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Riesenotter (Pteronura brasiliensis) im Nationalpark Manu/Peru

 

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Katamaranfahrt auf Cocha Salvador (Altwassersee) mit Naturbeobachtungen

Vor Tagesanbruch starten wir um 05.00 h von unserer rustikalen Jine-Lodge, die idyllisch im Nationalpark Manu (Reserved Zone) liegt, mit Taschenlampen ausgerüstet, zu einem Altwassersee (Oxbow-Lake) Cocha Salvador. Unsere 7-köpfige Gruppe, begleitet von unserem Naturführer Darwin und den indigenen Bootsleuten Ricardo und Rene erreicht, nach einer halbstündigen Wanderung durch den dampfenden Urwald, Cocha Salvador (Salvador-Altwassersee), wo wir auf einen ankernden Katamaran mit Beobachtungsplattform und Bänken ausgerüstet, umstiegen. Geräuschlos glitten wir auf dem Katamaran über den spiegelglatten See, der für eine noch intakte Riesenotter-Population bekannt ist. Auf Spanisch heißt Riesenotter „Lobo del río“ (Flusswolf). Die aufgehende Sonne und die weißen aufkommenden Quellwolken spiegelten sich auf der Wasseroberfläche und bildeten eine traumhafte Kulisse zu dem umgebenden Wald.

Beobachtung von Riesenottern in Cocha Salvador (Nationalpark Manu/Peru)

 

Katamaranfahrt im Manu Nationalpark
Katamaranfahrt im Manu Nationalpark

Nach ca. einer halbstündigen Katamaranfahrt sahen wir in ca. 200 m Entfernung an mehreren Stellen des Sees, dass das Wasser gekräuselt war. Näherkommend, konnten wir eine 6-köpfige auf- und abtauchende Riesenotter-Familie beim Fischfang zusehen. Inzwischen war es 06.30 h geworden. Die Riesenotter-Mitglieder kreisten die Fische in einem Bereich von mehreren 100 Metern ein, wobei die erwachsenen Tiere immer wieder abtauchten, teilweise mehrere Minuten unter Wasser verweilten, um danach schniefend Luft zu holen und streckenweise über Wasser schwammen. Der Familienverband orientierte sich immer wieder und sah sich, den Hals streckend, nach den anderen Familienmitgliedern um. Vereinzelt sprangen die verfolgten Fische verzweifelt in die Luft, um ihren Jägern zu entkommen. Jedoch es half nichts. Der Riesenotter mit einer Länge von ca. 200 cm (davon ein ca. 70 cm langer kräftiger Schwanz, der als Ruder dient, die kurzen Beine und die mit Schwimmhäuten versehenen Füße sind eine optimale Anpassung an sein Wasser-Habitat. Mit einem Gewicht über 20 kg ist er ein ausgezeichnete Schwimmer und Jäger. Zur Speicherung der Körperwärme besitzt der Riesenotter ein wasserfestes Unterfell mit zehntausenden von Haaren pro Quadratzentimeter. Außer Fischen ernährt er sich auch von Wasservögeln, Fröschen, Flusskrebsen, Krabben sowie kleineren Säugetieren. Die Familienmitglieder trieben sich mit System die aufgeschreckten Fische zu. In der Regel verzehrt ein erwachsener Otter 3 bis 4 kg Fisch pro Tag. Das bedeutet, dass z.B. 6 Tiere pro Tag ca. 24 kg Fisch verzehren. Die Riesenotter haben pro Wurf ca. 1-5 Jungtiere. Deren Feinde sind Kaimane und Jaguare. Um den Bestand der Riesenotter zu sichern, sind 2 Würfe pro Jahr notwendig, da in der Regel nur 1-2 Jungtiere pro Wurf überleben. Nach etwa zehn Monaten haben die Jungtiere die Größe der Eltern erreicht und im Alter von zwei Jahren sind sie fortpflanzungsbereit. Ihre Lebenserwartung beträgt etwa zehn Jahre.

Über eine halbe Stunde beobachteten wir fasziniert die Riesenotter-Familie. Vom Einkreisen der Beutefische bis zum schmatzenden Verzehr derselben. Auffallend war, wie sich zwei Jungtiere verspielt verfolgten und miteinander rauften. Der Familienverband näherte sich ohne Scheu unserem Katamaran. Die Familienmitglieder strecken immer wieder ihre Köpfe aus dem Wasser und gaben den Seelöwen ähnliche „Brrr, Ööhh-Laute“ von sich, wobei das Laut-Repertoire sehr umfangreich war. Da die Otter-Babys noch nicht in der Lage waren, selbst Fische zu fangen, erbettelten Sie, laut blökend“ von den Eltern ihren „Anteil“. Jeder Otter hatte eine individuelle helle Zeichnung am vorderen Hals-Teil, an der der Forscher wie bei einem menschlicher Fingerabdruck jedes einzelnes Exemplar identifizieren kann.

Riesenotterfamilie
Riesenotterfamilie

Da die meisten Altwasserseen des Amazonas und seiner Nebenflüsse sehr klein sind (1 km bis 2 km lang), reicht der Fischvorrat für den täglichen Fischkonsum einer Otterfamilie in den meisten Cochas (Altwasserseen) nur für wenige Tage aus, so dass sich die Tiere nach einigen Tagen nach einem weiteren See umsehen müssen. Aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, dass der Regenwald intakt bleibt, damit sich die Otter problemlos weiterbewegen können. Der Manu-Nationalpark mit über 18.000 qkm bietet dafür die besten Voraussetzungen. Riesenotter können nur in sauberer, natürlicher und intakter Umgebung überleben. Von Umweltexperten wird diese Spezies deshalb zu den „umbrella species“ gezählt. Der Bestand der Riesenotter ist somit gleichzeitig ein Gradmesser für die Intaktheit des Urwalds. Es ist zu bemerken, dass Cocha Salvador ein Musterbeispiel für eine gesunde Riesenotter-Population ist (keine Befischung, der Besuch der Cocha ist nur mit Naturführer in Kleingruppe möglich; Einsetzung von Katamaran ohne Motor; spezielle Erlaubnis für den Nationalpark); somit ist eine ca. 90% sichere Beobachtung der Riesenottern möglich; die großen Fischbestände der Cocha Salvador sorgen für eine konstante sichere Nahrungsquelle der Riesenotterfamilie.

Bejagung der Amazonas Riesenotter-Bestände im 20.Jahrhundert:

Da die Riesenotter tagesaktiv und von Haus aus neugierig sind, nähern sie sich den Menschen ohne Furcht. Leider hatten die Pelzjäger im letzten Jahrhundert abertausende Exemplare zur Strecke gebracht und die Felle nach Europa und in die USA exportiert, wo diese für die Mode zu hohen Preisen gehandelt wurden.

Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Amazonas-Riesenotter im 20. Und 21. Jahrhundert

Zoologische Gesellschaft Frankfurt und WWF

Riesenotter bei der Fischmahlzeit
Riesenotter bei der Fischmahlzeit

Von der Weltnaturschutzunion IUCN wurden die Riesenotter als „stark gefährdet“ eingestuft. Die ZGF (Zoologische Gesellschaft Frankfurt) hat diese ebenfalls auf die Liste der stark gefährdeten Säugetierarten gesetzt. Mit ihrem stark ausgeprägten Sozialverhalten wurden sie zu einem attraktiven langjährigen und erfolgreichen Forschungsprojekt im Amazonas-Gebiet. Die Otter-Bestände im Nationalpark Manu und Tambopata (Peru) werden seit Jahren beobachtet. Die Gold- und Quecksilberproblematik sowie die Abholzung des Regenwaldes, welche die Otter-Bestände gefährden, werden dabei untersucht. Die Ergebnisse und Erfahrungen werden veröffentlicht und dienen dem Ausbau eines interamerikanischen Otter-Schutzprojektes. Ein weiteres Ziel ist die Schaffung von Habitat-Korridoren, die die peruanischen Amazonas-Schutzgebiete mit denen von Bolivien und Brasilien verbinden sollen. Neben den Forschungsprojekten in den Nationalparks Manu und Bahuaja-Sonene werden seit einigen Jahren auch das Pacaya-Samiria-Reservat und das Amarakaeri-Schutzgebiet in Peru mit einbezogen. Besonderer Wert wird auf die Ausbildung von Nationalpark-Rangern, Touristenführern und Studenten gelegt. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die bisher erarbeiteten Managementpläne umgesetzt werden.

Schutzmaßnahmen im brasilianischen Amazonien durch „APRA-Programm“

Nach einer Initiative des WWF versprach die brasilianische Regierung im Jahre 1998, 12% des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes unter Schutz zu stellen und stellte das weltweit umfassendste Tropenwaldschutzvorhaben ARPA (Amazon Region Protected Areas Programm) auf die Beine. Am Ende sollen ca. 500.000 qkm Amazonas-Urwald, eine Fläche so groß wie Spanien, dauerhaft geschützt werden. Im Jahr 2007 verstärkt der WWF Deutschland sein Engagement für das brasilianische Amazonas-Gebiet und übernimmt mit seinem Projekt „Juruena-Nationalpark“ Verantwortung für einen wichtigen Teil des ARPA-Programmes.

 

Hier finden Sie die Urwaldprogramme von Sommer Fernreisen/ Peru-Discover.

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