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Gorgona – Naturparadies mit Geschichte

Aus der SFR-Inselreihe „Perlen des Ozeans“

Kolumbien ist das einzige Land Südamerikas, das Zugang zu zwei Ozeanen hat. Im Norden genießen Besucher des Landes die traumhaften karibischen Strände. Die Kolumbianer selbst verbringen Weihnachten gern unter den Palmen in Cartagena, fliegen auf die Insel San Andrés oder Providencia, wo sie sich in erstklassigen Hotels verwöhnen lassen. Kaum jemand aber weiß von der Existenz einer kleinen Insel namens Gorgona auf der pazifischen Seite Kolumbiens, etwa 50 Kilometer von der Küste entfernt.

Insel vor unbewohntem Gebiet

 

Einer der vielen Süßwasserzuläufe
Einer der vielen Süßwasserzuläufe (Foto: O.Castro)

Weil das Land an der Pazifikseite extrem dünn besiedelt ist, gibt es kaum genug Infrastruktur, die eine touristische Erschließung möglich machen könnte. Die den Küsten vorgelagerten Tiefländer sind, bis auf die wenigen Hafenstädte, aufgrund ihrer hohen Temperaturen und Niederschläge als Wohngebiet einfach unattraktiv. Die Westseite der Anden erreicht im Department Chocó eine die Rekord-Niederschlagsmenge von bis zu 15.000 mm pro Jahr, während es auf der Ostseite des gewaltigen Gebirgszuges nur bis zu 900 mm pro Jahr regnet. Ein solches Klima macht den Bau einer Straße zum Mammutprojekt.

Wechselvolle Geschichte

Die Insel Gorgona, ehemals ein Geschenk von Simón Bolívar an einen seiner Oberoffiziere, wurde im Jahr 1959 vom Staat aus privatem Besitz zurück gekauft und am 8. Oktober 1960 in eine Gefängnisinsel umgewandelt. Dadurch war sie weder für Einheimische noch für Touristen zugänglich. Erst nachdem das Gefängnis am 25. Juni 1982 geschlossen und die Insel 1984 in einen Nationalpark umgewandelt wurde, war sie wieder der Öffentlichkeit zugängig. Dennoch führte nur Wenige ihr Weg nach Gorgona. Selbst heute, 27 Jahre später, wird die Insel eher vom alternativen Tourismus gestreift. Ökologisch und geschichtlich Interessierte und vor allem Wissenschaftler landen mit kleinen Booten am Strand von Gorgona, was ihr den Beinamen „La Ciencia“ (Wissenschaft) einbrachte.

Aktivitäten

 

Unterkünfte für Touristen
Unterkünfte für Touristen

Doch gerade die wenigen Besucher machen La Gorgona attraktiv. Sie ist unentdeckt und verspricht unausgetretene Pfade. Es gibt eine kleinen Bereich (El Poblado) im Osten der Insel, der eine gewisse Infrastruktur bietet, wie zum Beispiel ein Reisebüro, bei dem man sich nach Erreichen der Insel ein Besucherticket kauft, einen kleinen Laden, Unterkünfte, einen Fußballplatz, Krankenzimmer und ein Museum.

El Poblado (Foto: O.Castro)

Die ideale Tour für Entdecker ist eine Wanderung von Poblada aus über die verschieden markierten Wanderwege. Der Sendero Chonta führt beispielsweise über 45 Minuten durch einen Wald, vorbei an der Gefängnisanlage zum Archäologischen Zentrum, wo Besucher mehr über das Ökosystem in den Tropischen Wäldern lernen. Ein weiterer Weg, der Sendero Playa Palmeras, bietet Ausdauernden über zwei Stunden und fünf Kilometer eine Wanderung sandige und auch steinige Strände zur ehemaligen Anlegestelle (El Muelle) und endet an der Playa Palmeras, von wo aus die kleine Nebeninsel Gorgonilla und die auf ihr nistenden Vogelarten mit dem Fernglas beobachtet werden können. Die Wege sind mit Hinweisschildern versehen, wo Sie Wissenswertes über den Ort und mögliche Aktivitäten erfahren.

Das Gefängnis

Ehemaliger Essbereich des Gefängnisses (Foto: O.Castro)

Unheimlich und zugleich beeindruckend sind die Ruinen des ehemaligen Gefängnisses, die man durch ein altes, offen hängendes Metalltor betritt. Die circa 100 Meter lange Anlage löst ein Gefühl der Beklemmung aus, das einen immer dann überkommt, wenn man Geschichte quasi auf der Haut spürt.

Waschtische für die Inhaftierten (Foto: O.Castro)

Die runden Waschtische erwecken den Eindruck, als hätten sich gestern noch Gefangene gewaschen, nur die Tatsache, dass sich die Natur bereits die Fläche zurück erobert, dass Dächer und Türen fehlen, Mauern bewachsen sind, lässt darauf schließen, dass die traurige Epoche des  „Alcatraz Kolumbiens“ bereits der Vergangenheit angehört. Beim Durchgang durch die Anlage lassen nur die Tagebuchaufzeichnungen und Gedichte der Inhaftierten auf Schildern erahnen, wie bedrückend der Alltag für Inhaftierte gewesen sein muss, ohne Recht auf Privatsphäre, schlafend auf dem Betonsockeln, ohne Decke und ohne jeglichen Schutz gegen Ungeziefer oder Schlangen.

Nicht ohne Stiefel

Vögel auf Gorgonilla
Vögel auf Gorgonilla (Foto: O.Castro)

Wer eher das pralle Leben der Natur und die erquickende Frische des Meeres in sich aufnehmen möchte, für den hält Gorgona ein reichhaltiges Angebot bereit. Die Küste wird von vielen Meeressäugern wie Delfinen, Tümmlern und, zwischen Juli und Oktober, von Pott-, Blau-, Buckel- und Grindwalen besucht. Zudem sind Weißspitzenriffhaie, Meeresschildkröten und seit zwei Jahren auch wieder Hammerhaie gesichtet worden. Mit dem Riff La Azufrada hat die Insel eine Attraktion für Taucher, die die bunte Unterwasserwelt des Korallenriffs schätzen. Tauchkurse mit der passenden Ausrüstung können vor Ort gebucht werden. An Land findet sich typische Vegetation des tropisch feuchten Meeresklimas, Palmenwälder, Lianen und eine Vegetation, wie man sie aus dem Dschungelbuch kennt.

Natter im Versteck
Natter im Versteck (Foto: O.Castro)

Dennoch ist Vorsicht geboten. Auf der Insel leben zahlreiche Schlangenarten, von denen fast alle giftig sind. Deshalb sollten Sie auf festes Schuhwerk achten. Nicht zuletzt haben die sich kringelnden Tierchen Gorgona ihren Namen verliehen: die Gorgonen waren in der griechischen Mythologie Gestalten, die Schlangen im Haar trugen. Wer diese Perle des Ozeans besuchen möchte, fliegt von Bogotá über Cali oder Popayán nach Guapi und chartert ein kleines Motorboot. Wer etwas mehr Zeit mitbringt und bequemer reisen möchte, erreicht Buenaventura und fährt mit einem der vor Ort angebotenen Tauchschiffe zur Insel im Pazifik. Wenn Sie mehr wissen möchten, das Team von Sommer Fernreisen hilft Ihnen gern weiter.

 

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