Peru,  Sommer Fernreisen Redaktion

Vogelbeobachtungen im Nationalpark Manu in Peru, Teil 2

 

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Bericht von Ralph Sommer

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Siehe auch:
•    Teil 1: Wissenswertes über Nationalpark Manu in Peru
•    Teil 3: Flora & Fauna im Nationalpark Manu in Peru

Vogelarten im Bergnebelwald
cock-of-the-rock-roter-felshahnIm Nationalpark Manu können mehr als 1.000 Vogelarten beobachtet werden, das sind weltweit 10% aller Vogelarten und mehr als jeder anderer Nationalpark aufzuzeichnen hat. Engagierte Vogelbeobachter können sehr wahrscheinlich noch weitere Arten hinzufügen. Im Bergnebelwald hatte ich die Möglichkeit, auf ca. 1.500 m Höhe der morgendlichen Balz des spektakulären Roten Felsenhahn (Andean Cock of the Rock) zuzusehen. Gleich mehrere intensiv rot gefärbte Männchen balzten mit knarrender Stimme, die dem Öffnen einer verrosteten Tür nicht unähnlich klang; mit ihrem Balzgesang imponierten sie den unscheinbaren rotbraungefiederten Weibchen, die sich im Hintergrund der Show aufhielten. – Wer die faszinierende Avifauna des Bergnebelwaldes beobachten möchte, sollte 1 bis 3 Übernachtungen im Bergnebelwald des Nationalparks Manu einplanen.

Vogelarten im Amazonas-Tiefland
gruener-ara-nationalpark-manu-peruBei meinen Bootsfahrten im Amazonas-Tiefland auf dem Río Manu, der sich träge durch den Urwald seinen mäanderten Weg bahnt, konnte ich vom Boot aus am Flussufer zwischen Tessaria-Pionierpflanzen und mehreren Meter hohem Schilf (caña brava) und Cecropia-Bäumen, verschiedene Vogelarten beobachten wie Schlangenhalsvögel (Anhinga), Rabengeier (Black Vulture), Truthahngeier (Turkey Vulture), Königsgeier (King Vulture), Kappenreiher (Capped Heron), Großschnabel-Seeschwalben und Amazonas-Seeschwalben (Large- und Yellow-Billed Tern), Rosa Löffler (Roseate Spoonbill) und Scharen von Sandnachtschwalben (Sandcolored Nighthawks).

Besonders beeindruckten mich die Hornwehrvögel (Horned Screamer), die in Wirklichkeit kein „Horn“ besitzen sondern eine aufgestellte antennenartige Feder (im Erwachsenenstadium). Gleich drei hornlose Jungvögel präsentierten sich mir am Flussufer.

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Auch Waldstorch (Wood Stork), Jabiru, Salmanreiher (Fasciated Tiger Heron), Cocoi Reiher (Cocoi Heron), Fischreiher (Common Egret), Schmuckreiher (Snowy Egret), Kuhreiher (Cattle Egret), Orinokogans (Orinoco Goose) und Moscovy-Ente (Moscovy Duck) bekam ich zu Gesicht. Mehrmals flogen Cuvier’s Tukane mit bellenden Schreien über den Fluss. Die hübschen schwarz gelb gefärbten Montezumastirnvögel (Oropendula) beeindruckten mich mit ihren melodisch klingenden glucksenden Stimmen und ihren bis zu einem Meter langen, tropfenförmigen gewebten Hängenestern, die zum Schutz gegen Feinde und Nesträuber zum Teil an stacheligen Palmen oder an großen Bäumen baumelten. Im Gebüsch der Flussufer sah ich mehrmals Riesenkuhstärlinge (Giant Cowbirds) auf Jagd nach Insekten. Des Weiteren konnte ich Rotbrustfischer (Ringed Kingfisher), Schwarzkehlkardinal (Red Capped Cardinal), Blatthühnchen (Jacana), Großschnabel-Seeschwalbe (Large billed Tern) am Seeufer und auf abgestorbenen Baumstämmen beobachten.

An Greifvögeln konnte ich Gelbkehlkarakaras (Black Caracara) beobachten. Sie sind dafür bekannt, dass sie Eier und Nestlinge von anderen Vogelnestern stehlen. Außerdem sah ich einen Schwarzbussard (Great Black Hawk) sowie den winzigen Fledermausfalken (Bat Falcon), der mit akrobatischen Flugmanövern nach kleinen Vögeln jagte. Der größte Greifvogel im Manu ist die seltene Harpyie; sie bewohnt die tropischen Wälder Mittel- und Südamerikas und ernährt sich hauptsächlich von Faultieren und Affen. Diese bekam ich jedoch nicht zu Gesicht.

Ara & Papageien Lecke Blanquillo (Collpa Blanquillo), Nationalpark Manu/Peru

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Ein weiteres eindrucksvolles Erlebnis war der morgendliche Besuch der Blanquillo Colpa, einer Ara- und Papageien-Lehm-Lecke, die sowohl von Vögeln als auch Säugetieren zur Mineralaufnahme genutzt wird. Von der relativ komfortablen Blanquillo Lodge aus erreichten wir nach einer 10-minütigen Bootsfahrt auf dem Río Manu und einem halb-stündigen Fußmarsch durch den Urwald einen ca. 50 m langen bedachten Holzunterstand. Dieser befindet sich in ca. 30 m Entfernung vor einer senkrechten 6 m hohen und 100 m langen ehemaligen Flussuferwand.

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Der Unterstand ist so gebaut, dass der Besucher ungesehen von Papageien und Aras diese in der vom Morgenlicht voll beschienen Lecke optimal beobachten kann. Vom Unterstand aus konnte ich Schwarzohrpapageien (Blue Headed Parrot), Mülleramazonen (Mealy Parrot) und Goldwangenpapageien (Orange Cheeked Parrot), Grünflügel-Aras (Red and Green Macaw), Hellrote Aras (Scarlet Macaw), Gelbbrustaras (Blue and Yellow Macaw) und Rotbug Aras (Chestnut Fronted Macaw) bei ihrem mineralhaltigen Lehmfrühstück beobachten (verlinken mit Youtube „Papageien-Ara-Lecke Blanquillo“). Forschungen und Untersuchungen haben ergeben, dass die aufgenommene Nahrung der Aras und Papageien, sowie die von Säugetieren (Tapir, Hirsch) viele giftige Stoffe enthalten, die von Pflanzen und Früchten gebildet werden um Fress-Feinde abzuwehren. Die mineralhaltige Erde dient dazu, die Pflanzengifte aus dem Verdauungstrakt der Tiere zu eliminieren.

Urvogel Hoatzin (auch Schopfhuhn, Zigeunerhuhn und Stinkvogel genannt)
An den sogenannten Oxbow-Lakes (Altwasserseen), in Peru „Cochas“ genannt, hörten wir immer wieder das heisere Krächzen der Hoatzine, die sich in größeren Gruppen in den Bäumen zusammengedrängt aufhielten und mit schwerem Flügelschlag nur wenige Meter weiterglitten, sobald  wir uns mit dem Katamaran näherten.

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Jung-Hoatzine, die in der Regel über dem Wasser in den Bäumen nisten, und eine braune Tarnfarbe aufweisen, lassen sich bei Gefahr ins Wasser fallen; sie können mehrere Minuten lang tauchen. Sie besitzen Krallen an den Flügeln, mit deren Hilfe sie, wenn die Gefahr vorbei ist, wieder auf den Baum in ihr Nest zurückklettern. Die ausgewachsenen Hoatzine besitzen aber in der Regel keine Flügelkrallen mehr. Aufgrund der Flügelkrallen wurden den Hoatzinen lange Zeit eine Verwandtschaft mit dem Urvogel Archaeopteryx nachgesagt. Was auch bemerkenswert ist, ist dass die Jungvögel ihre Nahrung nicht selbst suchen, sondern einen Blätterbrei aus dem Kropf der Eltern aufnehmen. Der Hoatzin besitzt einen den Säugetieren ähnlichen Kropf, in dem er die Blätternahrung mehrere Tage aufweicht. Wegen seines unangenehmen Geruchs wird der Hoatzin von den einheimischen auch Stinkvogel genannt und das Fleisch ist deshalb nicht begehrt. Somit ist auch in nächster Zukunft der Fortbestand dieser Vogelart gesichert, sofern Urwald und Wassergebiete erhalten bleiben.

An einem einzigen Tag kann der Vogelbeobachter im Nationalpark Manu mehr Vögel erspähen als vergleichsweise in einem ganzen Jahr in einem europäischen Land.

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Hinweise für den Besuch des Nationalparks Manu sowie unsere Tipps zur Ausrüstung für den Urwald finden Sie auch in meinen Bericht „Wissenswertes über den Nationalpark Manu in Peru

Copyright Ralph Sommer

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