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Vulkan Cotopaxi wieder aktiv?

 

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Der 5.897 m hohe Cotopaxi ist der zweithöchste Vulkan Ecuadors und einer der höchsten aktiven der Erde. Seit 1738 ist er etwa 50 Mal ausgebrochen. Mit seiner gleichmäßigen Konusform wird er auch als der „Fujiyama“ von Südamerika bezeichnet. Der Krater hat oben einen Durchmesser von 800 × 550 m und ist etwa 250 Meter tief.

Bis vor zwei Monaten war der Cotopaxi ein Mekka für Bergsteiger. Er liegt in dem nach ihm benannten Nationalpark in der gleichnamigen ecuadorianischen Provinz Cotopaxi, nur ca. 55 km südlich von Quito. Er gehört zur „Allee der Vulkane“ und liegt in der Ostkordillere der Anden von Ecuador.

krater-cotopaxi-foto-ministerio-coordinador-de-seguridad-ecuadorcotopaxi-rauchendDer Vulkan Cotopaxi ist nach 138 Jahren Ruhepause seit einigen Wochen wieder aktiv. Im Jahr 2014 konnte man ab und zu leichte Rauchwolken auf der Südseite des schneegekrönten Gipfel aufsteigen sehen, die sich seit Juni 2015 verstärkt hatten. Zuerst stieß der Cotopaxi weiße Schwefelwolken in Abständen von wenigen Minuten aus. Am 14. August 2015 jedoch erhob sich eine acht Kilometer hohe dunkle Aschewolke und im Vulkaninneren entstanden mehrere Explosionen, die keine weiteren Auswirkungen hatten. Daraufhin wurde von der Regierung Ecuadors am 15. August die Alarmstufe „gelb“, das heißt Mittel, verhängt und der Besucherzugang zum Nationalpark Cotopaxi bis auf weiteres eingestellt.

 

 

ralph-sommer-am-cotopaxiAm selben Tag rief der Präsident Ecuadors, Rafael Correa, den Ausnahmezustand über das ganze Land aus. Mehrere kleine Ortschaften in der Nähe des Vulkans wurden von der Regierung evakuiert, da Häuser, Äcker und Weiden mit Asche bedeckt waren und die landwirtschaftliche Tätigkeit nicht mehr durchführbar war.

Die Regierung hat entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen und falls nötig zu evakuieren. Im Falle einer Eruption würden sich Lavamassen zu Tal ergießen und die mächtigen Gletscher zum Schmelzen bringen. Innerhalb kürzester Zeit würden sich Lahares (Schlammlawinen) bilden, die sich mit Windeseile über mehrere Flüsse und Canyons auf die nördlichen, westlichen und südlichen Gebiete um den Cotopaxi herum ausbreiten würden und gewaltige Verwüstungen hervorrufen könnten.

 

Aktueller Zustand des Vulkans Cotopaxi (05.10.15):

cotopaxi-aktiv-vom-panecilloDer Cotopaxi befand sich bis vor einer Woche in einer aktiven Ausbruchsphase mit hoher innerer und gemäßigter äußerer Aktivität. Weiße Schwefelwolken, die sich nur wenige 100 m über den Vulkan erhoben, wurden zeitweise durch dunklere Aschewolken abgelöst. In den letzten Tagen hat die Aktivität des Vulkans Cotopaxi nachgelassen; es waren keine Aschewolken mehr zu sehen, jedoch ist durch die Erhitzung im Kraterinneren die weiße Krone um den Kraterrand völlig geschmolzen. Siehe Luftaufnahme des „Ministerio Coordinador de Seguridad“ vom 3. Oktober. Die Caldera des Cotopaxi ist mittlerweile schneefrei und die Gletscher, die darunterliegen, schmelzen allmählich. Am Kraterrand und im Kraterinnen kann man auf dem Foto gelbgrünliche Schwefelablagerungen und im Kratergrund eine Lagune erkennen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die eruptiven Symptome des Vulkans Cotopaxi verstärken oder abklingen?

Die Regierung hat die Überwachung des Vulkans und die Information der Bevölkerung komplett in die Hand genommen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Warnanlagen und Evakuationszentren wurden eingerichtet und Maßnahmen festgelegt, um im Ernstfall entsprechend der Situation reagieren zu können.

Da Ende Juni 2015 Protestmärsche der indigenen Bevölkerung und landesweite Demonstrationen gegen die Regierung waren, u.a. wegen der „Ley de Tierras Rurales“ (Gesetz der ländlichen Gebiete), Ley de Agua (Wasserrechte), Ley de Territorios Ancestrales (Gesetz der indigenen Gebiete), wegen Erdölbohrungen im Urwald (Nationalpark Yasuni), wegen des geplanten Abbaus von Gold und anderer Mineralien in der Provinz Morana Santiago, wegen der angekündigte Erhöhung der Erbschaftsteuer und der erhöhten Abgaben (Plusvalia) beim Verkauf von Grund und Boden (80% Steuern für den Staat), wegen der von der Regierung beabsichtigten unbegrenzten Wiederwahl des Präsidenten, sahen die Regierungsgegner, den eventuelle Ausbruch des Vulkans Cotopaxi als einen gegebenen Vorwand für die Regierung an, durch die erlassene Notstandgesetzgebung uneingeschränkt über Militär und Polizei verfügen zu können und Aufmärsche und Demonstrationen im Keim ersticken zu können.

Obwohl die vom Vulkan ausgehende Gefahr groß ist, hatte das Ministerium für Risikomanagement nur die Alarmstufe (Gelb) ausgerufen. Ansonsten kann das ganze Land ohne Einschränkung besucht werden.

Für den Touristen ist der rauchende Cotopaxi mit dem nötigen Sicherheitsabstand ein spektakulärer Anblick (siehe Video). Als Ersatz für den Cotopaxi empfehle ich den Besuch des Nationalparks Antizana, der ebenfalls in der Ostkordillere der Anden liegt. Der Vulkan Antizana ist mit 5.704 m Höhe der dritthöchste Vulkan Ecuadors befindet sich ca. 40 km südöstlich von Quito. Der Vulkan Antizana begeistert den Besucher mit seinen schneegekrönten vier Gipfeln und weist eine unbeschreiblich schöne Szenerie von Paramolandschaft, Mica-See und einer vielfältigen Flora und Fauna auf. Der Nationalpark ist nicht zuletzt das wichtigste Rückzugsgebiet für Kondore. Hier konnte ich an einem Nachmittag 14 Exemplare beobachten. Beim Besuch des Antizana kann man außerdem weitere Vulkane wie den Sincholagua (4.893 m), Ruminahui (4.712 m) und Cotopaxi sehen.

Folgende Fotos zeigen den Vulkan Cotopaxi inaktiv und in verschiedenen Rauch-Phasen mit jeweiligem Aufnahmedatum. Bitte beachten Sie, wie sich inzwischen die Schnee-Eiszone verändert hat.

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Das Video „Cotopaxi Aktiv“ soll Ihnen einen Eindruck von der vulkanischen Aktivität geben.

Gerne stehe ich Ihnen für Fragen zur Verfügung. Ich werde Sie in den nächsten Wochen vor Ort auf dem Laufenden halten, falls der Cotopaxi sich in seinen eruptiven Aktivitäten verändern sollte.

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Artikel + Fotos von Ralph Sommer (copyright), Bericht vom 05.10.2015

Ein Foto von Ministerio Coordinador de Seguridad

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