Asien,  Myanmar

Magisches Myanmar – im Land der goldenen Pagoden

Unsere Myanmar-Reisen finden Sie unter www.myanmar-discover.de

20.12.2014 bis 10.01.2015
Yangon – Bago – Goldener Fels – Bagan – Irrawaddy – Mandalay – Mount Popa – Amarapura – Sagaing – Inwa – Inle See – Indain – Nyaungshwe – Taunggyi – Ngapali

Mit einem Silvesterdinner in den schwimmenden Gärten des Inle Sees beginnt unser Jahr fünfeinhalb Stunden früher als in Deutschland. Schon am Weihnachtsabend gab es eine Gala am Ufer des Royal Lake in Rangun – wir sind in Myanmar.

Klar, eigentlich müsste wer über Myanmar erzählt, von goldenen Pagoden und Palästen schreiben, von Hochkulturen und tausendjähriger Geschichte. Solcherlei Texte findet jeder Interessierte in großer Vielfalt – quasi Mitschnitte der Studiosus-Vorlesungen, die man in Birma zu fast jeder Tageszeit live überall dort hören kann, wo mehr als ein paar Quadratzentimeter Blattgold an einer Wand kleben. Solchen Ausführungen hätte sich höchstens noch etwas über die Bewusstsein erweiternde Wirkung hundertfachen Mantra artigen Schuhe Aus- und wieder Anziehens an allerlei heiligen Orten hinzufügen lassen. Also schreiben wir einfach über das, was uns ganz persönlich beeindruckt hat, über das, was hier anders aussieht, sich irgendwie anders anfühlt als in den anderen Ecken der Welt.

Menschen

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Durch die Kultur seiner Menschen beeindruckt uns das Land mehr noch, als durch seine zweifelsohne im Überfluss vorhandene historisch religiöse Baukultur. Auffallend die freundliche Aufgeschlossenheit, eine zurückhaltende Bescheidenheit, man spürt ein fürsorgliches Bemühen um das Wohlergehen des Fremden, das weit über so etwas wie serviceorientierte Freundlichkeit hinausgeht. Es ist eine angenehme Mischung aus disziplinierter Dienstbeflissenheit und offener Lebensfreude, die durchgehend erlebte Verlässlichkeit, die uns als so authentisch, im positiven Sinne fast naiv und irgendwie grundehrlich erscheint. Klar, das alles findet man anderen Orten auch – aber wohl kaum ein zweites Mal in dieser Intensität. Solche Umgangsformen in der Dienstleistung vorzufinden überrascht wenig. Zu beobachten war das aber auch von den Kindern im Kindergarten, Jugendlichen beim Fußball und sogar beim Lethwei. Lethwei ist die in Birma populäre, vielleicht weltweit härteste traditionelle Kampfsportart. An sich ähnlich wie Muai Thai folgt sie aber noch weniger Regeln. Es wird ohne Handschuhe gekämpft, es ist sogar erlaubt, den Kopf einzusetzen, nicht nur zum Denken. Bisweilen also ein recht blutiges Spektakel. Und trotzdem auch hier: Der Verlierer verneigt sich vor dem Sieger und beide zusammen vor und nach dem Fight vor den Kampfrichtern. Interessant auch, wie der Sieger mit seinem Ritualtanz den Geistern huldigt…
Das ganze Land ist im D-Zug-Tempo unterwegs in die Zukunft. Wie sonst nur selten auf dieser Welt, setzen sich zeitgleich mittelalterliche Fuhrwerke mit den aktuellsten Smartphones in Szene, verzahnen sich hell erleuchtet glitzernde Konsumtempel der internationalen Marken mit unprätentiösem Feilschen auf dem burmesischen Straßenmarkt direkt nebenan. Sparsam bekleidete Girlies stellen stolz weibliches Selbstbewusstsein zur Schau, mitten zwischen den traditionellen und mit Würde getragenen Longyis, den landestypischen Wickelröcken, unisex für Männer, Frauen und Kinder, auf dem Land wie gleichermaßen in der Metropole. Ob trendig oder klassisch, fast allen gemeinsam und allgegenwärtig ist das typische burmesische Makeup – gleichzeitig kühlend, pflegend und vor der Sonne schützend – Thanaka. Auf einem Wetzstein wird das Holz des Thanaka Baums mitsamt Rinde unter Zusatz von Wasser aufgerieben und als gelbe Paste auf die Haut aufgetragen. Wer es besonders chic mag, prägt in die noch feuchte Schicht die Muster von Blattrippen und Blüten.

Mönche

Bettelmönche in dunkelroten Umhängen gehören allerorten genauso zum Straßenbild Myanmars, wie rosa gekleidete Nonnen. Beide wirken dabei nur bedingt vergeistigt, sitzen mal hinten, mal vorn auf dem Moped, chatten am Smartphone, flirten in Bars und Restaurants, feuern ihre Fußball- oder Fußballtennismannschaften an und wetten in der Kampfsportarena auf ihren Champion.

Betel


Betelblätter Betelnuss

                               Betelblätter                                                                       Betelnüsse

Nicht so appetitlich ist der allgegenwärtige Betelkonsum. Kaum ein Mann der nicht mehr oder weniger permanent auf Stücken dieser Palmnüsse kaut. Zusammen mit Kalk und Betelblättern – diese nicht etwa von der Betelpalme sondern von der Betelpfefferpflanze – ergibt sich ein Tranquilizer, dessen Alkaloide direkt ins Hirn gehen. So weit so nett. Neben den schwarz verfärbten Zähnen ist das weniger Appetitliche dabei der erhöhte rot gefärbte Speichelfluss, dessen sich der Asiate in jeder Lage lautstark und an jeder erdenklichen Ecke entledigt. Das Ganze lässt den Fremden eher an offene Tuberkulose als an Genuss denken, und seine Schritte sorgfältig zwischen den ekligen roten Spritzern hindurch lenken. Gut, wir sollen das nicht den Burmesen allein anlasten. In Südostasien konsumieren rund eine halbe Milliarde Menschen Betel.

Verkehr

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                                                            Verkehrsteilnehmer in Myanmar

Mehr als 90 % der Burmesen sind Buddhisten – gleichzeitig zählen aber vermutlich noch weitaus mehr von ihnen zu den Animisten. Der Glaube an die guten Geister scheint auch nötig, z. B. wenn man sich bei all den unsäglichen Zubereitungen an traditioneller Medizin auf den Märkten nicht allein auf die Reinkarnation verlassen will. Ein wenig Geisterglaube schadet auch nicht mit Blick auf die tendenziell abenteuerlichen Verkehrsmittel, derer sich der einfachere Burmese zur Fortbewegung bevorzugt bedient. Vom Ochsenkarren über die Rikscha bis zum neuesten SUV findet sich in ausufernder Vielfalt so ziemlich alles auf den Straßen, was in irgendeiner Form Räder hat. Die Rikscha heißt hier Sai Kaa. Der Begriff leitet sich linguistisch vom englischen „Side Car“ ab. Er beschreibt ein Fahrrad mit Beiwagen, auf dem, Rücken an Rücken hockend, zwei Fahrgäste und sicherlich dazu noch ein halbes Dutzend Säcke Reis Platz finden. Ein weiterer Toprunner in Myanmar ist der Einzylinder Stationärdiesel nach Bauart von Changzhou & Co. Egal ob Trecker, Pumpe, LKW, Langboot oder Reismühle, fast alles im Land wird durch die lautstarke Motorkraft des Dieseltriebwerks mit dem riesigen, offen rotierenden Schwungrad bewegt.

Zigarren

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                                                           Frauen beim Zigarren rauchen

Torcedoras sind in Burma unbekannt – schließlich sind wir ja nicht in Kuba – Zigarren werden in Myanmar aber dennoch gerollt. Kleine und große zylindrische Kolben deren Deckblätter aus Cheeroot anstelle von Tabak bestehen. Innen gibt es individuelle Mischungen aus dem Holz des Cheeroot Baumes mit Zusätzen wie Tamarinden, Bananen, Nüssen und Palmzucker. Der Filter der Zigarre besteht aus gerollten Maisblättern oder einfach nur Zeitungspapier. Mein Favorit war die würzig-fruchtige Variante mit Anis. Die dicken Dinger sind für die Frauen, die Männer bevorzugen die Dünneren…

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                          Zigarrenherstellung
Kunsthandwerk

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                        Kautschuk-Felle beim Trocknen                                              Steinmetz

Neben der Zigarrenfabrikation zählen denn auch die zahlreichen Handwerkskünste zu den sehenswürdigen Schätzen des Landes. Die Schnitzer arbeiten mit großem Geschick frei Hand oder nach traditionellen Vorlagen. Es ist schier unglaublich, mit welcher überbordenden Ornamentik und Vielfalt an Figuren sich die historischen Teakholzklöster schmücken. Geschmiedet wird nach alter Sitte an der Holzkohlenesse. Bevorzugt werden als Rohmaterial alte Fahrzeugfedern verarbeitet. Für den einfachen Nagel ist der Federstahl qualitativ sicherlich etwas überdimensioniert, aber er gehört genauso zum Repertoire dieser Freiform-Künstler wie allerlei bäuerliche Gerätschaft, bis hin zum reich verzierten Schwert. Latex wird an den Bäumen gleich hinter der Hütte gezapft und die Kautschuk-Felle nach Säurebad und Mangel vor der Hütte zum Trocknen aufgehängt. Steinmetze haben die Produktivitätsvorteile von Flex und elektrischer Schleifspindel schon lange für sich entdeckt, die Segnungen des Atemschutzes bisher aber offenbar noch nicht. Die Torsos der Marmorbuddhas laufen augenscheinlich in serieller Vorfertigung, ihre Köpfe verbleiben zunächst als noch unbehauene Steinquader. Selbige werden dann just in time, ganz nach individuellem Kundenwunsch herausgearbeitet. Bei den Marionettenbauern findet man anstelle von Buddhas gleich mehrere Dutzend unterschiedliche Charaktere von Figuren, die sich gegenseitig dann aber bis auf individuelle, durch die Handarbeit bedingte Unterschiede gleichen.

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                                  Schnitzwerk                                                                          Marionetten

Bronze
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                                    Bronze Figuren                                                               Bronze Figur

Ausgefallener wird es bei den Bronzebuddhagießereien. Zunächst wird ein Kern aus Holzstoff gebaut, dann eine Wachsschicht in der späteren Gußteilwanddicke aufgebracht. In die Wachsschicht wird dann jede einzelne Kontur, jeder Gesichtszug und jede Gewandfalte eingraviert. Der Modellbauer erzählt, dass er drei Monate an einer Statue arbeitet. Das fertige Wachsmodell wird anschließend mit Tonmineral umhüllt, das Ganze getrocknet und dann die Wachsschicht ausgeschmolzen. Final erfolgt der Bronzeabguss, das Entkernen, Gußputz und Politur. Jede Statue ein Individuum, jede Form verloren.

Lack

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                burmesischer Lackbaum                                                                                       Lackkunstwerke

Für Lackarbeiten ist Myanmar berühmt. Schon vor über tausend Jahren wurde die von alters her bekannte Technologie aus China übernommen. Hauptbestandteil des Lacks ist der Saft des Thitsi, des burmesischen Lackbaumes. Dafür dass der flüssige Lack erheblich giftig ist und der Lackstaub stark allergen wirkt, scheint der örtliche Umgang mit dieser Naturchemie recht sorglos. Zunächst werden Geflechte aus Bambus oder traditionell auch aus Pferdehaar angefertigt, in Lack getaucht und aushärten lassen. Ergebnis ist eine duromere Faserverbundkonstruktion mit dreitausendjähriger Tradition. Dann werden nacheinander weitere Lackschichten mit dem nackten Finger aufgetragen, so oft, bis die gewünschte Oberflächenqualität und Dicke erreicht ist. Es folgen in mehreren, sich schrittweise wiederholenden Durchgängen kunstvolle Gravuren, verschiedenfarbige Lackfüllungen und Zwischenschliffe bis schließlich, mal mehr, mal sehr aufwändig, das fertige Lackprodukt entsteht. Ist der Lack einmal durchgehärtet, sind die Schalen, Dosen, Pokale, Kannen, Tassen, Teller oder sonstiger Klimbim nicht nur dekorativ sondern sogar erstaunlich widerstandsfähig.

Sonnenschirme

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                   Sonnenschirme in allen Farbvariationen                         Sonnenschirmfabrik

Die Schirmmacher beeindrucken mit der geringen Zahl von Materialien, mit denen sie ihre Schirme herzustellen verstehen. Ein paar handgedrechselte Holzstücke, handgeschöpftes Papier, ein paar Stücke Bambusrohr und etwas Kordel, mehr wird nicht gebraucht, für den voll funktionsfähigen Schirm mit allen Finessen.

Webkunst

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                                                                                         Frauen bei der Webarbeit

Weltweit einzigartig und für uns neu ist Lotosseide. In den Lotoswebereien der schwimmenden Dörfer im Inle See entsteht aus den hauchdünnen Fasern der indischen Lotosblume das wohl teuerste Textil der Welt. Nur am Ende der Regenzeit zu ernten und noch am Ernte Tag zu verarbeiten, spinnt eine Weberin am Tag nicht mehr als 100 Gramm Lotosseide.

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                                 gewebtes Tuch

Das Garn um einen Meter gewebten Stoff herzustellen braucht eine Woche und die Fasern aus zehntausend Lotosblütenstängeln. Kein Wunder, dass das Material lange Zeit rituellen Gewändern vorbehalten blieb. Für den solventen Touristen heutzutage ein Schnäppchen: Maßgeschneiderte Sakkos gibt es ab 5.000 €… Für ein kleines Souvenir reicht es aber auch bei uns. Die Geschwindigkeit der Weberinnen an ihren mechanischen Seidenwebstühlen ist ganz beachtlich. Wir lernen zwei Weberinnen kennen, die sich wie ein Ei dem anderen ähneln. Beide um die 70 Jahre alt, sitzen die beiden Schwestern schon seit über 60 Jahren nebeneinander an Ihren Webstühlen, plappern mit fliegenden Händen munter und erfreuen sich an unserem Interesse. Die manuelle Webtechnik der Longneckfrauen vom Karen Volksstamm kann mit diesem Tempo nicht konkurrieren. Ihre Schals und Tücher bestechen durch eine unverwechselbare Kombination von Mustern, Farben und changierenden Gewebestrukturen.

Gold

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       Verzierung in einem Tempel                                               Tempelblattgold


Ganz speziell wird es bei den Goldschlägern für das Tempelblattgold. Von Hand, genau wie schon seit 500 Jahren im fränkischen Schwabach, wird das Gold in Myanmar mit großen Vorschlaghämmern geschlagen. Jeweils 500 Hammerschläge zählt ein Durchgang. Zumeist schlagen drei Goldschläger gleichzeitig im Takt. Die Erreichung der 500 Schläge wird als Zeit gemessen. Hierzu schwimmt ein Schälchen mit einem kleinen Loch im Boden in einer Wasserschüssel. Sobald das Schälchen vollgelaufen untergeht, ist die geforderte Zeit um und die Goldschläger bekommen eine kurze Pause. Anfangs sind die Goldstücke rund einen zehntel Millimeter dick. Das Blattgold hat im Ergebnis recht genau eine Dicke von 100 Nanometern, es muss also durch das Hämmern um den Faktor 1.000 in die Breite geklopft werden. Nach jedem der insgesamt sechs Hammerschlagdurchgänge werden die Goldplättchen geviertelt und neu zwischen pergamentähnliche Zwischenlagen aus Bambuspapier eingelegt. Dieses Spezialpapier wird eigens vor Ort zu diesem Zweck hergestellt. Zum Schluss erfolgen die Dickenkontrolle, der Beschnitt zu rechteckigen Blättchen und das Stapeln zu verkaufsüblichen Einheiten zu 50 oder 100 Blatt. Zum Tempelblattgold haben die Burmesen ein ganz besonderes Verhältnis. Haben sie die Chance ihre Goldplättchen irgendwo an eine Buddhastatue zu pappen, stehen sie hierfür auch schon mal Schlange. Es gibt Buddhastatuen deren Goldauflage so über die Jahrzehnte auf einen halben Meter Dicke anwuchs!

Schwimmende Gärten

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                                         Inle See von oben                                    Wasserhyazinthe Eichhornea

Als sehr eigentümlich zeigen sich die schwimmenden Gärten im Inle See. Schwimmende Inseln, Dörfer und Gärten an sich dachten wir bereits zu kennen, von den argentinischen Ibera Sümpfen, in der vietnamesischen Halong Bay, die Uros im Titicaca See oder auch von Kambodscha auf dem Tonle Sap. So etwas wie hier in Myanmar gibt es aber sonst wohl nirgendwo, vielleicht noch im aztekischen Xochimilco. Die Basis der schwimmenden Gärten hier am Inle bilden die Schwimmkörper der Wasserhyazinthe Eichhornea. Andernorts in tropischen Gewässern gilt sie als gefürchtete Wucherpflanze. Der zweite Bestandteil wächst auf dem Grund des nur drei Meter flachen Sees: Unmengen von Wasserpest. Neben der Höhenlage auf rund 900 Metern ist dieser Sauerstoff liefernde Bewuchs wohl der Hauptgrund dafür, dass der intensiv genutzte See nicht permanent eutrophiert.

Die Bauern – oder sind es Fischer? – egal, jedenfalls zählen sich beide zu den Inthas, den „Söhnen des Sees“, den berühmten Einbein-Ruderern, die ihre Einbäume geschickt auf dem einen Bein balancierend mittels eines vom anderen Bein eingeklemmten Ruders fortbewegen und so die Hände für die Arbeit frei halten – die Bauern also laden Mengen der langfaserigen Unterwasserpflanzen auf ihre Barken und schichten sie dann auf die Wasserhyazinthen. Damit das Ganze nicht davon treibt, wird das derart gebaute Floss mit bis zum Seegrund durchgesteckten Bambusstangen fixiert. Im Verlauf der Rotte entsteht dann innerhalb von zehn Jahren ein fruchtbares Beet für Gemüse, Früchte und Blumen, das ganz ohne Blumengießen auskommt und den unschätzbaren Vorteil hat, beim jährlichen Hochwasser in der Monsunzeit nicht überschwemmt zu werden. Die schwimmenden Beete sind zirka einen Meter breit und typisch rund hundert Meter lang. Dazwischen bleibt immer ein Kanal zur Bewirtschaftung frei. Besonders eindrucksvoll sehen diese Gärten, die rund ein Drittel des 120 Quadratkilometer großen Sees bedecken, aus der Vogelperspektive aus.
Doch nun genug der Vorrede, wir fahren jetzt einfach mal los…

Samstag, 20.12.14, 1. Tag: Abflug

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Halb fünf sind wir beim vorgebuchten Parkplatz von Park & Fly – 3 Wochen für 82 € incl. Shuttle hin und her. Das erweist sich als sehr unkompliziert, denn der Shuttle fährt schon nach fünf Minuten ab und bringt uns direkt seitlich zum Terminal 1. 20:55 geht es ab Frankfurt los nach Bangkok Suvarnabhumi. Die TG 923 ist ein alter Jumbojet der Thai Airways.

Sonntag, 21.12.14, 2. Tag: Ankunft in Yangon
Kurz nach eins landen wir in Bangkok. 18:05 geht es mit TG 305 im Airbus nach Rangun. In der Landessprache heißt die Hauptstadt Myanmars Yangon. Ankunft 19:15. Am Ausgang erwarten und schon Lin Lin und unser Fahrer. Die 38 jährige Lin Lin Htet spricht deutsch und wird uns während der ganzen Rundreise begleiten. Erstmal geht es jetzt aber zum Hotel Kandawgyi Palace am Royal Lake. Die Begrüßung dort ist herzlich, das Zimmer nobel. Ein Spaziergang durch den Hotelpark am Seeufer zeigt: Es ist eine schön gestaltete Hotelanlage.

Montag, 22.12.14, 3. Tag: Yangon
Wir beginnen unsere Stadtbesichtigung mit einer Promenade auf dem ausladenden Pansodan Boulevard. Die Straße lässt einiges von dem Flair der Stadt zur Kolonialzeit erahnen. Wir gehen bis zum Hafen und besuchen das mondäne fünf Sterne „Strand Hotel“. Es folgt die Kyauk Htat Gyi Pagode mit ihrem 70 Meter langen liegenden Buddha und die Kyaik Athok Pagode inmitten der quirligen Innenstadt. Sie ist das religiöse Zentrum Yangons und besteht bereits, seitdem im Jahr 253 vor unserer Zeitrechnung Mönche aus Indien Haare Buddhas als Reliquien mitbrachten. Danach erkunden wir die Botataung Pagode. Sie stellt eine Mischung aus Pagode und Tempel dar. Im Inneren liegt die Reliquienkammer. Der schmale Gang, welcher zum Allerheiligsten führt, ist über und über mit Glasmosaiken und Goldplättchen verkleidet. Vor Raub und Diebstahl sind die wertvollsten Reliquien doppelt mit Gittern gesichert. Auf dem Tempelgelände ist ein kleiner Teich erwähnenswert. In der trüben grünen Brühe schwimmen massenhaft Schildkröten, welche von den Gläubigen, in der Hoffnung auf ein langes Leben, ausgiebig gefüttert werden. Der lebhafte Scott Markt sei der größte der Stadt, hat aber montags geschlossen. Nachmittags geht es zur 107 m hohen, ganz vergoldeten Shwedagon Pagode. Sie liegt ein wenig außerhalb der eigentlichen Altstadt auf einem Hügel. Schade einerseits, denn das Bauwerk befindet sich in Renovierung und ist von oben bis unten eingerüstet. Andererseits ist aber gerade das auch wieder interessant, denn das Gerüst ist kunstvoll und filigran aus Bambus gebaut. Das Gold scheint durch, so bieten der Glanz und die Silhouette bereits aus der Ferne einen majestätischen und doch graziösen Anblick. Die unermesslichen Schätze der Shwedagon Pagode sind in der ganzen buddhistischen Welt berühmt.

Dienstag, 23.12.14, 4. Tag: Yangon – Goldener Felsen

Myanmar 3.-22.10.14 – 316

     Goldener Fels Yangon

7:30 Abfahrt. Richtung Nordosten erreichen wir nach etwa zweistündiger Fahrt mit unserem Toyota Crown die alte Königsstadt des Mon Staates Bago. Der Toyo ist ein Fahrzeug der elften Generation. An sich wurde die nur bis 2003 gebaut. Dem Lack und der modernen Innenausstattung mit Touchscreen Multimediakonsole nach zu urteilen, muss das Fahrzeug, wenn vielleicht nicht in Japan, so aber vielleicht anderenorts noch immer vom Band laufen. Bevor wir die Stadt erreichen, besuchen wir etwa 4 km außerhalb die Kyaik Pun Pagode. Sie wurde 1476 unter der Herrschaft von König Dhammazedi errichtet. Vier 30 m hohe Buddhas, Rücken an Rücken sitzend, blicken in alle vier Himmelsrichtungen. In Bago angekommen, erkunden wir den burmesischen Markt und die 115 m hohe Schwemawdaw Paya Pagode. Sie wurde von den Mon erbaut und ist über 1.000 Jahre alt. Weitere 1,5 Stunden später, nach Überquerung des Sittaung River mit Fahrtrichtung in nun südöstlicher Richtung, halten wir wenige Kilometer vor Kyaikto fürs Mittagessen. Von hier ist es noch eine halbe Stunde bis Kin Pun Sakhan am Fuß des Gebirges. Unten am Berg bedeutet man uns umzusteigen, auf die Ladefläche eines offenen LKW. Die letzten 13 km Fahrt in engen Serpentinen und teils mehr als 25 % Steigung rauf auf 1.100 m erledigen rund 100 Lkws, die täglich etliche tausend Besucher transportieren. Oben sind es dann keine 10 Minuten Fußweg mehr zum Mountain Top Hotel. Wir können also gut auf die Sänftenträger, die hier ihre Dienste anbieten, verzichten. Unser Hotel liegt praktisch direkt am Einlass zum golden Rock. Um 16 Uhr treffen wir uns, um gemeinsam dieses Reisehighlight zu erlaufen. Die ganze Bergkuppe ist ein rummelgleicher Wallfahrtsort. Es gibt gleich mehrere goldene Felsen – natürlich nur den einen besonders exponierten. Der Goldene Felsen zählt zu den heiligsten buddhistischen Stätten überhaupt. Gekrönt von einem Hti auf einer Stupa, scheint der Goldene Felsen direkt über dem mehr als 1.000 m tiefen Abgrund zu schweben und jeden Moment in den Abgrund zu stürzen – wäre da nicht ein einziges Haar Buddhas, das ihn im Gleichgewicht hält. Und tatsächlich kann ein einzelner Mann die sechs Meter durchmessende und damit rund 300 Tonnen schwere Granitkugel in Bewegung versetzen. Wir besichtigen alles exzessiv. Mir selbst ist der Goldene Fels schon seit der frühen Jugend vertraut. Sein Poster hing, direkt neben dem obligatorischen von Pink Floyd, in meinem damaligen Kinderzimmer, wenngleich ich damals noch nicht darüber nachdachte, wo auf der Welt er wohl zu suchen sei. So bleiben wir bis lange nach dem perfekten Sonnenuntergang bei der Gold überzogenen Steinkugel, bevor wir den Abend mit einem weiteren Spaziergang gefolgt von Myanmar Lager Bier und Kartoffelchips beenden.

Mittwoch, 24.12.14, 5. Tag: Goldener Fels – Bago – Yangon
Der Sonnenaufgang schießt seine orangenen Lichtstrahlen durchs Hotelfenster auf unser Bett. Man kann schlechter geweckt werden. 7:45 Abmarsch vom Mountain Top Hotel. Drei Viertelstunden gehen wir auf dem alten Pilgerweg bergab. Die meisten Souvenirstände links und rechts sind noch geschlossen und die Bewohner sind irgendwo zwischen Aufwachen, Morgentoilette und Frühstück. Hier und da ist schon die jüngere Händlergeneration auf Achse, bieten tolle Tröten aus Bambusrohr mit Luftballonmembran an – klingt wie eine veritable LKW-Hupe und die Leute gucken auch so. Weiter unten am Berg werden die feilgebotenen Waren in kleinen Werkstätten hergestellt. Besonders gern genommen sind offenbar Pistolen und Gewehrimitate, sie entstehen regelrecht in Großserie. Auf halber Höhe am Berg liegt das Ya Thiae Kaung Camp, sozusagen die Mittelstation. Hier sitzen wir wieder auf einen LKW auf, denn von hier bis runter in den Ort ist es immer noch ganz schön weit. Wir fahren noch 20 Minuten und werden dann direkt wieder von unserem Privatfahrer aufgepickt. Nach einem guten Kilometer, etwas außerhalb, halten wir an der schon beschriebenen Kautschukplantage. Dann sind es zwei Stunden nach Bago. In der Stadtmitte besuchen wir die Kanbawza Thardy, den wiederaufgebauten Königspalast. Die Shwetel Yaung Pagode im Westen der Stadt birgt in ihrem Inneren den naturgetreuesten und schönsten aller liegenden Buddhas, so heißt es, also schauen wir ihn uns an. Er stammt aus dem 11. Jahrhundert. Wirklich schön. Nach einem Mittagessen sind es dann noch mal zwei Stunden bis zurück nach Yangon ins bekannte Hotel. Um 18:30 beginnt der Christmas Eve mit dem Weihnachtsdinner, unter freiem Himmel bei etwa 28 °C. Erst sind wir allein am Tisch, doch dann leisten uns Jane, Louis und ihre beiden erwachsenen Kinder Gesellschaft. Es ist eine nette Familie aus San Francisco, die zum ersten Mal außerhalb der USA Urlaub macht. Wir genießen die gute Livemusik und das abendliche Freiluftvergnügen im Garten.

Donnerstag, 25.12.14, 6. Tag: Yangon – Bagan

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4:05 schrillt der Weckruf. Immerhin, es gibt schon Frühstück im Kandawgyi Palace. Transfer zum Flughafen, Nationales Terminal. Wir verschenken die Tassen, die wir gestern Abend beim Christmas Eve als Präsent bekamen. Kurz nach sechs Uhr ist die neue ATR72 der Air KBZ in der Luft. Air KBZ, das ist die Fluggesellschaft der Landesbank. Rund 450 km weiter nördlich gehen wir in den Landeanflug auf Nyaung U. Etwas westlich entdecken wir von oben, im rötlichen Licht des Sonnenaufgangs, die bunten Heißluftballons über der berühmten Tempelebene von Bagan – ein grandioser Anblick. Bagan liegt im Trockengürtel Myanmars, einer von Palmyra Palmen geprägten Landschaft an der Biegung des Irrawaddy Flusses. Schon um 7:20 schlendern wir über den traditionellen Markt von Nyaung U. Diese frühe Uhrzeit erlaubt einen schönen Einblick in die traditionelle Lebensweise der Menschen. Dann machen wir uns an die historische Bausubstanz. In Taungby sehen wir zuerst die Shwezigon Pagode. Wieder eines der bedeutendsten Heiligtümer des ganzen Landes. Sie leuchtet irgendwie edel, denn einerseits tönt die frühe Morgensonne noch den Himmel und andererseits schillert an der Pagode das Kupferblech rötlich durch die wohl schon vor langer Zeit aufgebrachte Blattgoldschicht. Dann tauchen wir ein, in die vielleicht großartigste Sehenswürdigkeit Südostasiens. Gleich zu Beginn steigen wir auf das Dach des Mi Nyein Gon Tempels und tatsächlich, in welche Richtung man auch blickt, stets lassen sich hunderte von Pagoden unterschiedlichsten Baustils ausmachen, meist ziegelrot, manche aber auch weiß oder vergoldet. 2.229 ist die Zahl der Tempel in der Ebene der alten Königsstadt Bagan. Irgendjemand muss sie wohl gezählt haben, schließlich ist das Ensemble ja UNESCO Weltkulturerbe. Seit dem Ende des ersten Jahrtausends war Bagan, begünstigt durch die Lagen an den alten Handelswegen zwischen China und Indien, für mehrere hundert Jahre Hauptstadt Birmas. Zurück in der Gegenwart kommen wir als nächstes zu dem Anfang des 13. Jh. errichteten Htilominlo Guyapa Tempel. Dann, kurz vor den alten Stadtmauern Bagans, zum großartigen Ananda Tempel, einem im 11. Jh. geschaffenen Meisterwerk. Riesige Teakholztore zieren die Eingänge der Tempelanlage. Im äußeren Gang ist in 80 Sandsteinreliefs das Leben Buddhas nachgezeichnet. Ein netter Schnappschuss gelingt über die Schulter eines wallfahrenden jugendlichen Mönchs, der gerade seinerseits mit seinem Smartphone ein Foto von einem der Buddhas schießt. Im Schatten des gewaltigen Ananada Tempels steht der von außen unscheinbare Ananda Ok Kyaung. Das Innere dieses Tempels schmücken gut erhaltene Wandmalereien aus dem späten 18. Jh. Um die Mittagszeit checken wir in New Bagan im Bagan Treasure Resort ein. Wieder ein luxuriöses Haus in weitläufiger Anlage und ein stilsicher eingerichtetes, großzügig bemessenes Zimmer. Wir dösen ein wenig am Pool. Am Nachmittag geht es wieder auf Piste.
Das kann man hier wirklich so sagen, denn die Gegend ist staubig und trocken und die Mehrzahl der Straßen und Wege ist nicht asphaltiert. Wir besuchen den Manuha, den Myazedi, den Nanpaya und zahlreiche weitere Tempel. Jeder davon erzählt eine jahrhundertealte Geschichte. Mal beeindrucken die Steinreliefs, mal die Sagen und Legenden, zum Beispiel die des Buddhas in Erdberührungsgeste – sie versinnbildlicht den vergeblichen Angriff der Dämonenarmee von Mara, des Herrn der Finsternis in der buddhistischen Mythologie. Bagan ist bis heute auch das Zentrum der traditionellen burmesischen Lackarbeiten. Dazu habe ich ja schon geschrieben. Wir besuchen eine Lackfabrik und lassen uns von den Kunsthandwerkern Schritt für Schritt die aufwändige Herstellung zeigen. Von der Limo satteln wir um auf die Pferdekutsche. Damit ist man irgendwie dichter dran und hat trotzdem die
Chance im weitläufigen Areal voran zu kommen. Erst traben wir Richtung Fluss ins Dorf Leya. Dort steht das Taung Kyaung ein malerisches Teakholzkloster. Wir queren die Hauptstraße zurück nach Alt Bagan, besuchen den Sulamani Tempel, traben vorbei an zahlreichen verstreut in der Landschaft herumstehenden Pagoden bis zum Dhammayangyi Tempel, dem im 12. Jh. erbauten, gewaltigsten historischen Bauwerk von Alt Bagan. Die Pagoden von Bagan können sich hinsichtlich ihrer Größe übrigens mühelos mit den Pyramiden der Azteken in Mexico messen.
Den Sonnenuntergang erleben wir dicht gedrängt mit zahlreichen anderen Touristen von den oberen Plattformen der Shwesandaw Pagode aus. Das Zentralgestirn versinkt hinter einer Bergkette jenseits des Flussufers in unglaublich intensivem Abendrot. Trotz der T-Shirt Temperaturen steigt aus der Ebene Dunst auf und fängt die Lichtfarben ein. Je nach Abstand und Richtung zeichnet so jede Pagode ihre in ganz individuellem Orangefarbton schattierte Silhouette. Es ist ein märchenhaftes Schauspiel, das sich trotz der Enge durchweg in breit grinsenden Gesichtern der umstehenden Zuschauer manifestiert.

Freitag, 26.12.14, 7. Tag: Popa – Irrawaddy

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                                                                                                                             Erdnüsse
Unterwegs zum Mount Popa ist das Landschaftsbild durch trockene Hügellandschaften mit vielen Palmyra Palmen geprägt, dazwischen gibt es immer wieder Felder von Erdnüssen und allerlei Ölsaaten. An vielen der Palmen sind am Stamm hinauf einfache Bambusleitern festgebunden. Alle paar Kilometer steht eine Art Mühle, an der ein Ochse im Kreis geführt wird. Das schauen wir uns schließlich genauer an. Die Mühle entpuppt sich eher als Presse, um aus Erdnüssen das Öl heraus zu pressen. An den Leitern steigen die Männer mit Gefäßen hinauf und zapfen Toddy, einen zuckerreichen Palmensaft, durch Anschneiden der männlichen Blütenstände. Diese Arbeit ist ganz klar Männerdomäne, denn der Saft wird anschließend in Tonkrügen zu Palmwein vergoren und dann in abenteuerlichen Destillen zu Schnaps konzentriert: Ein Gefäß mit Palmwein wird dazu über ein Holzkohlefeuer gestellt. Obendrauf kommt als Kondensator eine mit warmen Wasser gefüllte Aluschüssel. An der Unterseite der Aluschüssel kondensiert der Alkohol. Die abfallenden Tropfen werden aufgefangen und über ein Stück Bambusrohr ausgeleitet. Ich fasse in das Wasser der Schüssel – es ist gerade mal gut handwarm. Sollte es nicht sicher über 65 °C heiß sein? Man kann nur hoffen, dass bei der Gärung selbst nicht zu viel Methanol entsteht, denn der würde sonst sicher mit kondensieren. Ein Wunder, dass hier die Palmschnapsherstellung, anders als in anderen Ländern, erlaubt zu sein scheint. Trotzdem, originell ist die Destille allemal – und ein Auge kann man ja riskieren – also wird der Schnaps verkostet. Weniger bedenklich scheint uns der Palmzucker, den die Frauen aus dem Saft auskochen. Mit dem Fruchtfleisch der Palmnüsse karamellisiert gibt das eine total leckere Süßigkeit ab.
Die Straße zum Vulkan ließ einst ein hoher Regierungsbeamter bauen, um täglich von den Blumen die nur dort wachsen, frische zum Tempel in Bagan bringen zu können. Deshalb heißt der Popa auch Blumenberg. Die Geschichte des Wandels vom Blumenberg zum Geisterberg, zur Wohnstätte der Nats, der Geister, ist so verschlungen, dass sie hier den Rahmen sprengen würde. Auf dem 737 m hohen Taung Kalat, dem heiligen alten Vulkanstumpf, der vor dem jüngeren, doppelt so hohen Popa senkrecht aus der Erde ragt, werden 37 Nats verehrt. Der Geisterberg ist der wichtigste Pilgerort der birmanischen Animisten. Schon am Fuß des Berges geben allerlei Nats Schreine Gelegenheit, die bunte Geisterwelt Myanmars zu studieren. Der turmartige Bergkegel des Taung Kalat selbst beherbergt einen farbenfrohen Komplex von Klöstern und Pagoden sowie weitere Nats Schreine. Der steile Aufstieg über 777 Stufen auf überdachten Treppen wird durch einen weiten Ausblick belohnt. Doch am Berg haben sich diebisch freche Makaken angesiedelt, so dass man auf seine sieben Sachen aufpassen muss. Es gibt aber nicht nur Geister und Affen, sondern unten am Einstieg auch einen Laster auf dessen Ladefläche grell geschminkte Schönheiten öffentlich zur Gay-Party abtanzen. Auch das gehört zu den zahlreichen Dingen die man hier lernt, weil es sich nicht ohne Weiteres in das tradierte Bild einfügt, das der Myanmarreisende so gerne mitbringt. Zurück in Bagan besuchen wir ein wunderschön über dem Irrawaddy gelegenes Restaurant. Um 15 Uhr sind wir dann an der Anlegestelle, um eine Bootsfahrt zum Höhlentempel Kyaukku Umin, etwa elf Kilometer am Steilufer stromaufwärts, zu unternehmen. Nach einer Viertelstunde Fußweges durch die Felder und ein Waldstück sind wir bei der aus Sandstein errichteten Anlage aus dem 12. Jh. Historisch und religiös wohl sehr bedeutend, sind wir von der Höhle aber doch etwas enttäuscht. Da hatte ich wohl irgendwelche Irrbilder im Kopf. Die Rückfahrt mit dem Boot beschert uns dafür wieder einen einmalig farbenprächtigen Sonnenuntergang.

Samstag, 27.12.14, 8. Tag: Bagan – Mandalay
Erneut ist frühes Aufstehen angesagt. Schon um sechs Uhr legt das Public Boat vom Anleger im Norden von Nyang U ab. 10 Stunden fahren wir auf dem Irrawaddy. Der Strom ist 2.170 km lang, er führt mehr Wasser, als alle sieben größten deutschen Flüsse zusammen. In die dichten Flussnebel mischen sich bald die ersten Sonnenstrahlen. Erst ganz fahl, dann pink dann leuchtend, erleben wir den Sonnenaufgang an Deck. Es gibt warmes Essen und Getränke. Die Trockenzeit bedeutet Niedrigwasser. Über die hoch hinauf reichenden Sandstrände links und rechts am Ufer kann man daher nur selten hinaus in die Landschaft blicken. So konzentriert sich der entspannte Tag hauptsächlich auf das Leben im, auf dem und am Fluss. Überall hat es Leute, mit allem Erdenklichen beschäftigt. Sie winken, waschen und werden gewaschen. Viele haben auf den Sandbänken Beete angelegt und saisonale Hütten errichtet, die dann in der Regenzeit samt und sonders vom Wasser wieder mitgenommen werden. Flößer bugsieren riesige Holzladungen den Fluss hinunter. Goldwäscher wühlen sich mit leistungsstarken Saugbaggern durch das Sediment. Kleine Barken transportieren Menschen, große antik wirkende Holzschiffe kommen uns entgegen, schwerst beladen mit Bordwandoberkante auf der Wasserlinie. Jede Welle bedeutet zu schöpfen oder zu pumpen und der Strom hat durchaus seine Schnellen. Mit dem Sonnenuntergang laufen wir in Mandalay ein. Quer hindurch erreichen wir das Zentrum der drei Millionen Metropole. Hier liegt das von einer Mauer umgebene quadratische Palastareal. Seine Diagonale misst drei km. Zentral darin der von der Militärregierung wiederaufgebaute Königspalast, darum herum, für Fremde abgeriegelt, Stellungen, Kasernen, Armeegolfplatz, militärische Familiensiedlungen. Für uns hält das ganz in der Nähe liegende Mandalay Hill Resort ein Zimmer bereit. Wieder ein gut ausgestattetes Haus mit gepflegtem Ambiente und attraktiven Außenanlagen.

Sonntag, 28.12.14, 9. Tag: Mandalay
Erstes Highlight des Tages ist der sagenumwobene „Große Weise“, das ist die im ganzen Land am meisten verehrte Buddha Figur in der Mahamuni Pagode im Süden der Stadt. Es gibt eine Anzahl Fotos, die die Statue im Verlauf der Jahrzehnte zeigt. Mittlerweile beläuft sich die Dicke ihrer Goldauflage auf geschätzt 50 cm. Soweit ein Goldplättchen wirklich 100 nm dick ist, bedarf es also fünf Millionen Plättchen übereinander, oder seit dem ersten Foto 1901 alle 12 Minuten ein Plättchen auf die gleichen Stelle – und das ist bei dem Andrang, der hier herrscht, gar nicht so sehr unwahrscheinlich. Überall laufen kleine Klosternovizen in prächtigen Kleidern herum, die mit ihren Familien ebenfalls das Heiligtum besuchen.
Mandalay ist als das Handelszentrum des Landes für seine Handwerkskünste berühmt, eine Hochburg traditioneller Künste wie Tanz, Musik oder Marionettentheater. Von den Steinmetzen, die wir besuchen, habe ich eingangs schon geschrieben, auch von den Schnitzern, Kunststickern, Marionettenbauern, Bronzegießern und Goldschlägern. Dann besuchen wir den Königspalast, besteigen den Turm, bestaunen ein königlich gekleidetes Hochzeitspaar. Das Kontrastprogramm liefert der nachfolgende Verlegenheitsbesuch der Ocean Shoppingmall. Automatische Kassen, internationales Angebot, willkommen in der Neuzeit! Doch schon um die nächste Ecke hat uns die Antike wieder: Das Shwenandaw Kloster besitzt einen unvergleichlichen Reichtum an Schnitzereien sowie eine Kopie des riesigen Löwenthrons der Konbaung Könige.
Am Fuß des Mandalay Hills steht das größte Buch der Welt in Stein gemeißelt. Die Schrift ist eingraviert in 729 Marmortafeln, über jeder Marmortafel eigens eine Pagode erbaut. Das Alles ist geometrisch um die zentrale Kuthodaw Pagode arrangiert. Schließlich wir es Zeit, hinauf zur Su Taung Pyi, der Mandalay Hill Pagode, zu fahren. Den obligatorischen Sonnenuntergang gilt es von dort oben zu erleben. Scheinbar haben alle Touristen in der Stadt dasselbe Ziel. Auf der gewundenen Straße hinauf bildet sich eine endlose Fahrzeugschlange. Wir steigen aus, gehen das letzte Stück zu Fuß. Ganz oben vor dem Hilltop unterstützen uns dabei zwei gigantische Rolltreppen. Offensichtlich ist man hier den Ansturm gewohnt. Der Sonnenuntergang mit dem spektakulären Blick auf die geschichtsträchtige Stadt ist erneut phantastisch. Zurück im Hotel kommen wir gerade rechtzeitig zu einer großen Hochzeitsparty.

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Montag, 29.12.14, 10. Tag: Mingun
Vom Hafen in Mandalay fahren wir per Schiff 1½ Stunden auf dem Irrawaddy stromaufwärts nach Mingun. Dank königlicher Patronage gibt es dort interessante Sehenswürdigkeiten. Der Fluss bietet einen schönen Blick auf den Mandalay Berg und die Shan Berge dahinter. In Mingun gehen wir vom Anleger zunächst hinauf zur Pa Hto Daw Gi, der riesenhaften unvollendeten Pagode. Kaum zu glauben, aber ihre quadratische Grundfläche ist genauso groß wie die der Chefren-Pyramide in Ägypten – und die ist nach der Cheops immerhin die zweitgrößte Pyramide der Welt. Leider ist das Ganze hier von etlichen Erdbeben der jüngeren Geschichte schwer mitgenommen. Wir wandern weiter zur schneeweißen Set Taw Ya Pagode, in deren Innersten ein Fußabdruck Buddhas in Marmor ausgestellt ist. Ein von vielen Wächterfiguren flankierter Aufgang führt durch sieben mit Wellen versehenen Terrassen zur Pagode. Die Wellen repräsentieren jene sieben Gebirge, die der indischen Mythologie zufolge den Weltberg Meru umgeben. Vis a vis liegt das Altersheim von Mingun das allein aus Spenden der Nachbarn finanziert wird. Anschließend sehen wir die größte frei hängende Bronzeglocke der Welt, die Mingun Glocke. Ihr Gewicht beträgt gut 90 Tonnen. Ich wage mich, unter sie drunter zu klettern, inständig hoffend, dass sie nicht runterfallen möge. Dann noch ein Besuch der Hsin Byu Me Pagode. Hier wird ein Mönch verehrt, der alle mehr als sechstausend Seiten der Lehre Buddhas fehlerfrei auswendig aufsagen konnte. Man sagt, er habe als Kopfkissen eine Kokosnuss benutzt, um nicht zu lange zu schlafen und so möglichst früh am Tag weiter lernen zu können. Zurück am Irrawaddy bringt uns unser Privatschiff nach Mandalay zurück. Jasa unser Fahrer holt uns um 17:30 erneut am Hotel ab. Heute Abend haben wir Karten für das Lethwei Kick Box Turnier und laden ihn dazu ein. Zu Beginn müssen alle Leute noch draußen vor der Halle abwarten, bis die vorgeschriebene heilige Zeremonie drinnen abgeschlossen ist. Die folgende knappe Stunde geschieht nochmal dasselbe mit Publikum. Dabei kommen wir überraschend in den Genuss eines Kyaukse, eines traditionellen Elefantentanzes. Am 29. Oktober eines jeden Jahres steht ganz Mandalay beim Fest des Elefantentanzes Kopf. Immer zwei Personen schlüpfen in ein lebensgroßes Elefantenkostüm und treten gegen andere Elefantenteams an. Das schönste Kostüm und die beste Darbietung werden prämiert. Diese Zeremonie geht auf drei Elefanten zurück, auf deren Rücken einst Reliquien ins Land gebracht wurden. Dann endlich werden die Räucherstäbchen und Opferschalen aus dem Boxring entfernt und die Wettkämpfe beginnen. Wir sehen 12 hochklassige, aber teils ziemlich blutige Kämpfe in je drei bis fünf Runden. Bis 23 Uhr geht das Spektakel mit nackten Fäusten, Ellenbogen, Füßen, Knien und Kopfstößen. Tritte, Schläge, Würfe und Würgegriffe, praktisch alles ist erlaubt und mehr als ein Kämpfer muss k.o. aus dem Ring getragen werden.

Dienstag, 30.12.14, 11. Tag: Mandalay – Amarapura – Inwa – Sagaing – Mandalay

Myanmar 3.-22.10.14 – 155

                   Bettelmönche
Die ganze Nacht schon blitzt es bei mir im Bauch, und der Donner ist auch nicht zu verachten. Statt Frühstück gibt es zwei Immodium was den Durchfall stoppt. Kaum im Auto meldet sich die Pizza von gestern am anderen Ausgang und verunziert Bruchteile von Sekunden später den Rinnstein. Nach dieser Entledigung geht es dann aber sukzessive besser. Wir fahren durch kleine Dörfer nach Amarapura, auch wieder eine ehemalige Königsstadt. Amarapura ist ein Zentrum buddhistischer Gelehrsamkeit. Unser Ziel ist das Mahagandayon Kloster, eine Schule für junge Mönche. Aktuell wohnen und studieren allein in diesem Kloster über 1.400 Mönche. Am Morgen erhalten die Mönche von der Bevölkerung in einer Volksküche ihr Frühstück gespendet, was eine große Ehre für jeden Spender bedeutet. Wir beobachten indes gebannt was es bedeutet, wenn den 1.400 hungrigen Mönchen, die in Zweierreihen zum Essen anstehen, mindesten ebenso viele Touristen darum herum Spalier stehen, mit Kameras wie Spießruten bewehrt. Die neue Tadar Road Bridge überspannt den Irrawaddy mit drei gewaltigen Stahltragwerkbögen auf gut 1.200 m Länge. Am anderen Flussufer liegt Sagaing mit der buddhistischen Universität Sitagu. Wir fahren daran vorbei 200 m hinauf in die Hügel zur U Min Thone Se Pagode mit ihren vielen im Bogen angeordneten Buddhas. Weiter um den Berg herum besuchen wir die U Ponya Shin Pagode. Ich fühle mich noch immer nicht besonders und spare ihre Besichtigung aus. Die alte Irrawaddybrücke etwas südlich benötigt elf Bögen um den Fluss zu überspannen. Sie ist schon so baufällig, dass sie nur noch in einer Richtung befahren werden darf. Uns bringt sie aber sicher zurück ans Ostufer. Wenige hundert Meter weiter besteigen wir eine kleine Fähre über den Myitnge Fluss rüber
auf die Inwa Insel. Auf der anderen Seite ist schnell der Preis für eine landestypische Ponykutsche verhandelt, die Kutscherin ist mein Jahrgang und weiß, was sie will. Die Fahrt geht durch kleine Dörfer entlang den Resten der Stadtmauer der alten Königsstadt Inwa. Yedanashini Hpaya ist eine kleine Ansammlung von Tempelruinen die wie die Miniatur einer Mischung von Ayutthaya in Thailand mit Ta Prohm in Kambodscha anmutet. Dicke Bäume wuchern über das Mauerwerk. Kaum ein Kilometer weiter, dafür wieder völlig einzigartig, bestaunen wir das Bagaya Kloster, eines der schönsten traditionellen Holzklöster der Welt, aus gewaltigen Teakholzstämmen errichtet. Wir kutschieren durch eine Lücke in der alten Stadtmauer ins Palastgelände von Inwa. Vom Palast ist nur noch der Nanmyin, ein steinerner Aussichtsturm mit reichlich windschiefem Holzpagodenaufbau und das aus Ziegeln gebaute Maha Aung Mye Bonzan Kloster erhalten. Das ist in der Kutschenmiete mit drin, dann wird es auch angeschaut… Die Fähre bringt uns schließlich wieder über das Flüsschen. Zurück in Amarapura stoppen wir in einer der vielen Seidenwebereien, die die Kunst der Seidenverarbeitung an traditionellen Webstühlen betreiben. Ein weiteres Highlight vermutlich jeder Burma-Reise erwartet uns am Taungthaman See. Es ist die berühmte U Bein Brücke. Sie überquert eine Engstelle im See und besteht mit ihren 1,2 Kilometern Länge aus gut und gerne tausend in den Boden gerammten Teakholzstämmen. Es ist schade, dass von Westen her Wolken aufgezogen sind. So lohnt es sich nicht, den Sonnenuntergang bei der Brücke abzuwarten. Für einige ganz prima Schnappschüsse reicht es aber, zumal am Seeufer unter der Brücke, Megaphon artig von Druckkammerlautsprechermusik begleitet, ein Fußballturnier stattfindet. Mein favorisiertes Team besteht aus neun Jungs, sieben davon haben das gleiche Trikot, ihre Shorts sind blau, rot, schwarz oder weiß. Warum ich diesen bunten Haufen favorisiere? Einer der Buben hat knallrote Haare, das spricht für Selbstbewusstsein und fünf von ihnen haben Schuhe an, nur vier spielen barfuß. Dennoch, sie werden gnadenlos 2:0 eingedost. Die Gegenmannschaft hatte zwar noch weniger Schuhe, aber augenscheinlich schnellere Beine.

Mittwoch, 31.12.14, 12. Tag: Mandalay – Heho – Inle See – Indain

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8:20 verlassen wir Mandalay. Nach einer Stunde sind wir am Flughafen, der Flug in die Shan-Berge nach Heho dauert nur rund 30 Minuten. Kurz hinter Heho stoppen wir bei den Schirmmachern, über die ich eingangs schon geschrieben habe. Ein Stück weiter gibt es eine kleine Besonderheit für Bahnliebhaber: Wo sich die Straße etliche hundert Meter in die Senke des Inle Sees hinunter windet, macht die Bahnlinie eine kreisrunde Schleife und kreuzt sich selbst. Noch eine weitere halbe Stunde und ein Haken über Souingyong, dann stehen wir in der früheren Hauptstadt des Shan Staates Nyaungshwe am Bootsanleger. Nach fünf Kilometern im Langboot auf dem Kanal ist der Inle See erreicht. In weiteren 10 Kilometern haben wir den See überquert. Vom schwimmenden Dorf Ywama folgen wir dann auf 8 Kilometern und in mehreren Stufen dem Nam Pilu Fluss aufwärts bis Indain. Am Steg liegen viele Dutzend Boote, was uns klarmacht, dass der Inle fest in touristischer Hand ist. Drei viertel Kilometer lang ist der überdachte Pilgerweg hinauf zur archäologischen Tempelanlage. Wir machen einen kleinen Umweg durch ein Bambuswäldchen und kommen so von der Seite nach Indain. Dies verhilft zu einem unerwarteten Überraschungsmoment, wenn man aus dem Wäldchen heraus, plötzlich vor über tausend Stupas aus dem 16. Jahrhundert steht. Die Anlage ist in den letzten Jahren immer mehr verfallen und wird seit dem Jahr 2.008 wieder restauriert. Aber gerade diese morbide Mischung aus Ruinen und Restauration verleiht dem Ort einen ganz besonderen Charme. Vielleicht ist es der schönste Ort der ganzen Reise. Zurück zum Bootsanleger gehen wir auf dem überdachten Pilgerweg. Links und rechts stapeln sich Antiquitäten in Massen. Drei Viertelstunden später haben wir den See erneut überquert und dabei schon den einen oder anderen der Inthas beim Fischen zugesehen.
Im Myanmar Treasure Resort Inle weist man uns einen Wasserbungalow zu, dessen geschmackvolles Ambiente keine Wünsche offen lässt. In der Lagune vor dem Hotel haben sich zum heute wieder überwältigenden Sonnenuntergang ein paar Fischer eingefunden. So können wir Ihre Fischfang-Methode im Detail studieren: Einen genügend engmaschig geflochtenen, unten offenen konischen Bambuskorb von 2 bis 3 m Höhe stülpen sie auf den Seegrund, um dann die darin gefangenen Fische mit einer Bambuslanze zu harpunieren. Wie schon gesagt, balancieren sie dabei mit einem Bein auf dem Einbaumende, während Sie mit dem anderen Bein das Ruder bedienen.
Das Neujahrsfest in Myanmar ist ja eigentlich erst am 17. April. Für uns ist heute aber Jahreswechsel. Die Silvesterparty beginnt um 18 Uhr mit Cocktails und Snacks. Lecker Satay Spieße mit mehreren Fleischsorten und Seafood. Danach gibt es Parcours mit unterschiedlichen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen. Mein Favorit war “Catch the Duck“, weniger wegen der armen Enten, denen es einen Ring über den Kopf zu werfen galt, sondern viel mehr wegen der amerikanischen Gäste, die sich zwar einerseits wegen der vermeintlichen Tierquälerei mächtig fremdschämten, andererseits, die Hemmungen einmal abgelegt, bei diesem Spiel alle Highscores knackten. Aufgelockert wurde der Abend von zahlreichen Showeinlagen, in denen die unterschiedlichen Hotelabteilungen gegeneinander antraten. Das Ganze war erstaunlich hochwertig. Insbesondere die Michael Jackson Dance Performance der Küchencrew war klasse – wenngleich sie wohl ihren Anteil daran hatte, dass dem zeitgleichen Galadinner nicht die gebotene Aufmerksamkeit zukam. Man vergaß wohl die Rechauds zu entzünden so dass das Essen dann leider kalt war. Einen Countdown gab es am Bootssteg, dann Schampus, Glückwünsche und Feuerwerk.

Donnerstag, 01.01.15, 13. Tag: Inle See

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                   Fischer auf dem Inle See
Nach dem Ausschlafen geht es wieder über den See. Im schwimmenden Dorf Paw Kone besuchen wir die Lotosweberei, wo auch hübsch anzusehende Seidenlongyis hergestellt werden. In Nam Pan schauen wir den Schmieden zu und dann in der Zigarrenfabrik. Im nächsten der typischen Pfahlhausdörfer liegt die Phaung Daw Oo Pagode. Hier werden neben dem vergoldeten königlichen Zeremonienschiff fünf kleinen Buddha Figuren verehrt, die über und über so dick mit Gold belegt sind, dass sie weitaus stärker an den übergewichtigen goldenen Bruder des Michelin Männchens erinnern, als an die heiligste Reliquie im ganzen Shan Staat. Wir kreuzen durch die zahlreichen Wasserstraßen im Dorf hin und her, bestaunen Silberschmiedekunst, besuchen die Longneckfrauen und besichtigen das Nga Phe Kyaung Kloster, das einst für seine dressierten Katzen bekannt wurde. Überall um die Dörfer herum hat es schwimmende Gärten mit Blumen, Tomaten, Gurken und Bohnen. Am Ostufer des Inle machen wir einen Landgang ins Dorf Tha Le Oo. Das Bächlein dort ist gleichzeitig Wasserver- und Abfallentsorgung. Wir schauen bei den Kindern im Kindergarten rein, spazieren bis zu einem weiteren Kloster und überraschen einen Bauern durch unseren Besuch in seiner Reismühle. Zum Dinner im Hotel essen wir chinesisch süßsauer. Sunset: Atemberaubend, ein Farbenspektakel, aber das ist ja jetzt schon fast obligatorisch.

Freitag, 02.01.15, 14. Tag: Inle See – Taunggyi – Inle See
Heutiges Tagesziel ist die alte Kolonialstadt Taunggyi. Per Boot geht es zunächst bis Nyaungshwe. Von dort mit dem Bus gut 25 km nach Norden und von 900 auf 1.400 m. Bevor wir die Serpentinen auf den Berg unter die Räder nehmen, machen wir einen Zwischenstopp bei der Aythaya Winery. Ein deutscher Auswanderer hat sich hier zehn Hektar Weinberg angelegt: Die first Myanmar Vineyard Estate. Er baut Shiraz, Dornfelder und verschiedene andere Sorten an. Selbstredend lassen wir es und nicht nehmen, den Rebsaft zu verkosten – und na ja, was soll man sagen, es ist mit Abstand der beste Wein der in ganz Myanmar wächst (ja, o.k., wohl auch der einzige). Oben in Taunggyi steuern wir den geschäftigen Morgenmarkt an, zu dem auch die Shan aus den Bergdörfern ringsum strömen. Hier gibt es vielerlei uns unbekannte exotische Kräuter, Gemüse und Obstsorten. Die Myoe Ke Dhamman Yon
Pagode ist bedeutend, aber nicht schön, wir lassen sie aus. Eine kleine Stadtrundfahrt bringt uns schließlich hinauf zur Shwe Phone Pwint Pagode. Sie thront auf einem Felsen auf 1.800 m und gibt ein tolles Panorama über die Stadt auf halber Höhe und die Senke bis zum Inle.
Zurück in der Stadt gibt es Shan Nudeln zum Mittagessen. Dann steht der Rückweg nach Nyaungshwe an. Etwas abseits liegt dort das buddhistische Shwe Yan Pyay Kloster, vollständig aus Teakholz errichtet. Es hat ovale Fenster und wird zum Schulunterricht für Novizen genutzt. Wir können beobachten, dass es dabei ganz schön streng zugeht. Das wäre doch mal etwas für einen Schüleraustausch. Die Wände im daneben liegenden Steingebäude sind mit schönen Glasmosaiken geschmückt. Unter den zahlreichen kleinen Nischen mit zierlichen Gips Buddhas sind die Namen der Spender eingraviert. Es sind sogar Nennungen bis November 2014 darunter.

Samstag, 03.01.15, 15. Tag: Heho – Thandwe – Ngapali

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Mit dem Sonnenaufgang nehmen wir Abschied von unserem herrlichen Hotel und vom Inle. Nach gut einer Stunde sind wir in Heho und um 9:30 in der ATR auf dem Weg zur Küstenstadt Thandwe. Wir überfliegen schroffe Gebirge und Primärwald. Durch das gesamte Küstengebirge gibt es nur eine einzige Verbindungsstraße. In Thandwe verabschieden wir Lin Lin, sie fliegt gleich nach Yangon weiter. Wir besteigen einen hellblau bemalten dreißiger Jahre Bus, der überwiegend aus Holz gebaut ist. Gut, dort rostet er wenigstens nicht…
Neun Kilometer sind es entlang malerischer Küste zum Ngapali Beach. Der Name Ngapali geht auf italienische Soldaten zurück, die 1860 während des zweiten anglo-burmesischen Krieges das kleine Fischerdorf am wunderschönen Sandstrand nach ihrer Heimatstadt “Napoli” benannten. Unser Hotel, das Thandwe Beach Resort, ist eines der besseren Mittelklassehäuser dort am Strand. Es ist noch nicht Mittag, das Zimmer aber schon bezugsfertig. Wir haben einen gepflegten, sehr geräumigen und ordentlich ausgestatteten „Garden View Bungalow“. Die Beschäftigung des Tages heißt „Gammeln auf’m Strand“ – nicht ganz, denn wir raffen uns auf zu einen Abendspaziergang. Mit dem Sonnenuntergang wird klar: Das „Sunset View“ bleibt für die kommenden fünf Abende unser Stamm-Strandrestaurant, so lecker munden uns Red und White Snapper mit Ginger Lemon Sauce und Avocado Salat. Zusammen mit drei Runden Cocktails und Longdrinks bringen wir es heute, alles zusammen, auf 15 $. Als die Flut unseren Tisch erreicht, machen wir uns auf den Heimweg. Betüttelt wie wir sind, geht die kleine Lumix am Strand verloren. Mit Stirnlampen und etwas Glück finden wir sie etwas später aber unbeschadet wieder.

Sonntag, 04.01.15, 16. Tag: Ngapali
Für den Burmesen ist Ngapali der Inbegriff aller Romantik und er hat damit nicht Unrecht. Wieder krönen unfassbare Sonnenuntergangsszenen die Abende. Der Strand hat gelbweißen bis rosafarbenen Sand, trotz Sandstrandes ist das Wasser kristallklar. Nach dem Ausschlafen machen wir einen Spaziergang zum Fischerdorf. Hinter Palmen versteckt gibt es dort noch viel der traditionellen Lebensweise. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen am Strand. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang ordern wir Barracudafilet und Tunfischsteak zum Avocado Salat. Die Gin Tonic Mischung stimmt.

Montag bis Donnerstag, 05., 06., 07. und 08.01.15, 17. bis 20. Tag: Ngapali
Der Strandmontag wird nur unterbrochen von einer kleinen Wanderung zum nördlichen Ende der Bucht. Hier begrenzt ein kleiner Fluss den Strand, dahinter liegt eine sehr ungewöhnliche kreisbogenförmige Riffformation. Abends nach Sunset gehen wir ein wenig die Straße entlang, kaufen Chips für 300 Kyats (30 $ct) und kehren unter Sternen am Sandstrand entlang zurück. Das aufregendste am ganzen Dienstag ist der Kassensturz – am Tag der Ankunft in Myanmar hatten wir 200 € zu rund 240.000 Kyats umgetauscht. Heute stellen wir fest, dass der Rest hiervon noch bis zum Heimflug reicht … auch wenn wir heute Abend wieder Barracudafilets für 3.500 Kyats essen.
Durch eine Wanderung zum Fischerdorf am Mittwoch bringen wir nochmal weitere 10 km auf unseren Tourenzähler. Zum Sundowner gibt es Avocado Salat. Dazwischen erhält das Ebook höchste Aufmerksamkeit, denn Eliot Pattisons „Das Auge von Tibet“ geht bei Seite 1.200 gerade in den Showdown. Heute, Donnerstag, ist der letzte ganze Strand- und Urlaubstag, also auch hier Showdown.

Freitag, 09.01.15, 21. Tag: Ngapali – Yangon – Bangkok
Morgens fährt uns der uralt LKW des Hotels die neun Kilometer zurück zum Flughafen von Thandwe. Wir fliegen eine Stunde nach Yangon, dann folgen sieben Stunden Aufenthalt im Yangon International Terminal. Mit der Thai Airways TG 306 geht es 19:40 nach Bangkok. Der Aufenthalt in Suvarnabhumi beträgt nochmal zwei Stunden, bis um 23:40 dann ein neuer A380 zu einem erstaunlich turbulenten Nachtflug nach Deutschland abhebt. Ende einer schönen und erlebnisreichen Reise.

Samstag, 10.01.15, 22. Heimfahrt
Morgens um 6 Uhr landen wir in Frankfurt. Es dauert mehr als eine Dreiviertelstunde bis unsere Koffer auch endlich da sind. Das ist zwar ungefähr so lange wie die Wartezeiten an allen anderen Bändern dieses Urlaubs zusammen, aber wen juckt’s, wir sind sowas von entspannt… Der Shuttle zum Parkplatz wartet schon. Halb acht sind wir auf der Autobahn und kurz vor 11 Uhr zu Hause. Die Hütte steht noch, aber die Heizung ist ausgefallen. Mal wieder. Es sind 9 °C im Haus und diesmal liegt es leider nicht allein am Wasserdruck, sondern der Differenzdruckschalter hat sich ebenfalls verabschiedet. Wir lassen das marode Rückschlagventil und den gefluteten Ausgleichsbehälter gleich mit reparieren und haben Montagabend wieder eine warme Bude.

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Entfernungen:
Flüge insgesamt: 21.014 km
Interkontinentalflüge FRA-BKK-FRA: 18.477 km (747 / A380 mit Sturmumfliegung)
BKK-YGN-BKK: 1.254 km (Airbus)
Myanmar Inlandsflüge (ATR 72): 1.283 km (485+ 141+ 370+ 287)

KFZ insgesamt: 1.360 km
PKW in Myanmar: 617 km
LKW & BUS in Myanmar: 60 km
PKW OS-FRA-OS: 682 km
Moped: 1 km
Pferdekutschen: 18 km
Wanderungen: 49 km

Autor: Jörg Lefèvre

 

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