Ecuador,  Südamerika

Wochenmarkt in Ecuador–Sangolqui, ein Erlebnis für sich

Wer sich für das Leben und die Menschen in Ecuador interessiert, der sollte auf jeden Fall einen der Wochenmärkte Ecuadors aufsuchen. Hier haben Sie eine recht gute Gelegenheit, einen Einblick in das tägliche Leben zu bekommen und mit den Kauf- und Essgewohnheiten der Ecuadorianer vertraut zu werden. Falls Sie schon etwas spanisch sprechen, können Sie sich mit den Einheimischen austauschen und nette Kontakte schließen.

 

PapayasMarktplatz in Sangolqui

Jeder Markt hat seine persönliche Note, abhängig von dem Zweck, den er erfüllt: Man findet unter anderem Kunsthandwerk-, Kleider-, Lebensmittel-, Obst-, Gemüse-, Vieh- und Fischmärkte oder eine Kombination von allem. Die Wochenmärkte finden im bestimmten Rhythmus im Andenhochland, Küstenvorland und an der Küste statt und haben je nach Ort und Thema eine eigene spezielle Atmosphäre. Märkte in Ecuador haben eine sehr wichtige wirtschaftliche und soziale Bedeutung. Hinzukommt, dass der Käufer die Ware befühlen kann, diese frisch kauft und nicht zuletzt handeln kann.

So vielfältig die Landschaften Ecuadors sind, so unterschiedlich sind auch die Produkte, Lebensmittel und nicht zuletzt Käufer und Verkäufer, die die verschiedenen Ethnien Ecuadors repräsentieren. Es bieten sich dem Besucher von Märkten ausgezeichnete Gelegenheiten, einen tieferen Einblick in Land und Leute zu bekommen und nicht zuletzt Eindrücke zu sammeln und zu fotografieren. Dabei sollte man aber immer berücksichtigen, dass der Markt ein wichtiger Treff- und Handelspunkt für die Einheimischen ist. Also, bitte niemanden im Weg stehen und wenn fotografiert wird, bitte in der Regel vorher fragen oder durch ein freundliches Kopfnicken das „ok“ einholen. Sie werden durch ein freundliches, aufmerksames Auftreten schnell „Amigos“ gewinnen.

Verkäuferinnen auf dem WochenmarktSpanferkel

Ich möchte Sie heute zum Wochenmarkt nach Sangolqui entführen, einem kleinen kolonialen Städtchen im Chillos-Tal, nur ca. 30 – 60 Fahrminuten südlich von Quito gelegen. Hierher kommen jeden Donnerstag und vor allem am Sonntag viele Käufer aus Quito und dem Umfeld, um sich für die Woche mit frischen Lebensmitteln, Gemüse, Obst und Fleisch einzudecken. An diesen Tagen verwandelt sich schon um 07.00 h am Morgen nahezu der ganze Ort zu einem betriebsamen Marktzentrum mit überfüllten Straßen, Gassen und mehreren Marktplätzen. Ich empfehle, so gegen 09.00 Uhr auf dem Markt zu sein und zuerst dem kolonialen Hauptplatz „Juan de Salinas“ mit der Kirche einen Besuch abzustatten. Hier ist zu dieser Zeit schon einiges los. Eis-, Kokos- und Tamarindensaft-Verkäufer bieten auf ihrem fahrbaren Untersatz Erfrischungen an.

 

 

 

Nach einigen Fotos der Plaza, der Kirche und des Jugend-Orchesters, das ecuadorianische Volksmusik spielte, wanderte ich durch die Gassen, die von Straßenverkäufern wimmelten, zu den Markthallen.

Der Markt in Sangolqui wurde vor allem durch die Spanferkel bekannt, die in Lehmöfen gebacken und in den Gassen und Essabteilungen des Marktes attraktiv auf Kuchenblechen zum Verkauf angeboten werden. Sangolqui wurde somit zu einem Hotspot für Spanferkel-Essen. Das zarte Schweinefleisch wird mit der knusprigen Schweinehaut serviert, begleitet von Llapingachos (Gebratene Kartoffelpure-Küchlein, mit Käse gefüllt). Dazu gibt es einen gemischten Zwiebel-, Tomatensalat und Mote (gekochte geschälte Maiskörner). Nach Belieben können Sie das Gericht mit einer Chilisoße (salsa de ají), nach eurem Geschmack abstimmen. Die Salsa sollte auf keinem Tisch fehlen! Sie können zwischen einfachen Essständen und hochwertigeren Restaurants wählen, wobei das Gericht für sich immer gut schmeckt. Der Preis hängt von der Größe der Portion ab und wo Sie das Spanferkel essen und liegt zwischen 2 bis 8 USD. Wahrscheinlich werden Sie von den Einheimischen bestaunt und angesprochen werden, wenn Sie als Gringo (Fremder) in diesem Ambiente Platz nehmen. Die Devise heißt staunen und bestaunt werden, was durchaus Spaß machen kann. Beim Essen werden Sie schnell feststellen, dass die Einheimischen sehr freundlich und höflich sind. Passen Sie sich den Einheimischen an und wünschen Sie erst einmal den schon Essenden einen guten Appetit mit: „Buen Provecho“, wobei von diesen ein „muchas gracias“ zurückkommt. Wenn Ihnen das Essen serviert wird, wird Ihnen ebenfalls „buen provecho“ gewünscht und Sie antworten mit „muchas gracias“. Wenn Sie den Essstand oder das Lokal verlassen, sagen Sie beim Aufstehen „con permiso“ (mit Erlaubnis) und wünschen den Einheimischen nochmals „buen provecho“. Hier in Ecuador beherrschen alle Menschen diese Höflichkeitsformeln, üben Sie sich darin und Sie sind „in“.

Beliebt sind auf den Märkten auch die Fritadas (Schweinefleisch) in großen Messingtöpfen frittiert und dazu Mote pillo (geschälter gekochter Mais), Mais tostado und Maduros (reife geröstete Kochbanen). Mais ist in Ecuador sehr beliebt und eine der wichtigen Nahrungsquellen Lateinamerikas. In Sangolqui hat man dem Mais, hier „choclo“ genannt, große Denkmäler errichtet.

Maiskolben Denkmal im ParkMaiskolbenBlaues Maiskolben DenkmalBuntes Maiskolben DenkmalGelbes Maiskolben DenkmalWährend ich durch den farbenbunten Markt schlenderte, vorbei an Frauen mit gefüllten Einkaufstaschen und berufsmäßigen Trägern, die Körbe und Säcke gefüllt mit Kartoffeln, Obst und Gemüse den Hausfrauen zum Auto trugen, konnte ich immer wieder mobile Straßenverkäufer/-innen beobachten, die Erdbeeren, Tomaten, Zwiebeln, Avocados in Plastiktüten abgepackt, zum Preis von jeweils 1 US-Dollar anboten. Ecuador ist seit dem Jahr 2001 ein Dollar-Land und auf den Märkten kosten viele Produkte einen oder mehrere Dollars, wobei Preise mit Kommastellen nicht üblich sind. Der Grund dafür ist, dass es in Ecuador wenig Kleingeld gibt. Andere mobile Händler boten Naturmedizin, Socken, T-Shirts, Handys unter anderem auch MP3-CDs und CD-Videos für ebenfalls jeweils einen USD an, wobei Gema-Rechte, Lizenzgebühren oder ähnliches für die Verkäufer ein Fremdwort sind. In anderen Worten, Raubkopien sind an der Tagesordnung.

Einige der Straßenverkäufer, hier „Ambulantes“ genannt, waren ständig auf der Hut, nicht von der Polizei aufgegriffen zu werden, da um etwas verkaufen zu dürfen, ein Gewerbeschein nötig ist. Wenn sie erwischt werden, ist eine Strafe fällig und die Ware wird abgenommen. Sobald ein Polizist erschien, tauchten die Händler im Menschengewimmel unter, um an anderen Stellen wieder präsent zu sein.

Ziegenmilch VerkäuferinAuf der Straße fiel mir eine junge Frau mit zwei Ziegen auf, die sie von einem Stand zum anderen zog, um in kleinen Plastikbechern Ziegenmilch anzubieten. Die Ziege wurde von der Frau vor den Milchkäufern gemolken und man konnte zwischen einem kleinen Becher für 75 Cents (das erste Mal weniger als ein Dollar!) und einem größeren Becher für 1,5 USD wählen. Neugierig wie ich bin, hatte ich die „Ziegenfrau“ angesprochen und bei ihr einen kleinen Becher Milch bestellt. Zuvor hatte ich die Ziegeneuter inspiziert und sie waren in der Tat recht sauber. Erstaunlicherweise hatte die Milch keinen strengen Ziegengeschmack, unterschied sich aber von der gewohnten Kuhmilch. Ich würde sagen, der Geschmack war leicht süßlich und aromatisch. Die Ziegendame meinte, dass die Ziegenmilch gut verdaulich und gut gegen Husten sei; da ich jedoch keinen hatte, konnte ich dies nicht nachvollziehen.

Einmannkapelle auf dem Marktplatz in SangolquiWas mich zum Filmen veranlasste, war ein indigener älterer Mann der mit Panflöte, Trommel und Schelle durch die Menge tänzelte und als Einmannkapelle indianische Musik spielte, ein wahres Genie.

Die verschiedenen Gassen und Markthallen waren sehr aufschlussreich, angefangen bei den tropischen Obstständen, wo verschiedene Bananensorten auslagen: Essbananen, hier Guineos genannt, Oritos (kleine goldene zuckersüße Bananen) sowie verschiedenen Koch- und Bratbananen, die unter dem Namen Maquenja, Barraganete und Dominico bekannt sind. Andere Stände boten Ananas, Papayas, Maracuyas, Taxo, Sternfrüchte, Naranjillas (Solanum quitoense), Orangen, Mandarinen, Limetten, Kaktusfeigen, Pitahaya (Drachenfrucht), Baumtomaten (Tamarillo), Achiote (behaarte Lichi) wie auch Kiwi, Äpfel, Trauben, und Pfirsiche an. Die Papayas, waren schön aufgereiht und kosteten nur einen Bruchteil von denen in Europa. Außer mehreren Kilo schweren Papayas, die zwischen 2 und 3 USD kosteten, gab es die kleinen aromatischen Papayas Hawaianas und die Andenpapaya, Babaco genannt.

In anderen Abteilungen erwarteten mich Hochlandgemüse wie Kohl, Brocoli, Möhren und verschiedene Kartoffelsorten, in Säcken verpackt und ebenfalls in 1 USD-Mengen in Plastikschüsseln pyramidenförmig aufgebaut. Auffallend waren für mich bis jetzt unbekannte dunkelrote und schwarze Kartoffeln, die bei Nachfrage „Leona“ (Löwin) hießen. Ich konnte nicht wiederstehen, diese sonderbargefärbten Kartoffel zu kaufen. Sie sollen süß und mehlig schmecken und ich hoffe, Ihnen das nach Zubereitung bestätigen zu können.

Auffallend waren auch kleine gelbliche und rötliche Knollenfrüchte, Oca genannt, die speziell in den Anden von Ecuador, Peru und Bolivien in Höhen von 3.000 bis 4.000 m angebaut werden, aber nicht den Kartoffeln sondern den Sauerkleegewächsen zugeordnet werden.

Bei den Zwiebeln wählen die Hausfrauen zwischen weißen (Perla) und roten (Paitenja), je nachdem was gekocht oder gebraten werden soll. Reis, Getreide, Quinoa (Amaranta), Bohnen, Linsen und Gewürze wie Pfeffer und Zimt waren in einer anderen Abteilung zu haben. Pfeffer und Zimt werden auch in den Tropen Ecuadors angebaut.

Die Bevölkerung im Hochland verkonsumiert Kartoffeln und Mais und auch Reis, an der Küste dagegen hauptsächlich Reis und Yuca (Maniok). Die verschiedene Reissorten und -qualitäten unterscheiden sich durch Größe und Farbe. Der Reis an der Küste schmeckt meiner Meinung nach besser als im Hochland, obwohl es derselbe Reis ist. Es dürfte vielleicht an der niedrigen Höhe liegen, wo das Wasser anders ist und die Kochzeit kürzer liegt.

Yuka (Maniok) wird an der Küste und im Küstenvorland sowie im Urwald als Ersatz für die Kartoffel gegessen. Die zum Teil mehrere Kilo schwere Wurzel, die nach dem Schälen gekocht oder danach gebraten wird, hat einen feinmehligen angenehmen Geschmack und so mancher Feinschmecker ist in Ecuador zum „Yukero“ geworden (Liebhaber dieser mehligen stärkehaltigen Knolle).

In den Fleischabteilungen ist Schweine-, Rindfleisch und Huhn am meisten gefragt. Meerschweinchen, hier Cuyes genannt, sind Leckerbissen der ecuadorianischen Küche und haben dementsprechend einen hohen Preis. Ca. 15-20 USD pro Meerschweinchen.

Nach einem 2-stündigen Besuch der verschiedenen Marktabteilungen und nach Probieren von Früchten und frischgepresstem Fruchtsaft ließ ich mich in einem der vielen Esslokale nieder und genoss einen Teller Spanferkel mit Llapingachos.

Meine Empfehlung: Besuchen Sie den Markt von Sangolqui und lassen Sie sich von der Stimmung, den Produkten und den vielen Fotomotiven einfangen. Eine ideale preisgünstige Übernachtungsmöglichkeit in Sangolqui bietet 15 Fußminuten vom Markt entfernt die Hosteria Sommergarten, wo Sie in Bungalows wohnen, die in einer blumenreichen Gartenanlage liegen. Von hier aus können Sie interessante Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung unternehmen.

Weitere Märkte in Ecuador finden Sie demnächst unter folgenden Links:

Viehmarkt in Santo Domingo de los Tsachilas (Colorados)

Fischmarkt in Santo Domingo

Viehmarkt in Calpi (in der Nähe von Riobamba)

Fischmarkt in Puerto Lopez

Touristischer indigener Markt in Otavalo

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