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Vulkan Antizana in Ecuador

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Ein Naturschauspiel der besonderen Art

Dieser eindrucksvolle, vergletscherte Vulkan (auch Antisana genannt) ist 5.704 m hoch. Nach ihm ist das gleichnamige Naturreservat benannt. Es wurde im Jahre 1993 vom Staat Ecuador gegründet und hat eine Fläche von 1.200 qkm und umfasst die Provinzen Napo und Pichincha. Es ist ein „Hotspot“ der Artenvielfalt der Welt.

 

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Von Bergsteigern wird der Antizana nur selten bestiegen, da der Aufstieg über Gletscherspalten und Umwege führt und der Aufstieg durch widrige Wetterbedingungen erschwert wird.

gletscher-vulkan-antizanaDas Naturreservat befindet sich 55 km südöstlich von Quito bzw. 40 km südöstlich von der Kleinstadt Sangolquí und liegt in der Ostkordillere der Anden. Der Antizana ist der vierthöchste Vulkan Ecuadors. Er besteht aus einem vergletscherten Hauptgipfel mit vier Spitzen und hat einen großen Krater. Der Antizana gilt seit 214 Jahren als inaktiv.

Bei gutem Wetter kann man den Antizana auf der Fahrt von Baeza durch den Bergnebelwald nach Papallacta sehen. Der schneeweiße Vulkanriese bietet bei blauem Himmel von der Urwaldseite her einen faszinierenden Kontrast mit dem üppigen Grün des Bergnebelwaldes.

Um das Naturreservat des Antizana intensiv zu erkunden, fuhr ich von Sangolqui auf gut ausgebauter Straße aus nach Pintag (ca. 30 Minuten). Pintag ist ein hübsches kleines Andendorf auf 2.825 m Höhe, das auf seiner Plaza den indigenen General Pintag verehrt. Der Ort ist für Viehwirtschaft und den Paseo del Chagra (Reiterfeste mit folklorischen Tänzen und Stierkampf) bekannt, wobei die Stiere jedoch nicht getötet werden. Danach führt der Weg hinauf in die Anden zum Naturreservat des Antizana, vorbei an Basalt-Lavaflüssen, die heute als Steinbrüche ausgebeutet werden. Das rotbraune bis schwarze Lavamaterial, das sich in einen Canyon ergoss, stammt von einem Ausbruch des Antizana vor 214 Jahren. Im Sektor El Seco erwartete mich eine Lagune, idyllisch im Canyon gelegen, umgeben von Lavagestein. Einige hundert Meter oberhalb nisten Kondore (siehe unser Artikel Andenkondore in Ecuador) in einer Felswand. lagune-mica-vom-antizanaMit einem Spektiv konnte ich von dem Restaurant Tambo Condor aus auf einige 100 m Entfernung einen jungen Kondor auf einem Felsvorsprung beobachten. Der Eigentümer des Restaurants erzählte mir, dass hier ein Kondorpaar nistete und man diesem täglich bei den Flugmanövern mit dem Jung-Vogel zusehen konnte. Im Laufe des Vormittags, wenn genügend Sonne scheint und somit Thermik vorhanden ist, drehen die Kondore über den Andenhängen ihre Kreise. Außer dem Jungvogel konnte ich mit bloßem Auge fünf weitere Kondor-Nistplätze, mit Kot weiß bespritzt, ausmachen. Der Kondor ist der größte flugfähige Vogel der Erde und erreicht eine Spannweite von bis zu 3 Metern.

 

In Ecuador sollen noch ca. 50 bis 100 Exemplare leben. kondor-tambo-condorDer größte Feind des Kondors ist der Mensch. Obwohl der Kondor unter Artenschutz steht und er als der Nationalvogel der Andenländer Südamerikas im Wappen aufgeführt ist, werden immer wieder Kondore von Bauern vergiftet.

Bei dem Restaurant Tambo Condor befand sich auch eine Kolibri-Futterstelle, an der ich einen Schwarzschwanzlesbia-Kolibri (Lesbia victoriae) beobachten konnte. Das Männchen hatte eine Gesamtlänge von etwa 25 cm, wobei der Schwanz länger als der Körper ist (siehe Foto).

Die Weiterfahrt auf den Paramo (Hochfläche) des Naturreservates Antizana führt auf eine Höhe von über 4.000 m. Unterwegs musste ich bei einer Kontrollstation meine Passdaten eintragen. Von den Rangern wurde ich auf die Parkregeln aufmerksam long-tailed-green-traibearer-tambo-condor-antizanagemacht und dass das Mitführen von Streichhölzern oder Feuerzeug wegen Brandgefahr verboten sei.

Auf dem Paramo trifft man nur noch vereinzelt auf Bäume der Gattung Polylepis an, die viele Häute am Stamm und kleine Blätter aufweisen, um in dem kühlen Andenklima überleben zu können.

Die szenenhafte Landschaft aus Bergen und Tälern faszinierte das Auge. Am Straßenrand konnte ich Enzian- und Asterngewächse, Passionsblüten, Bomareas, Lupinen, Puyas (Bromelien) und Polsterpflanzen bestaunen. Danach erreichte ich die herrliche Hochebene, in der sich zu meiner Rechten das büschelförmige Ichu-Gras wellenförmig bewegte und die Grashalme in der Sonne glänzen ließ. Zu meiner Linken lagen grüne Wiesen, auf denen Wildpferde und Rinder grasten. Ich hatte hier Glück, noch weitere Kondore im Flug und beim Verzehren eines verendeten Rindes beobachten zu können. Insgesamt zählte ich 14 Exemplare, was für mich ein absoluter Rekord war. Es ist gut zu wissen, dass sich eine solch beachtliche Anzahl von Kondoren beim „Leichenschmaus“ einfanden – ein Zeichen, dass der jahrzehntelange Naturschutz hier erfolgreich war.

Auf der Weiterfahrt durch das Hochland waren auf beiden Straßenseiten und auf der Straße selbst Andenkiebitze zu beobachten. Zahlreiche Caracara-Vögel (Falkenfamilie) inspizierten eine Wiese mit niedrigem Grass nach Essbaren (Würmer und Käfer). Ein Paar Anden-Sichler konnte ich ebenfalls sichten, das mit den langgebogenen Schnäbeln den Wiesengrund nach Essbaren absuchte.

Langsam näherte ich mich mit meinem 4×4 Fahrzeug der Lagune Mica, wo sich der Parkplatz befand und sich selbstführende Wanderwege zu der anderen Seite der Lagune öffneten. Unterwegs konnte ich den wolkenverhangenen Antizana bestaunen, der sich nach einiger Zeit auftat und seine mächtigen mit Schnee und Gletschern bedeckten Gipfel zeigte. Der Antizana bekommt vom Urwald viele feuchte Luft spendiert, die sich in einer Höhe von über 5.000 m in Schnee verwandelt. Es ist ein nicht endendes Schauspiel, die Wolken über den Antizana ziehen zu sehen, die zeitweise den Schneeriesen in voller Größe zeigten.

Auf dem Rückweg von der Mica-Lagune, die einen beachtlichen Umfang hat und auf der Enten und Blässhühner zu beobachten waren, hielt ich nach Weißwedelhirschen Ausschau und hatte das Glück, drei Exemplare aus nächster Nähe filmen zu können.

Es waren zwei 6′ Ender und ein Junghirsch, die gemütlich ästen und sich durch meine Gegenwart nicht stören ließen. Auf der Weiterfahrt konnte ich noch eine Hirschkuh zwischen dem Ichu-Grass erspähen. Die Landschaft war durch den südlich gelegenen Vulkan Sincholagua (4.893 m) und den weiter südlich gelegenen Cotopaxi (5.897 m) bestimmt. Der Cotopaxi machte sich durch eine große Aschenwolke bemerkbar, die aus seinem Kraterschlund aufstieg.

Begeistert von der herrlichen Andenlandschaft und den Natur-Erlebnissen, erreichte ich am Spätnachmittag Sangolquí.

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Artikel + Fotos von Ralph Sommer (copyright)

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