Taguanuss-Palme
Ecuador,  Sommer Fernreisen Redaktion

Die Taguanuss-Palme in Ecuador – das pflanzliche Elfenbeinwunder

Taguanuss-Figur

Die Taguanuss auch als Corozonuss oder als pflanzliches Elfenbein oder Steinnuss bekannt, ist der Samen einer Palme, die zur Gattung der Steinnusspalmen (Phytelephas) gehört. Ihr wissenschaftlicher Name Phytelephas macrocarpa verweist auf die Eigenschaften „Pflanzen-Elfenbein groß-fruchtig“. Die Großfruchtigkeit bezieht sich auf die 20 bis 30 kg schweren kugeligen Fruchtstände, in denen sich die Steinnüsse befinden.

Taguanuss, pflanzliches Elfenbein

Nach der Ernte sind die Nüsse mit einer säuerlichen, trinkbaren Flüssigkeit gefüllt. Damit man sie für Kunstgegenstände verarbeiten kann, das heißt drechseln, schnitzen, sägen, fräsen und polieren kann, müssen sie mehrere Monate getrocknet werden, bis sie schließlich die Härte von Elfenbein erlangen. Unter der bräunlichen Außenhaut befindet sich das cremefarbene Material, das stoß- und abriebfest ist. Wird die geschälte Steinnuss über längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt, so verfärbt sie sich leicht gelblich.

Hühnereigroße Taguanüsse
Hühnereigroße Taguanüsse. Man beachte die Samenhülle und das knochenharte pflanzliche weiße Elfenbein

Mit dem Kauf vom Tagua-Schmuck tragen Sie zum Erhalt des Regenwaldes bei

Die aus Taguanüssen gefertigte Kunst- und Schmuckstücke fühlen sich glatt, seidig und kühl wie Elfenbein oder Jade an. Sie sind besondere exotische Geschenkideen. Mit dem Kauf von Taguanussschmuck, dem pflanzlichen Elfenbein, unterstützen Sie den Erhalt des Regenwaldes.

Aus der getrockneten Hühnerei großen Taguanuss werden kunstvoll Figuren aus der Vogel- und Tierwelt, Schachfiguren, Kämme, Spielwürfel und Figuren geschnitzt aber auch Knöpfe, buntfarbige Halsketten und Armbänder hergestellt.

Kunst aus Taguanüssen
Kunsthandwerk aus Taguanüssen

Die ecuadorianische Bevölkerung kennt die Bearbeitung der Steinnüsse schon seit mehreren Generationen. Durch den Seehandel wurden die preisgünstigen Taguanüsse in Europa und im Fernen Osten bekannt. Besonders wurden nach dem 1. Weltkrieg Knöpfe aus der Taguanuss hergestellt, die jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg durch Kunststoffe ersetzt wurden. Erst in den 1970er Jahren entdeckten ökologische internationale Bewegungen die Taguanuss als Elfenbein- und Nashornersatz wieder, um die Tiere von der Ausrottung zu schützen. Die ecuadorianische Bevölkerung wurde zum Anpflanzen und Schutz der Taguapalmen und zur künstlerischen Weiterverarbeitung angeregt und heute kann man die Kunstprodukte in Städten und Küstenorten erwerben. Ich hatte die Gelegenheit, Tagua-Kunsthandwerker im Küstenvorland zu besuchen und ihnen bei der Herstellung der Steinnuss-Unikate über die Schulter zu schauen.

Der Autor Ralph Sommer mit Taguanuss-Fruchtstand
Der Autor Ralph Sommer mit Taguanuss-Fruchtstand , ca. 20 kg

Meine Eindrücke von der Tagua-Palme in Ecuador

Besonders beeindruckten mich die bis zu 10 m hohen Steinnusspalmen im Amazonasurwald mit ihren kugeligen korbgroßen bis zu 30 kg schweren Fruchtständen, die mit einer dornenartigen korkigen Schale überzogen sind. Ich konnte bei der Lagune Limoncocha im Amazonastiefland sowie auf der Permakulturfarm Ave Terra im Bergnebelwald bei Mindo die schlanken Plamen mit den bis zu 6 m langen gefiederten Blättern bestaunen. Sie kommt dort bis auf eine Höhe von circa 1.800 m vor, wobei die Standorte teils feucht, teils trocken waren. Auf der Farm wurden aus den Palmblättern kunstvoll mächtige Dachkonstruktionen hergestellt; es lohnt sich, hier komfortabel zu übernachten und das Permakulturparadies zu erkunden, dass das Herz jedes Naturfreundes höher schlagen lässt.

Kugeliger Steinfruchtstand mit Segmenten von Steinnüssen
Kugeliger Steinfruchtstand mit Segmenten von Steinnüssen

Über die Steinnusspalme

Die Steinnusspalme ist zweihäusig, das heißt weibliche und männliche Blüten kommen auf getrennten Exemplaren vor. Der Stamm ist aufrecht mit sichtbaren Blattbasen von abgefallenen Zweigen und mehreren abgestorbenen Blättern, die vom Stamm herunterhängen. Die Blätter sind gefiedert und regelmäßig geteilt und dienen zur Herstellung von geflochtenen Dächern, Stricken und Seilen. Der Blütenstand der männlichen Pflanze ist ein fleischiger Kolben mit dicht angehäuften Blüten, welche einen eindringlichen Geruch verbreiten. Die weiblichen Pflanzen, die jährlich mehrmals runde stachlige Fruchtballen mit einem Durchmesser zwischen 30 bis 40 cm bilden, hängen an einem armdicken kurzen Stil direkt am Palmstamm und werden mit der Machete geerntet. Sie sind in mehrere Kammern gegliedert, die mit hühnereigroßen Nüssen gefüllt sind.

Taguanuss-Pflanzen
Ernten von Taguanüssen

Nach der Ernte sind die Nüsse noch weich und enthalten eine weinsäuerliche, trinkbare Flüssigkeit. Die zur Verarbeitung ausgewählten Nüsse werden mehrere Monate an der Sonne getrocknet. Dabei werden sie allmählich fester, bis sie schließlich – und das ist das Besondere an der Steinnuss – durch und durch die Härte von Knochen erlangen. Unter einer braunschwarzen Außenhaut erscheint nun ein elfenbeinfarbenes Material, das sich sägen, fräsen, drechseln, schnitzen, polieren und auch einfärben lässt. Es blättert nicht und ist erstaunlich unempfindlich gegenüber Stoß und Abrieb. Wird es längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt, so dunkelt es nach. Durch Erhitzung im Feuer kann der Oberfläche gezielt ein hellbrauner Farbton gegeben werden, in dem eine marmorierte Struktur sichtbar wird.

Frisch geerntete Taguafruchtstände
Frisch geerntete Taguafruchtstände

Die einheimische Bevölkerung in den Verbreitungsgebieten der Tagua-Palme kannte die nützlichen Steinnüsse schon seit vielen Generationen und fertigte allerlei Gegenstände wie Schmuck, Kämme, Zahnstocher oder Sägen daraus an. Durch den Seehandel wurden Steinnüsse dann in Europa, aber auch in fernöstlichen Ländern bekannt. Verschiedene Arten und Qualitäten wurden unterschieden und nach ihren Verschiffungshäfen benannt.

Tagua-Nuss-Palmen
Tagua-Nuss-Palmen bei Limoncocha-Lagune / Amazonastiefland / Ecuador
Taguafruchtstände auf weiblicher Taguapalme
Taguafruchtstände auf weiblicher Taguapalme
Wurzeln des Taguapalmensämlings
An den Wurzeln des Taguapalmensämlings hängt noch die Steinfrucht als Nahrungsquelle
Frisch geschälte Segmente der Taganuss
Frisch geschälte Segmente der Taganuss
Bungalowdach in Ave Terra mit geflochtenen Taguapalmblättern
Bungalowdach in Ave Terra mit geflochtenen Taguapalmblättern; regendicht für ca. 5 Jahre

Weitere Fotos zur Steinnus und Tagua-Palme

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