Ecuador,  Südamerika

Die Allee der Vulkane in Ecuador

 

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La Avenida de los Volcanes, Ecuador

Auf beiden Seiten des Äquators gibt es in Ecuador über 70 Vulkane, von denen 27 noch als aktiv gelten. Sie breiten sich über eine Entfernung von 300 km aus und werden die „Allee der Vulkane“ genannt.

Aktive Vulkane:

vulkan-tungurahua-am-abend-eruptivEs sollte erst einmal definiert werden, was heißt aktiv, eruptiv oder erloschen? Laut Definition ist ein Vulkan aktiv, sofern sein letzter Ausbruch nicht mehr als 10.000 bis 20.000 Jahre zurückliegt. Ein Zeichen für die Aktivität sind Fumarolen, warme Gase und Thermalquellen sowie Erdbeben. Ein ausbrechender Vulkan dagegen weist Eruptionen und mächtige Aschewolken auf. Ein Vulkan gilt als erloschen, wenn er über 20.000 Jahre keinen Ausbruch gehabt hat und die Tektonik sich stabilisiert hat, so dass auch keine weiteren Ausbrüche in der Zukunft zu erwarten sind.

alexander-von-humboldtDie Vulkane auf der Allee der Vulkane liegen sich gegenüber, das heißt sie liegen in der West– und Ostkordillere der Anden. Der Name „Allee der Vulkane“ oder auf Spanisch „Avenida de los Volcanes“ stammt von dem Universal-Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt, der im Jahr 1802 für 5 Monate Ecuador zusammen mit dem französischen Botaniker Aimé Bonpland bereiste. Beide Forscher waren von den einzigartigen kontrastreichen Landschaften, der Flora & Fauna, den fruchtbaren Tälern und den Vulkanriesen aus Felsen, Feuer und Eis fasziniert und sammelten und zeichneten alles, was ihnen in den Weg kam. Einige der Vulkane gleichen schlafenden Riesen in einer herrlichen Landschaftsszenerie, andere jedoch grollenden Göttern, die nach vielen Jahren des Schlafes plötzlich durch Donnern, Rauch- und Aschenwolken und Lavaausbrüche erwachen.

Einer der bekanntesten schneebedeckten Vulkane von Ecuador ist der fast perfekt symmetrische Cotopaxi. Er liegt nur 55 km südlich von der Hauptstadt Quito, nicht weit von der Panamericana entfernt. Mit 5.987 m ist er der zweithöchste Vulkan Ecuadors. Seit 14. August 2015 ist er aktiv und

macht sich durch Schwefel- und Aschenwolken bemerkbar. Vulkanologen haben berechnet, dass durchschnittlich alle 115 Jahre mit einem Ausbruch zu rechnen ist. Seit Dezember 2015 darf der Nationalpark Cotopaxi jedoch eingeschränkt wieder besucht werden, aber in seinem Inneren brodelt es und es ist eine Frage der Zeit, bis er ausbricht. Von den Nachbarvulkanen Antizana (5.758 m), Pichincha (4.776 m), Pasochoa (4.199 m) hat man einen guten Blick auf den Gletscherriesen.

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Die Umgebung der Vulkane von Ecuador ist die Heimat für viele andine Pflanzen, hauptsächlich Astern- und Enziangewächse. Die Tierwelt besteht unter anderem aus Andenfuchs, Puma, Weißwedelhirsch, Lamas, Wildpferden und über 90 Vogelarten, wobei besonders der Ecuador-Andenkolibri (englisch: Chimobrazo Hillstar) zu erwähnen ist, der in den Paramos von Ecuador und Kolumbien zu Hause ist. Ecuador ist par excellence das Land der Kolibris. 124 Arten wurden bis jetzt gezählt. Außerdem kann man auf der Allee der Vulkane am Antizana, Sincholagua und Cotopaxi den Kondor beobachten, den Wappenvogel der Andenländer, der eine Spannweite bis zu 3 m erreicht und im Hochland seine Kreise zieht. Besondere Beachtung finden beim Besuch des Naturreservat Chimborazo, das im Jahr 1987 gegründet wurde, die Vicuñas aus der Familie der Südamerikanischen Kamele. Sie waren in den letzten Jahrhunderten durch intensive Bejagung fast ausgerottet und wurden im Jahr 1987 wieder angesiedelt. Heute leben rund 6.000 Vicuñas in dem Reservat auf Höhen zwischen 4.000 bis 5.000 m. Sie stammen aus den Anden von Peru und Chile.

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Die Allee der Vulkane ist gleichzeitig Sitz von alten Haziendas, die zum Teil noch auf die spanische Kolonialzeit zurückgehen. Hier kann man in alten stilvollen Gemäuern wie z.B. in der Hazienda la Cienaga übernachten, die dem Universalwissenschaftler A.v. Humboldt auf seiner Forschungsreise durch Ecuador als Unterkunft diente. Die Aktivitäten, die sich auf der Allee der Vulkane anbieten, sind Wandern, Trekking, Naturbeobachtungen, Bergsteigen, Reiten und Radfahren. Beliebt sind vor allem die Downhill Moutainbiking. In den tieferen Lagen können Richtung Urwald Rafting und Kajaking praktiziert werden.

Auf der Allee der Vulkane sollte man nicht den Besuch einer der Wochenmärkte missen:

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Sonntag: Sangolqui und Park El Ejido in Quito

Dienstag: Latacunga

Mittwoch: Pujilí

Donnerstag: Saquisilí

Samstag: Latacunga, Zumbahua und Park El Ejido in Quito

Täglich: Ponchmarkt in Otavalo (mittlerweile sehr touristisch, aber dennoch interessant)

Auf den Märkten treffen sich die Einheimischen in ihren bunten traditionellen Trachten, um Agrarprodukte und Tiere zu verkaufen, um einzukaufen und um sich zu treffen. Hier finden Sie vereinzelt touristische Stände mit buntem einheimischem Kunsthandwerk, aber auch lokale Delikatessen, die nicht immer für europäische

 

indigena-quilotoaspanferkel-mit-puereeMägen bestimmt sind. Jedoch können sie bedenkenlos die Spanferkel auf dem Sonntagsmarkt in Sangolqui mit Llapingachos (Kartoffelpüree) oder in der südlichen Allee der Vulkane gegrillte Meerschweinchen und die Suppen probieren, die alle ausgezeichnet schmecken. Außer den genannten Märkten finden Sie am Wochenende viele andere unbekannte Märkte in kleinen Dörfern des Andenhochlandes vor, wie z.B. am Sonntagmorgen den Tiermarkt in Calpi. Es handelt sich dabei um Märkte, die für die indigene Bevölkerung bestimmt sind und in Ursprünglichkeit nicht zu toppen sind.

Der Pan American Highway, kurz Pana oder Panamericana genannt, verläuft vom Norden Ecuadors zwischen der

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Ost- und Westkordillere nach Süden und schließt szenenhafte Vulkanlandschaften ein, von dem mit Abermillionen von Frailejonesblumen bedeckten Paramo El Angel im Norden des Landes zum Vulkan Cotocachi (4.944 m), dessen Kratersee Cuicocha einen Besuch lohnt. Von der Caldera haben Sie einen herrlichen Blick auf den See und die umliegenden Vulkane. Man kann die Caldera halb oder ganz umrunden und dabei die artenreiche Flora mit Orchideen und Bromelien unter Augenschein nehmen. Danach besuchen Sie den Ponchomarkt in Otavalo, bekannt für die traditionell gekleideten Otovaleños (Frauen + Männer). Der Markt bietet hauptsächlich selbstgewebte Decken, Hüte und Ponchos und Souvenirs aller Art. Handeln ist angesagt. Besonders

am Samstag wird der Markt gut besucht. Auf der Weiterfahrt nach Süden erreichen Sie nach wenigen Minuten den San Pablo-See. Er wird von dem Taita (Vater) Imbabura Vulkan (4.621 m) gekrönt, der auch zum Bergsteigen einlädt.

Bei dem Käse-, Yoghurt-, Bizocho-Städtchen Cayambe überqueren Sie den Äquator von Norden nach Süden. Hier rucu-pichinchaliegt auch der gleichnamige schneegekrönte Vulkan Cayambe (5.790 m), der von Bergsteigern geschätzt wird; er ist der dritthöchste Vulkan Ecuadors. Seine Schmelzwasser fließen auf der Ostseite in das Amazonastiefland. Danach erreichen Sie nach ca. 2 Stunden Fahrt die koloniale geschichtsträchtige Hauptstadt Quito, die sich am Fuß des Vulkans Pichincha (4.776 m) ausbreitet. Wie wäre es, mit dem Teleferico (Seilbahn) hinaufzufahren und von oben einen Panoramablick auf die 40 km lange Stadt Quito und die umliegenden Vulkane zu werfen?

Südöstlich von Quito liegt wohl einer der faszinierendsten Vulkane Ecuadors, der Antizana (5.758 m), Rückzugsgebiet für den Kondor, dem König der Anden. Die Fahrt zum Antizana beschert dem Besucher unglaublich schöne Paramolandschaften. Sie können das Antizanareservat am besten von Sangolqui aus über Pintag erreichen.

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Am Antizana öffnet sich der Blick auf die Nachbarvulkane: Rumiñahui (4.722 m), Sincholagua (4.873 m). Es empfiehlt sich dort eine Wanderung an der Lagune Mica, umgeben von büschelartigem ParamoGras, das sich im Wind wie Wellen bewegt.

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Etwas südlich von Sangolquí sollte auch der Besuch des Naturreservates Pasochoa nicht fehlen, das sich als Bergnebelwald den gleichnamigen Vulkan hochzieht (4.199 m). Dann geht die Fahrt auf der „Pana“ weiter nach Lasso, einem kleinen Ort in der Nähe des Vulkans Cotopaxi. Der Nationalpark Cotopaxi ist ebenfalls für Naturfreunde und Bergsteiger ein beliebtes Ausflugsziel; dessen Besuch jedoch wegen der latenten Gefahr einer Eruption nur eingeschränkt möglich ist; z. Zt. kann man die Lagune Limpiopungo auf 3.800 m Höhe besuchen. Auf der

Weiterfahrt auf der Pana erreichen Sie Latacunga. Von hier aus erreichen Sie nach ca. 2 Stunden auf einem Abstecher auf gut ausgebauter Straße über Berge (zum Teil geht es über 4.000 m ü.d.M.) und Täler in der Westkordillere den kleinen Ort Zumbahua und nach weiteren 40 Minuten die malerische lagune-quilotoaKraterlagune Quilotoa. Diese kann in ca. 6 Stunden umwandert werden oder man hat auch die Möglichkeit, auf einem Pfad zum Kratersee hinunter- und zurückzuwandern oder sich ggf. mit dem Maulesel zurücktragen zu lassen. Für diesen Ausflug sollte man einen vollen Tag einplanen.

Auf der Weiterfahrt erreichen Sie die Obststadt Ambato. Unterwegs fahren Sie am Llanganates Nationalpark vorbei, in dessen fast undurchdringbaren Wildnis sich noch ein verborgener Schatz der Inkas befinden soll. Danach öffnet sich Ihnen der Blick auf den Chimborazo (6.310 m), dem höchsten Vulkan Ecuadors, den Sie umrunden und bis auf 4.800 m Höhe fahren können. Die Fahrt führt durch das Naturreservat in dem man gut die Vicuñas, die kleinsten Kameloiden Südamerikas beobachten kann. Sollte Ihnen die Höhe von 4.800 m nicht reichen, so können Sie vom

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Parkplatz noch weitere 200 Höhenmeter bis zur Whymperhütte wandern, die Ausgangspunkt für geübte Bergsteiger ist (man steigt in der Nacht auf und kommt im Laufe des nächsten Tages wieder zurück).

Danach erreichen Sie Riobamba mit Sicht auf den Vulkan Altar (5.319 m) und den fast ständig aktiven Vulkan

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Tungurahua (5.023 m). Nach einer Übernachtung in Riobamba können Sie sich noch überlegen, das Thermalstädtchen Baños zu besuchen, ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und internationale Touristen, auf ca. 1.800 m ü.d.M. gelegen. Darüber thront der fast ständig grollende und ab und zu eruptive Vulkan Tungurahua. Auf der Route der Wasserfälle können Sie noch in tiefere Lage zum Urwaldstädtchen Puyo (900 m ü.d.M) fahren, sei es mit Mountain Bike oder per Auto. Unterwegs sollten Sie den tosenden Pailon del Diablo (Teufels Kochtopf) besuchen, durch den Río Pastaza gebildet, einer der wichtigsten Nebenflüsse des Amazonas auf ecuadorianischem Gebiet. Genießen Sie bei dieser Wanderung durch den Bergnebelwald die üppige Vegetation. Für einen Adrenalin-Kick sorgen Canyoning, Abseiltouren, Rafting & Tubing. Puyo eignet sich für viele Wanderungen und Bootsfahrten durch den umgebenden Primärwald oder Sie fahren von dort weiter zum Rio Napo in das Amazonasgebiet, wo sich ein mehrtägiger Aufenthalt (3-4 Tage) in einer der Urwald-Lodges anbietet.

Zurück auf der Panamericana, erreichen Sie südlich von Riobamba den kleinen Ort Alausí; Ausgangspunkt der

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Andenbahn über die spektakuläre Teufelsnase, die sich in ca.  einer halben Stunde hunderte Höhenmeter im Zickzack hinabwindet, um danach die gleiche Strecke zurück nach Alausí zu fahren. Nach einer weiteren 3-stündigen Fahrt erreichen Sie mit dem Auto die Inkafestung Ingapirca. Die Ruinen sind die am besten erhaltenen der Inka-Kultur in Ecuador, die das Land Ende des 15. Jahrhunderts erreichte. Der Sonnentempel zeugt von der Steinbearbeitungskunst der Inkas. Danach fahren Sie weiter auf der Panamericana nach Cuenca, eine der

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schönsten Kolonialstädte Südamerikas, zwischen mehreren Flüssen gelegen. In Cuenca, begünstigt, durch ein frühlingshaftes Klima, lohnt es sich, sich mindestens 2-3 Tage aufzuhalten, um ausgiebig die koloniale Altstadt, den bunten indigenen Markt in Gualaceo und den Nationalpark Cajas mit seinen glazialen Seen und der Hochlandvegetation (3.500 m bis 4.000 m) zu besuchen.

Von Cuenca führt die Straße über Serpentinen in das Küstenvorland und weiter nach Guayaquil, der größten Hafenstadt Ecuadors mit über 2 Millionen Einwohnern. Unterwegs kommen Sie vorbei an Bananen– und Kakaoplantagen. Ein Besuch auf einer Plantage lohnt sich, um die Verarbeitung dieser Produkte „life“ zu erleben. Guayaquil hat in den letzten Jahren sein Antlitz sehr verbessert. Die Stadt mit dem Malecon und dem renovierten Viertel Las Peñas und dem Hügel Santa Ana ist einen Besuch wert. Die Naturfreunde sollten nicht versäumen den Parque Historico zu besuchen, in dem in ansprechender Anlage die Flora und das breite Spektrum der Fauna bestaunt werden kann.

Meine Beschreibung der Allee der Vulkane hat sich, um den Umfang des Berichtes nicht zu sprengen, nur auf wesentliche Besichtigungspunkte beschränkt; die Zeit, die man dafür einplanen sollte, wäre ab Quito 5 bis 8 Tage; wenn Sie den Norden Ecuadors mit einbeziehen wollen, sollten Sie mit einer Gesamtzeit von 12 bis 14 Tagen rechnen. Jedoch sind nach oben fast keine Grenzen gesetzt. Bedenken Sie, Alexander von Humboldt benötigte im Jahr 1802 für Ecuador 5 Monate…

Bericht und Fotos von Ralph Sommer, Datum 14.01.2016

 

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