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Andenkondore in Ecuador

 

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Eine Überlebenschance für den größten Vogel der Welt im Naturreservat Antizana

Familie: Neuweltgeier (Cathartidae)

Der Andenkondor (Vultur gryphus), der zu den Neuweltgeiern (Cathartidae) zählt, ist in der Andenregion Südamerikas von Venezuela bis Feuerland verbreitet, d.h. über eine Strecke von ca. 8.000 km. Jedoch ist in den letzten Jahren diese Vogelart sehr gefährdet und in einigen der Andenländer sind nur noch wenige Exemplare anzutreffen.

Merkmale, Aussehen

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Die Andenkondore sind mächtige, schwarze Vögel und werden als Neuweltgeier bezeichnet. Sie ernähren sich von Aas. Von den Biologen etwas umstritten wurden sie aufgrund ihrer Bein- und Knochenstruktur sowie der Schädelanatomie und des Schnabelklapperns zu den Störchen eingereiht. Nach aktueller Auffassung gehören sie jedoch zu den Greifvögeln. Das ausgewachsene Kondormännchen besitzt an der Flügeloberseite weiße bis silberweiße Handschwingen und Deckfedern. Der nackte, rötlichbraune Kopf setzt sich durch eine weiße flaumige Halskrause von dem schwarzen Rumpf ab. Ein fleischiger rötlicher Kamm bedeckt die Kopfoberseite; das Erwachsenenkleid erreicht der Andenkondor erst ab dem 6. bis 8. Lebensjahr. Das Männchen wird bis zu 15 kg schwer und erreicht eine Spannweite über 310 cm und wird bis zu 70 Jahre alt. Die Gesamtlänge liegt bei 100 bis 125 cm. Das Weibchen ist etwas kleiner und ca. 60% leichter, gleicht aber in der Färbung dem Männchen, besitzt aber keinen Kamm. Das Weibchen legt ihr Erwachsenenkleid wahrscheinlich schon im 2. Lebensjahr an. Es legt im Zweijahresrhythmus ein Ei. Die Brutzeit beträgt 60 Tage. Beide Eltern sind für das Ei verantwortlich und brüten abwechselnd.

kondore-am-fressen-antizanaDer Jungvogel wird anfangs zweimal am Tag gefüttert, später nur einmal. Nach 6 Monaten wird der dunkelbraun gefärbte Jungvogel flügge.

Die Andenkondore nisten auf Felsvorsprüngen, die von ihrem Kot weiß gefärbt sind. Trotz ihrer großen allgemeinen Bekanntheit fehlen den Biologen noch immer wesentliche Daten.

Bestand und Gefährdung der Kondore

In den letzten Jahrzehnten wurde der Lebensraum der Kondore immer mehr eingeengt. Die Gründe dafür sind die intensive Viehhaltung und die wachsende Bevölkerungszahl. Somit wurden die Kondore immer mehr in entlegenen Gegenden des Andenhochlandes zurückgedrängt.

Hauptverantwortlich für den Artenrückgang waren Bejagung, Vergiftung und der Fang mit Fallen. Die Einheimischen behaupten, der Andenkondor würde ihr Vieh töten und Schafe, Kälber und auch Kleinkinder angreifen und davontragen. Somit wurde der Kondorbestand in den Andenländern dezimiert oder gänzlich ausgelöscht. In Peru hatte eine Kommission von Naturschützern im letzten Jahr eine Umfrage in verschiedenen touristischen Orten (Colca, Cuzco, Pisac) bei Souvenirläden gestartet, da festgestellt kondor-auf-felsblockwurde, dass Kondorfedern als Souvenirs verkauft wurden und Knochen zu Panflöten verarbeitet und sogar komplette ausgestopfte Kondore zum Kauf angeboten wurden. Die verschiedenen Körperteile und Knochen dienten auch der indigenen Bevölkerung als Heilmittel und zu rituellen Zwecken. In entlegenen Dörfern Perus werden zu Festlichkeiten Kondore gefangen, um diese bei Feierlichkeiten auf Stiere anzubinden. Nach indigener Vorstellung ist der Kondor das Symbol für Freiheit und für den König der Lüfte und die Indigenen identifizieren sich mit ihm. Der Stier dagegen ist das Symbol der ehemaligen spanischen Unterdrückung.

Obwohl der Andenkondor auf der roten Liste des Artenschutzes steht und mittlerweile die Bevölkerung zum Schutz der Kondore aufgerufen wird und das Töten streng bestraft wird, besteht regional noch immer die Gefährdung durch Abschuss, Vergiftung und Fang. Außerdem werden Giftköder ausgelegt, um Pumas, Brillenbären oder Füchse zu töten. Deren Kadaver vergiften auch die Kondore, wenn sie diese fressen.

Sensibilisierung der Einheimischen

Es muss positiv erwähnt werden, dass in den Andenländern das Umweltbewusstsein der Einheimischen durch Schutzmaßnahmen, Schulungsprogramme und Aufklärung sensibilisiert wurde. Auch haben diese Länder erkannt, dass das Beobachten von Andenkondoren eine besondere Touristenattraktion und somit eine gute Einnahmequelle bedeutet. Durch den Ausbau von Naturreservaten und Wiederauswilderungsstationen konnten in Kolumbien, Ecuador, Chile und Nordargentinien Restpopulationen soweit kondore-mit-aas-antizanagestützt werden, dass sich die Kondorbestände wieder erholten.

Auf meinen Reisen durch Südamerika hatte ich des Öfteren Gelegenheit, Kondore in Peru im Colcacanyon zu beobachten und war vom ersten Moment an von den majestätisch kreisenden Vögeln begeistert. Im Nationalpark Torres del Paine im Süden Chiles konnte ich sehr gute Kondorbeobachtungen anstellen.

In den letzten Jahren hatte ich in Ecuador, dem kleinsten Andenstaat Südamerikas, immer wieder nach Kondoren Ausschau gehalten. Vor einigen Jahren konnte ich zusammen mit einer Ornigruppe auf dem Paramo del Angel (Nord-Ecuador) vier Kondore beobachten, die sich an einem verendeten Rind ihren Bauch vollschlugen, bis ein Stier mit gesengten Hörnern auf sie zustürmte. Einer der vollgefressenen Kondore, auf den es der Stier abgesehen hatte, lief mit seinen kurzen Beinen so schnell er konnte davon und schaffte es mit Müh und Not, noch kurz vor dem Stier durchzustarten.

In den letzten Wochen besuchte ich mehrmals das Naturschutzgebiet des Vulkans Antizana (Bericht Vulkan Antizana in Ecuador), das als Rückzugsgebiet für den Kondor bekannt ist und ein absoluter Hotspot für Natur- und Vogelbeobachtungen ist. Auf der Auffahrt zur Lagune Mica entdeckte ich an der Felswand eines Canyons mehrere Kondor-Nistplätze sowie einen Jungvogel auf einem Felsvorsprung.

kondor-im-flugDen absoluten Höhepunkt bot sich auf der Weiterfahrt, als auf einer Paramowiese (3.900 m ü.d.M.) 19 Kondore ihren Schmaus hielten. Ich konnte dabei eine gewisse Hackordnung beobachten, wobei der Anführer, ein gewaltiges Männchen sich zuerst von dem Aas bediente und danach zusammen die weiteren Kondore. Danach erhoben sie sich in die Lüfte und erschienen wie von einer Riesenhand in den Himmel gezogen zu werden, um sich spielerisch wieder abwärts treiben zu lassen, um danach wieder in den Himmel zu steigen (siehe Video). Bei den kreisenden Kondoren konnte ich gut die silbrig-weiße Flügeloberfläche und die weiße Halskrause erkennen, die in der Sonne glänzten. Im anschließenden Gleitflug waren die Flügel nahezu waagrecht gespannt.

 

 

kondor-im-kondorzoo-banosWenn Sie also Kondore beobachten wollen, so kann ich Ihnen bestens das Naturreservat Antizana empfehlen; hier wurden bis zu 38 Andenkondore gezählt. Ein absoluter Rekord, da im Lande selbst nur 50 wildlebende Kondore und 19 Kondore in Gefangenschaft (Zoo) leben sollen. Hier finden Sie auch gute Übernachtungs- und Wildbeobachtungsmöglichkeiten vor. Reitausflüge sind ebenfalls möglich.

Bei der Bildergalerie finden Sie unter anderem auch Fotos von Kondoren aus dem Zoo in Baños. Hier ist ein Kondorpaar in einem Freigehege in einem Felsvorsprung untergebracht, das mit Drähten überspannt ist. Hier haben die Kondore zumindest die Möglichkeit, begrenzt auf eine Entfernung von ca. 50 m fliegen zu können. Jungvögel die in einem Gehege aufgezogen werden, später in die Freiheit zu entlassen, ist ein sehr kritisches Unternehmen, da ein Zoo, so gut er auch sein mag, nie das natürliche Habitat in der freien Natur ersetzen kann und das Elternpaar keine Möglichkeit hat, ihren Jungvogel auf das tägliche Leben vorzubereiten.

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Artikel + Fotos von Ralph Sommer (copyright), Bericht vom 07.10.2015

Titelbild von Reserva Biologica Antinasilla

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