Tropische Schleierdame
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Tropische Schleierdame

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Bericht aus dem Pflanzenreich von Südamerika

„Tropische Schleierdame“

Auch „Brautschleier“ (Velo de la Novia) und „Stink-Phallus“ (Phallus indusiatus) genannt

Ein Pilz aus der Familie der Phallaceae (Stinkmorchel) Dictyophora indusiata

Herr Sommer, Ihr Reiseveranstalter von Sommer Fernreisen befindet sich zurzeit in Südamerika und hat für Sie in den tropischen Wäldern Amazoniens den Phallus indusiatus fotografiert, ein Kuriosum aus der Welt der tropischen Pilze.

Dieser Stinkmorchel wurde erst im Jahre 1798 durch den französischen Botaniker Étienne Pierre Ventenat spezifiziert. Wegen seiner eigenartigen Form, seines Geruchs, seiner aphrodisiaken und medizinischen Eigenschaften und nicht zuletzt der Geschichten, die sich um diesen Wunderpilz spannen ist es wert, mehr darüber zu erfahren.

 

Tropische Schleierdame als Fotoobjekt
Tropische Schleierdame als Fotoobjekt

Am 05.05.2014 wurde ich bei einer Nachtwanderung im Nationalpark Manu, eines der intaktesten Urwaldgebiete Perus auf einen eigenartigen penetranten aasartigen Geruch aufmerksam, einen Geruch, den ich schon aus dem Urwaldgebiet von Ecuador kannte und mir signalisierte, dass hier die „Tropische Schleierdame“ oder vulgär benannt, der Stink-Phallus sein musste. Nach kurzer Suche fand mein einheimischer Führer nur wenige Meter vom regenaufgeweichten Pfad entfernt im Lichtkegel der Taschenlampe ein voll entwickeltes Exemplar dieses viel gerühmten Phallus indusiatus. Es handelte sich um ein ca. 17 cm hohes Exemplar mit einem weißen ca. 2,5 cm dicken Stiel, der in einem konusförmigen bräunlichen schleimigen Häubchen von 1,5 cm Länge endete. Um das Häubchen herum breitete sich schleierartig ein weißes Netz aus, das wie ein „Brautschleier“ den Pilz umgab. Auf dem Häubchen saß ein braun-gelber kleiner Nachtschmetterling, der die schleimige Masse der Sporen genoss.

Die tropische Schleierdame hat ein recht kurzes Leben. Nur 24 Stunden findet man sie in ihrer vollen Pracht. Sie entwickelt sich in der Nacht und in der darauffolgenden Nacht ist die klebrige Sporen-Masse des Häubchens von Insekten verzehrt und der Schleier ist zerfallen. Nach wissenschaftlichen Studien kommt dieser Pilz in den Urwaldgebieten von Mexiko und in dem amazonischen Südamerika (Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien) vor sowie auch in Afrika und Asien, jedoch in verschiedenen Unterarten.

Nahaufnahme einer Tropischen Schleierdame
Tropische Schleierdame – Nahaufnahme

In China soll der Phallus indusiatus schon im 7. Jhdt. Nach Christus bekannt gewesen sein und er wurde als Nahrungspilz für besondere festliche Gerichte des Quing-Dynastie wegen seiner delikaten, gesundheitsfördernden und nicht zuletzt aphrodisiaken Eigenschaften geschätzt. Die Kaiserin Cixi, eine ehemalige Konkubine des chinesischen Kaisers Xianfeng, und später eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der späten Qing-Dynastie 19./20 Jhdt.) wusste den Genuss des Pilzes zu schätzen. Eine Quelle berichtet: Der Pilz ist fein und zart, aromatisch, schön geformt und knackig. In China wird inzwischen der Phallus indusiatus gezüchtet, so dass der Kilopreis des getrockneten Pilzes sich seit 1982 von 770 USD auf 20 USD im Jahr 2.000 reduzierte. Der Pilz zählt zu einer der 8 unsterblichen Zutaten der Schwalbennest-Suppe. In Afrika wird der Pilz bei Stammesrithen verzehrt und ihm wird magische Kraft zugesagt.

Das Foto (links) zeigt den Brutschleier-Pilz in voller Entfaltung. Bitte beachten Sie den Schmetterling auf dem Häubchen, der die schleimigen Sporen verzehrt. Mit den Exkrementen werden die Sporen unversehrt an einer anderen Stelle des Urwalds ausgeschieden und diese bilden somit die Grundlage für den Fortbestand des Pilzes. Als Untergrund dienen den Sporen verfaultes Holz und sich zersetzende Blätter.

Bericht: Ralph Sommer, Mai 2014, ©

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