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Spuckende Echsen, friedfertige Haie und Pinguine in den Tropen – Galápagos, ein Freiluftlabor der Evolution

Die Galápagos Inseln im pazifischen Ozean sind weltweit für ihre einzigartige Natur und als Inspirationsquelle für Darwins Evolutionstheorie bekannt und haben damit unser heutiges Weltbild entscheidend mitgeprägt.  Aber was ist wirklich dran am Mythos Galápagos? Betrachten wir zunächst einmal die nüchternen Fakten: 13 größere von einem vulkanischen, unterseeischen Hotspot geformte Inseln bedecken zusammen mit über 100 kleinen Inseln eine Gesamtmeeresfläche von ca. 45 000 km2 und liegen 1000 km abseits vom Festland Ecuadors. Dort treffen am Äquator mehrere gigantische warme und kalte Meeresströmungen aufeinander, die das Wetter im gesamtem Pazifikraum entscheidend prägen. Die Galápagos Inseln sind schon seit 1959 vom ecuadorianischen Staat als Naturschutzgebiet ausgewiesen und seit 1978 UNESCO Weltnaturerbe. Die Tierwelt von Galápagos ist absolut einzigartig. Viele der Tiere gibt es nur hier, in vielen Fällen sogar nur auf einer einzigen Insel. Doch obwohl diese Fakten beeindruckend sind, beschreiben sie dennoch nicht den Zauber, der von diesem außergewöhnlichen Ort ausgeht. Höchste Zeit also, sich anzusehen, was Galápagos für jeden einzelnen Besucher bereithält!

Galápagos - Wiege der Evolutionstheorie
Galápagos – Wiege der Evolutionstheorie

Ursprüngliche Landschaften und ein Hauch Pioniergeist

„Ich fühle mich wie Robinson Crusoe!“ Anna und ihr Mann Tom stehen begeistert am menschenleeren goldenen Strand von Floreana. Der Sand bekommt seine leichte grüne Farbe vom vulkanischen Mineral Olivin, das sich hier in Massen findet. Die beiden sind einige Tage zuvor mit dem Schiff von San Cristobál aus aufgebrochen, eine der fünf bewohnten Inseln des stark geschützten Archipels. Tom grinst. „Dieser Ort ist seltsam. Es ist wie das Ende der Welt und gleichzeitig fühlt man sich am Mittelpunkt der Erde…“ So wie dem Paar aus Deutschland ergeht es vielen Besuchern der Inseln. Dafür sorgen die pure Wildheit und Abgeschiedenheit des Ortes in Kombination mit dessen unglaublicher Intensität. Bizarre schwarze Felsformationen ragen in den Himmel, Strände in den unterschiedlichsten strahlenden Farben von Weiß bis Schwarz, von Golden bis Grün erstrecken sich an den Küsten, geschaffen von Vulkanismus und Meer. Jede Insel hat ihre eigene Schönheit und jeder Besucher kann sich leicht in die Piraten einfühlen, die die Inseln in früheren Zeiten als Versteck nutzten. Manche sind einfach nur graue, vom Meer umspülte Felsen. Auf anderen Inseln warten bizarr geformte Kakteenbäume, Mangrovenwälder, Vulkankrater oder erkaltete Lavaströme.

Schildvulkan Insel Fernandina Galapagos
Schildvulkan Insel Fernandina

Ein Paradies für Tierliebhaber und Fotografen

„Bitte lächeln“! Die Kamera klickt. Anna erhebt sich aus der Hocke und betrachtet fasziniert das riesige Reptil neben sich, dessen Panzer ihr bis zur Hüfte reicht. Galápagos ist bekannt für seine Riesenschildkröten. Aber nicht nur sie machen den Ort zu etwas Besonderem. Kaum sonst irgendwo auf der Welt ist der Anteil der endemisch vorkommenden Arten so hoch wie hier. Das geht sogar so weit, dass viele Tierarten in dieser Form nur auf einer einzigen Insel existieren. Die Schildkröten sind nicht nur die größten weltweit, sondern auch ein Beispiel für dieses Phänomen. Jede Insel beherbergt eine oder mehrere Unterarten dieser bizarren Tiere, die nicht nur ein Alter von 100-200 Jahren erreichen können, sondern auch mit einem Gewicht von bis zu 290 kg Maßstäbe setzten. Bei einem einzelnen in Gefangenschaft lebenden Männchen wurde sogar ein Gewicht von 422 kg festgestellt. Bekanntester und gleichzeitig tragischster Vertreter der Art war Lonesome George. Das ca. 100 Jahre alte Männchen erlebte seine letzten Lebensjahre als letzter Vertreter seiner Unterart C. nigra abingdonii, die mit seinem Tod 2012 ausgestorben ist. Er stellt weltweit eine Ikone für den Natur- und Artenschutz dar und kann heute in einem Museum auf Santa Cruz aufwändig präpariert besucht werden. Hier befindet sich auch die Charles Darwin Forschungsstation, die sich der Zucht und der Auswilderung der Tiere widmet. Dieses Beispiel zeigt aber auch, wie fragil die wunderschöne Natur der Inseln wirklich ist und wie viel Schutz sie benötigt.

Galápagos Riesenschildkröte
Galápagos Riesenschildkröte

 „Sie sehen aus wie aus einem Urzeitbuch, das ich als Kind hatte“ meint Anna und zeigt auf eine Gruppe von Meerechsen, die neben und untereinander auf einem Felsen liegen.  Amblyrhynchus cristatus ist die einzige Leguanart der Welt, die ihr Futter im Meer sucht. Sie sind Vegetarier, wechselwarm und liegen deshalb stundenlang in der Sonne, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen. Jede Insel besitzt eine eigene Unterart in teils auffälligen Färbungen. Tom, der für ein Foto einen Schritt nähergetreten ist, springt erschrocken zurück und lacht. Die Echsen vor ihm stoßen explosionsartig Salz aus ihrer Nase aus. Sie fressen im Meer und müssen ihre Körper regelrecht entsalzen, um zu überleben und nutzen das auch als Abschreckung. 

Meerechsen auf der Insel Fernandina
Meerechsen auf der Insel Fernandina

Einer der drolligsten Vögel der Welt lebt ebenfalls hier. Der Blaufußtölpel trägt seinen Namen aber nur auf dem Boden zurecht. Der Watschelgang mit seinen überdimensionalen blau gefärbten Füßen mutet ungewollt komisch an, dabei sind die Tiere in der Luft beeindruckende Flieger und effiziente Fischer. Ihre Nester bauen sie direkt auf der nackten Erde, gelegentlich auch mitten auf den Wegen. Rund um die Nester findet sich ein weiser Ring aus Kot, um Nesträuber abzuschrecken. „Schau mal, da sind auch Küken!“ Anna ist hingerissen. „Sehen sie die unterschiedliche Pupillengröße der beiden adulten Tiere?“ Der Guide José zwinkert ihr zu. Die deutlich größeren Pupillen des einen Vogels lassen ihn wesentlich cleverer wirken. „Das sind die Weibchen. Bei ihnen ist es wie bei uns Menschen.“ Der Guide lacht. Wie viele Tiere des Archipels haben die Vögel keinerlei Angst vor dem Menschen. Das macht Galápagos zu einem einzigartigen Ziel für jeden Naturfotografen. Man kann viele Tiere aus nächster Nähe bei ihrem natürlichen Verhalten beobachten und fotografieren. Aber Vorsicht beim Schnorcheln: die spielfreudigen Galápagos Seehunde ärgern nicht nur gerne Meerechsen, sondern gelegentlich auch arglose Schwimmer.

Blaufußtölpelpaar Galápagos
Blaufußtölpelpaar

Ein einmaliger Schnorchel- und Tauchspot der Spitzenklasse

An Land fasziniert die weiße Gischt, das türkisblau aufgewühlte Wasser an den Klippen der Inseln und das sanft an die Traumstrände brandende, klare Wasser. Ein Blick unter die Wasseroberfläche offenbart jedoch erst die wahre Vielfalt und Schönheit einer anderen Welt. Galápagos hat durch seine außergewöhnliche Lage inmitten mehrerer Meeresströmungen extrem nährstoffreiche Gewässer. Durch den kalten Humboldtstrom konnten hier mitten am Äquator sogar Pinguine überleben. Die Galápagos-Pinguine sind mit Abstand die am nördlichsten lebenden Vertreter dieser Tiergruppe.

Anna klettert aus dem Wasser zurück an Bord des Schiffes, nimmt die Schnorchelmaske vom Gesicht und erzählt begeistert von ihren Begegnungen mit Wasserschildkröten, Seelöwen, Rochen und den verschiedensten Fischen. „Hast du den Weissspitzen-Riffhai gesehen?“ Toms Augen leuchten, er hat eine tiefe Faszination für Haie.  Sie sind häufig gesehene Gäste in den flacheren Gewässern der Insel und ignorieren Schnorchler konsequent. Aber für Tom ist das noch nicht genug. Er als erfahrener Taucher schließt sich einer Tauchexpedition an, um tiefere Gewässer zu entdecken. Galápagos bietet dafür einzigartige Möglichkeiten. Gigantische Walhaie schwimmen vor den Küsten, ebenso wie Schwärme von Rochen, riesige Gruppen von Hammerhaien und traumartig anmutende Mondfische. „Das war der beeindruckendste Tauchgang meines Lebens!“ ist sich Tom sicher.

Mondfisch Galápagos
Mondfisch

Exklusivität und Naturschutz in einem

Tom und Anna haben sich entschieden, Galápagos auf einer mehrtägigen Kreuzfahrt zu entdecken, um auch die abgelegeneren Inseln sehen zu können. Das Schiff ihrer Rundreise ist klein, aber exklusiv. Gerade einmal 77 Boote dürfen auf Galápagos kreuzen, alles in geregelten zeitlichen Abständen und festgelegten Touren. So kann der Schutz der Tiere im Nationalparkgebiet vor zu großen Besucherzahlen gewährleistet werden.  An Bord befinden sich Guides, die den Besuchern nicht nur die Umgebung näherbringen, sondern ebenfalls dem Schutz dieses einzigartigen Ökosystems verpflichtet sind. Nachdem viele Tiere keinerlei Scheu haben, muss zum Beispiel ein gewisser Abstand zu ihnen respektiert werden. Auch darf man nichts von einer Insel mitnehmen, nicht die kleinste Muschel. So konnte Galápagos seine Einzigartigkeit bis jetzt erhalten. Tom und Anna sind sich einig – die geforderten Preise auf Galápagos sind gerechtfertigt, denn so wird nicht nur Flora und Fauna geschont, auch die Besucher des Nationalparks können alles fern von riesigen Besuchermassen erleben. Die kleinen Gruppen ermöglichen zudem schöne persönliche Kontakte zwischen den Mitreisenden, der Crew und dem Guide und meist sind die Schiffe ausgesprochen komfortabel.

Galápagos Kreuzfahrtschiff
Galápagos Kreuzfahrtschiff

Am Ende ihrer Galápagos Reise sind sich Anna und Tom sicher, dass Galápagos zu den beeindruckendsten Orten gehört, die sie wohl jemals zu Gesicht bekommen werden. Welches jedoch die schönste Insel war, darüber sind sie sich nicht einig. Anna schwärmt von der rosa  Flamingokolonie in dem wunderschönen See auf Floreana und Tom von den Drusenköpfen auf Santa Fé. Diese Leguanart hat eine recht eigene Strategie des Überlebens gefunden: sie entspannen. Da sie zu klein sind, um an die Ohren der Kakteenbäume heranzukommen, sitzen sie darunter und warten bis ihr Futter herunterfällt. Durch ihre entspannte Lebensweise sparen sie Energie, so dass ihnen gelegentliches Futter ausreicht. „Davon müsstest du dir mal eine Scheibe abschneiden“ zieht er seine quirlige Frau auf. Anna denkt mit Bedauern an die Inseln, die sie auf ihrer Reise nicht gesehen haben. „Dann kommen sie doch einfach in ihrem Winter nochmal her, dann brauchen sie dort auch nicht so frieren“, scherzt der Guide José. Die Lage der Inseln am Äquator in Kombination mit kalten Meeresströmungen sorgt nämlich für etwa gleichbleibende, gemäßigte Temperaturen und macht Galápagos zu einem ganzjährigen Reiseziel.

Drusenkopf Galápagos
Drusenkopf

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