Fettschwalme in Höhle Los Tayos
Ecuador,  Sommer Fernreisen Redaktion,  Südamerika

In der Höhle der Fettschwalme/Ecuador

Eine der außergewöhnlichsten Vogelarten der Welt

Die wenigsten von Ihnen haben wahrscheinlich von den südamerikanischen Fettschwalmen gehört. Sie zählen zu den Nachtschwalben und sind eine der einzigartigsten Vogelarten der Welt. Sie leben meistens in Höhlen, fliegen nachts aus und ernähren sich ausschließlich von Früchten und orientieren sich in der Dunkelheit durch „Echolot.“

Fettschwalm (Steatornis caripensis) brütend in Höhle
Fettschwalm (Steatornis caripensis) brütend in Höhle

Der Fettschwalm, auch Ölvogel, in Ecuador jedoch Tayo und in Venezuela Guacharo (Schreiender Vogel) genannt, kommt von Panama über Kolumbien und Venezuela nach Osten bis Trinidad und Guyana und entlang der Anden nach Süden über Ecuador und Peru bis ins zentrale Bolivien vor. Da er jedoch nachtaktiv ist und dazu noch in schwer zugänglichen Höhlen nistet, ist es für den Vogelbeobachter und Naturfreund eine Herausforderung, diesen einzigartigen Vogel zu sichten. Dafür bietet die Cueva de los Tayos in der Nähe des Vulkans Reventador optimale Voraussetzungen.

Fettschwalm im Nest mit Jungvögeln
Fettschwalme an der Höhlendecke flatternd
Fettschwalme an der Höhlendecke flatternd

Der Fettschwalm wurde das erste Mal von dem Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt beschrieben, der diesen Vogel im Jahr 1799 in der Guacharo-Höhle in Venezuela bei Caripe beobachtete. Von Humboldt notierte, dass sich der Guacharo vollkommen an das Fliegen in Höhlen angepasst hat, dass er im Dunkeln auf engstem Raum manövriert und dass tausende von ihnen einen furchtbaren Lärm entwickelten. Begleitet von Indianern, mit Fackeln an langen Stangen ausgerüstet, drang von Humboldt ca. 150 m tief in die Guacharo-Höhle ein. Seinerseits plünderten die Einheimischen die Nester der Guacharos und entnahmen Jungvögel und verwendeten das Fett der Bauchdecke ausgekocht als Öl für Öllampen. Dieses wurde besonders geschätzt, da es geruchlos über ein Jahr verwendet werden konnte, ohne ranzig zu werden.

Alexander von Humboldt-Denkmal vor Guacharo-Höhle bei Caripe/Venezuela
Guacharo-Höhle, Denkmal Alexander von Humboldt

Genug über das traurige Kapitel der Fettschwalme. Heute stehen sie unter Naturschutz und bilden stabile Populationen in süd-und zentralamerikanischen Ländern.

Echoorientierung der Fettschwalme

Im Jahr 1954 stellte der Wissenschaftler Dr. Jack Griffin fest, dass sich die Fettschwalme durch Echoortung orientieren, indem sie aktiv Schallwellen aussenden, und anschließend das Echo aufnehmen und auswerten. Diese Fähigkeit ist besonders ausgeprägt bei Fledermäusen, Rosa Flussdelfinen, die durch Echoortung Fischen nachstellen, aber auch bei einigen Insektenfressern. Sobald der Fettschwalm in den Dunkelbereich der Höhle gelangt, beginnt er Klicklaute auszustoßen, die nicht wie bei den Fledermäusen im Ultraschallbereich liegen, sondern die auch mit bloßem Ohr hörbar sind. Diese Eigenschaft macht den Fettschwalm zu einer ganze besonderen Vogelart, die sich in vielen Millionen Jahren unabhängig von allen anderen 10.000 Vogelspezies entwickelte und die heute eine eigene Gattung der Steatornithidae bildet. Offensichtlich besteht eine Verwandtschaft zu den Nachtschwalben. Neuere osteologische Vergleiche haben aber auch eine Verwandtschaft zu den Trogonen festgestellt.

Flussüberquerung auf dem Weg zur Fettschwalmhöhle
Flussüberquerung auf dem Weg zur Fettschwalmhöhle Reventador/Ecuador

Ich hatte vor einigen Jahren die Gelegenheit, die Fettschwalme in Venezuela in der Guacharo-Höhle zu beobachten und war von der so einzigartigen Evolution der Fettschwalme und dem heiseren Urgeschrei in der Höhle fasziniert. Dieses Erlebnis beflügelte mich, die Fettschwalme in Ecuador in ihrem Ambiente zu erkunden, die hier Tayos-Höhle genannt werden.

Tayos-Höhlen in Ecuador:

Die „Tayos-Höhlen“ sind in verschiedenen Regionen Ecuadors anzutreffen, sind aber touristisch kaum bekannt, da die Begehung der meisten Höhlen eine größere logistische Vorbereitung erfordert, verbunden mit abenteuerlichen Kletterpartien.

Tayos-Höhle (Cueva de los Tayos) in der Nähe des Vulkans El Reventador – leicht begehbar

El Reventador mit Aschenwolke
Vulkan Reventador eine Autostunde vom Höhlenwanderweg entfernt

Aus diesem Grund habe die Cueva de los Tayos im ecuadorianischen Urwald in der Nähe des Vulkans Reventador besucht, die man im Gegensatz zu den anderen Tayos-Höhlen problemlos auf einer Fahrt über den Ostkordilleren-Andenpass über Papallacta durch den Bergnebelwald in das ecuadorianische Amazonasgebiet nach Baeza und weiter auf der Transamazonica-Straße Richtung Lago Agrio erreicht. Die Fahrt dorthin ist schon für sich ein besonderes Erlebnis, da man voll in die unsagbar schöne Pflanzen- und Vogelwelt der Ostkordillere der Anden und die des Amazonasbeckens eintaucht. Man kann die Fahrt mit Zwischenstopps über mehrere Tage ausdehnen, da sich auf dem Weg sehr gute Vogel-, Schmetterlings- und Pflanzenbeobachtungen mit Übernachtungen in Öko-Lodges anbieten. Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Ausgangspunkt zur Wanderung zur Höhle nach einer 4- bis 5-stündigen Fahrt ab Quito zu erreichen; jedoch sollten man dann nochmals im Quijos-Tal oder am Vulkan Reventador übernachten, um am Morgen zur Höhle zu wandern, um die erwachende Vogelwelt und gegebenenfalls auch die Balz des Rote Felsenhahnes zu beobachten.

Flussüberquerung auf dem Weg zur Fettschwalmhöhle
Flussüberquerung auf dem Weg zur Fettschwalmhöhle

Beobachtungszeiten für die Cueva de los Tayos (beim Reventador):

Von November bis Ende April ist die Brutzeit und Aufzucht der Jungen; in dieser Zeit halten sich die Fettschwalme in der Höhle Cueva de los Tayos auf.

Ab Mai verlassen die Fettschwalme die Höhle und bleiben bis Ende Oktober außerhalb mit Ausnahme von wenigen Exemplaren.

Hinweis: Der Weg zur Fettschwalm-Höhle ist nur mit lokalem Führer erlaubt. Reservierung durch Ecuador-Discover

Bergnebelwaldwanderung zur Fettschwalmhöhle
Mit Spektiv auf Wanderung zur Fettschwalmhöhle Cueva de los Tayos

Zur Fettschwalmhöhle (Cueva de los Tayos)

Von der Transamericana aus geht es auf einem Dschungelpfad mit einem ortkundigen spanischsprachigen Führer über Stock und Stein durch den subtropischen tropfenden Wald hinab zur Tayos-Höhle. Orchideen, Farne, Bromelien und Palmen sowie der artenreichen Vogel- und Schmetterlingswelt galten mein Augenmerk. Nach Überquerung von zwei knöcheltiefen Flüssen mit rutschigen Flusssteinen erreichte ich mit meinem spanischsprachigen Führer nach etwa 1,5 Stunden den Höhleneingang, aus dem ein Fluss floss, der je nach Regenfall knöchel- bis knietief sein kann. Die Wanderung verlangt keine außergewöhnliche körperliche Leistung, jedoch setzt sie voraus, dass man trittfest ist. Zur Unterstützung sind Teleskop-Wanderstöcke zu empfehlen. Die Wanderschuhe werden durch die Flussüberquerungen komplett nass, sind aber angebracht, obwohl der einheimische Führer problemlos mit gelochten Clocks die Wanderstrecke und Flusswanderung bewältigte.

In der Höhle der Fettschwalme

Die etwa hundert Meter lange Höhle ist von außen mit Vegetation bewachsen. Die Felswände der Höhle sind zwischen 10 bis 30 Meter hoch und laufen zu einem spitzen Satteldach zusammen. Das Tageslicht fällt vom Höhlen- Ein- und Ausgang ein, so dass die Höhle selbst im Dämmerlicht liegt. Die große Anzahl von Fettschwalmen, die geschwind wie Schwalben im oberen Höhlenteil herumswirbelten, heisere Schreie ausstießen und auf Felsvorsprüngen im oberen Bereich nisteten, sowie die Höhlenstimmung waren sehr eindrucksvoll (siehe Youtube). Die optimale Zeit, um diese nachtaktiven Vögel beobachten zu können, ist von Anfang November bis Ende April.

Hoehleneingang Cueva de los Tayos mit heraustretenden Fluss
Hoehleneingang Cueva de los Tayos

Fettschwalm, woher kommt der Name?

Dieser Name trifft eigentlich nur für die Jungvögel zu, wird aber allgemein für diese Vogelart angewendet. Die Eltern haben zwischen zwei bis vier Junge, die nach einer Brutzeit von etwa 25-30 Tagen schlüpfen. Sie brauchen 4 bis 5 Monate bis sie flugreif sind. Die Eltern fliegen in der Nacht aus, oft über kilometerweite Distanzen und füttern die Jungen bis zu sechsmal in der Nacht mit Palmfrüchten, so dass diese große Fettreserven anlegen, bis sie das 1,5-fache Gewicht ihrer Eltern erreicht haben. Daher der Name Fettschwalm.

Erwachsene Fettschwalme

Der etwa 40 bis 50 Zentimeter erwachsene Vogel ist rötlich braun gefärbt und an Kehle, Kopf und Flügeln weißgefleckt und wiegt nahezu 400 Gramm. Männchen und Weibchen weisen das gleiche Gefieder auf. Mit der großen Schnabelöffnung transportieren sie Nahrung zum Nest.

Die langen Flügel und der lange Schwanz ermöglichen den nachtaktiven Vögeln ein gutes Manövrieren auf engem Raum in der Höhle. Die kleinen Füße sind vorteilhaft beim Festkrallen an vertikalen Wänden.

Der sehr gute Geruchssinn ist bei der Nahrungssuche im Dunkeln von Vorteil. Ebenfalls sind die relativ kleinen Augen an die nächtliche Nahrungssuche angepasst. Sie besitzen eine große Pupille mit der höchsten Lichtempfindlichkeit in der Vogelwelt. Die Retina ist mit Stäbchenzellen versehen, wobei die Stäbchen schichtweise angeordnet sind, wie man es sonst nur bei Tiefseefischen vorfindet.

Wenn Sie sich auf die Route der Tayos begeben, so empfehle ich Ihnen, zuvor die Guango Lodge und die Cabañas San Isidro mit ihren Privatreservaten zu besuchen. Es erwartet Sie ein intakter Nebenwald mit außergewöhnlichem Vogelreichtum. Auf der weiteren Route erwartet Sie die Eco-Lodge Rio Quijos am gleichnamigen Fluss wie auch die Cascada Magica am Río Napo und nach der Cueva de los Tayos der wohl schönste Wasserfall von Ecuador, die Cascada San Rafael, die in einem artenreichen Naturschutzgebiet liegt. Auf der Weiterfahrt bietet sich an, ein Urwaldabenteuer im Nationalpark Cuyabeno (ab Lago Agrio) oder im Nationalpark Yasuni (ab Coca) zu erleben. Mehr dazu finden Sie unter Vom Bergnebelwald ins Amazonasgebiet, 5-9 Tage

Andenklippenvogel (Rupicola peruviana)
Roter Felsenhahn, Andenklippenvogel (Rupicola peruviana), mit etwas Glück kann man Männchen und Weibchen bei der täglichen Balz beobachten
Schmetterlinge auf dem Pfad zur Tayos-Höhle
Schmetterling Cherubina Emperor auf der Wanderung zur Höhle der Fettschwalme
Epiphyten auf Baumstamm
Epiphyten auf Baumstamm
Bergnebelwald bei der Tayos-Höhle
Szenerie vom Bergnebelwald bei der Fettschwalmhöhle

Autor: Ralph Sommer

Quellenverzeichnis: Grzimeks Tierleben und Wikipedia

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