus der Inseln als Nationalpark die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt nach wie vor hautnah erleben. Das UNESCO Weltnaturerbe Galápagos beherbergt eine einmalige, nur hier vorkommende Flora und Fauna (endemisch) und im Meeresgebiet rund um die Inseln einen großen Fischreichtum. Der Fang von Haifischen und das Finning (Abtrennen von Haifischflossen) ist streng verboten. Allgemein ist der Fischfang im Marine-Reservat Galápagos nur unter strengen Auflagen und Bestimmungen erlaubt, der Tourismus unterliegt klaren Regeln. Viele der 13 größeren und über hundert kleineren Inseln sind bis heute unbewohnt, insgesamt leben hier ca. 25 000 Menschen. Politisch gehört die 1000 km abseits vom südamerikanischen Festland gelegene Inselgruppe zur Republik Ecuador.

Mehr Information zu Galapagos finden Sie unter diesem link:
www.ecuador-discover.de/galapagos/infos-zu-galapagos/charles-darwin.html

Quellen:
https://www.planet-wissen.de/natur/forschung/evolutionsforschung/pwiecharlesdarwinrevolutionaerundgentleman100.html
https://www.nanmagazine.com/en/charles-darwin-voyage-to-evolution/
https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin#Die_Reise_mit_der_HMS_Beagle
Autor: Eva Bayreuther

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