Schirmvogel
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Auf der Suche nach dem legendären Schirmvogel (Umbrella Bird)

einem der merkwürdigsten und seltensten Vögel im Bergnebelwald Ecuadors (Mai/Juni 2013)

Reiseveranstalter Ralph Sommer
Reiseveranstalter Ralph Sommer

 

Autor: Ralph Sommer

•    Langlappen-Schirmvogel (engl. Long-wattled Umbrellabird)
•    Wissenschaftlicher  Nane: Cephalopterus penduliger (ornatus)
•    Ordnung: lat. PASSERIFORMES (Sperlingsvögel), Familie: Cotingidae (Cotingas), Gattung: Cephalopterus

Von verschiedenen Ornithologen in Ecuador hatte ich erfahren, dass dieser seltene, bis 51 cm lange Vogel noch an wenigen Stellen in den Bergwäldern Ecuadors vorkommen soll. Auf einem Foto sah ich mir den Langlappen-Schirmvogel eingehend an. Sein schirmförmiger Kopfschmuck sah mit etwas Phantasie der Schmachtlocke von Elvis Presley ähnlich. Am Halsansatz hing eine lange Hautfalte mit Federn bedeckt. Der Schirmvogel zählt zur Ordnung der Sperlingsvögel, ist aber im Vergleich zu den Vertretern anderer Familien einer der größten. Von den Einheimischen Ecuadors wird er „pájaro de toro“ (Stiervogel) oder pájaro-paraguas (Schirmvogel) genannt.

Vogelführer Luis Agila
Vogelführer Luis Agila

In „Brehms Tierleben“ fand ich über ihn folgend Beschreibung:
…der Schirmvogel kennzeichnet sich durch einen starken, aufrichtbaren, helmförmigen Federbusch auf dem Kopfe und einen runden, allseitig befiederten Hautlappen am Unterhalse. Das Gefieder ist ziemlich gleichmäßig schwarz; die Haube ist schwarzblau, die Federn des Mantels sind dunkelgrünlich schwarz gesäumt, die Schwanz- und Steuerfedern einfarbig dunkelschwarz. Alle kleinen Federn haben nahe der Wurzel weiße Schäfte, das Auge ist grau, der Oberschnabel schwarzbraun, der Fuß mattschwarz. Die Länge beträgt ca 15 ½ Zoll (ca. 51 cm), die Fittiche Länge 11 Zoll 3 Linien. Das Weibchen ist beträchtlich kleiner, seine Haube schwächer, der Kehllappen kürzer und die Gefieder glanzloser….weiterhin las ich …er lebt auf einer Höhe von ca. 3.000 Fuß über dem Meer… Seine Nahrung besteht aus Früchten verschiedener Bäume. Über zur Fortpflanzung fehlen noch alle Nachrichten.“

Nach längerem Stöbern im Internet fand ich dann einen lustigen Youtube Zeichentrickfilm mit dem „Umbrellabird-song“, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Directed By Bernard Derriman, animated by Andrew Collins, Lily Dell and Ian Harrowell

Lebensraum Schirmvogel
Lebensraum Schirmvogel

Nachdem ich mich so schon etwas auf den Schirmvogel vorbereitet hatte, versuchte ich vor Ort in Ecuador weitere Informationen zu bekommen. Vor allem interessierte mich, wo ich diesen mysteriösen Vogel sichten konnte. Schließlich wurde ich auf einen Birding-Guide namens Luis Agila aufmerksam, mit dem ich telefonisch Kontakt aufnahm. Er verkündete mir freudig, dass sich der  Schirmvogel nur ca. 30 Autominuten von seinem Haus entfernt im Bergnebelwald aufhielt und dass eine große Wahrscheinlichkeit bestünde, ihn zu beobachten. In mir war sofort mein Jagdfieber  geweckt und ich machte mich am selben Abend von Mindo aus auf den Weg zu ihm. Nach ca. 1,5  Stunden erreichte ich mit dem Auto ein kleines verstecktes Dorf, zu dem die Beschilderung fehlte und nachdem ich mich mehrmals verfahren hatte, fand ich die richtige Abzweigung. Bingo.

In dem sauberen freundlichen Gästehaus von Luis Agila lernte ich am selben Abend noch seine nette Familie kennen. In Anbetracht dessen, dass es schon am nächsten Morgen um 05.00 losgehen sollte, ging ich früh zu Bett, voller Erwartungen für den nächsten Morgen.

Schirmvogel
Schirmvogel

Nach einem dampfenden Kaffee, von seiner Frau serviert und einer Stulle mit selbstgemachten Käse brachen wir in der morgendlichen Dämmerung pünktlich auf und erreichten auf einer Schotterstraße bergaufwärts fahrend, auf holprigem Weg vorbei an Viehweiden vorbei den angrenzenden Bergnebelwald. Dort parkte ich das Fahrzeug am Straßenrand und über eine Weide, in der noch das Wasser von den letzten Regenfällen stand, erreichten wir, über Grasstellen balancierend, nach wenigen hundert Metern die hohen mit Moosen, Flechten und Farnen verhangenen Nebelwaldbäume, in deren Nähe wir warteten.  Es dauerte nur wenige Minuten und plötzlich starrte Luis wie elektrisiert in den Bergnebelwald, aus dem wir aus der Ferne die langgezogenen „Buu-Laute“ des Schirmvogels hörte. Luis erklärte mir, dass dieser in den Monaten von März bis Juni hier balzte und sich in sogenannten Lecken (Balzstellen) mit weiteren männlichen Schirmvögeln traf, um im Wettstreit um die sich versammelnden Weibchen zu werben. Dabei legt jeder Vogel in der Regel eine feste Flugroute zurück, um sich immer wieder unterwegs auf seinen gewohnten Bäumen auszuruhen.

Luis erzählte mit leiser Stimme, dass leider der Bergwald immer weiter abgeholzt wird, um Viehweiden zu gewinnen, da die Milch heutzutage ein gutes Einkommen bringt. Die Weide, die wir zuvor durchquert hatten, war noch vor wenigen Jahren ein intakter Bergnebelwald gewesen; Luis erinnerte sich daran, dass er noch als kleiner Junge viele Schirmvögel zur selben Zeit beobachten konnte und dass es sein Bestreben ist, den noch bestehenden Bergnebelwald mit seinen Nachbarn zusammen für die Nachwelt als Privat-Naturschutzgebiet zu erhalten.

Schirmvogel
Schirmvogel

Schlagartig verstummte Luis mit seinen Ausführungen, als sich ein Schirmvogel im schwerfälligen rauschenden Flug unserem Baum näherte, um sich direkt darauf niederließ.

Ich konnte meine Aufregung kaum verbergen, ein prächtiges Männchen in einer Entfernung von ca.  15 m beobachten zu können; sein schwarzes Gefieder glänzte grünlich im Sonnenlicht. Das Männchen verweilte mehrere Minuten auf seinem Ast und sah sich immer wieder neugierig nach allen Seiten um, drehte sich um seine Achse, um dann gemächlich seinen Flug zur Balzstelle fortzusetzen.

Luis erzählte mir noch, dass die Schirmvögel nach der Balz hoch oben auf den Bäumen ein zwischen Ästen verstecktes Nest anlegen, dass das Weibchen dann lediglich ein Ei legt, das einen Monat lang bebrütet wird und dass das Küken nach mehreren Monaten flügge wird. Die Nahrung des Schirmvogels besteht aus verschiedenen Früchten, Würmern, Insekten, kleinen Eidechsen, kurz gesagt, er ist ein Allesfresser.

Aus der Ferne konnten wir noch mehrere gleichzeitige „Buu“-Rufe hören, ein Zeichen dafür, dass noch weitere Männchen auf Brautschau unterwegs waren.

Nach meiner Fotoausbeute war ich überglücklich, ein solches Vogelerlebnis gehabt zu haben. Zu erwähnen ist, dass der Schirmvogel in 3 verschiedenen Arten vorkommt:

•    Long-wattled Umbrellabird, Cephalopterus penduliger
•    Amazonian Umbrellabird, Cephalopterus ornatus
•    Bare-necked Umbrellabird, Cephalopterus glabricollis

wobei der letztgenannte einen knallroten  Kehlsack ohne Federn aufweist, den er beim Balzen, einem  Fregattvogel ähnlich, aufbläst. Diese Spezies soll in Costa Rica im Bergnebelwald vorkommen. Der Hautsack dient dem balzenden Schirmvogel als Klangkörper für seine dem Stier ähnlichen „Buu“-Rufe.

Leistenschnabeltukan
Leistenschnabeltukan

Wir wanderten nach dem Schirmvogel-Erlebnis noch am Waldrand entlang, um noch weitere Vögel zu sichten. Auf einem Baum konnte ich den Pale-mandibled Aracari (Pteroglossus erythropygius) beim Verspeisen von kleinen Früchten beobachten, die er geschickt mit der Schnabelspitze pflückte; weiterhin beeindruckte mich eine Leistenschnabeltukan (Plate-billed Mountain-toucan; Andigena laminirostris), ein Black-chinned Mountain-Tanager, ein Blue-rey Tanager und nicht zuletzt ein herrlich glitzernder Kolibri im Garten von Luis.

Bleicharassari
Bleicharassari

Ich würde mich freuen, lieber Leser, Sie etwas für die einzigartige Vogelwelt Ecuador begeistert zu haben.

Wir bieten als Reiseveranstalter für Ecuador speziell vogelkundliche Reisen für Naturfreunde (Amateure und Profis) an, von Ornithologen geführt. Ecuador stellt mit mehr als 1.600 Vogelarten ein El Dorado für Vogelbeobachter dar. Die unterschiedlichen Lebensräume bieten einen idealen Lebensraum für die Varietäten reiche Vogelwelt, angefangen von dem nur ca. 2 Gramm schweren Mini-Kolibri „Bienenelfe“ (Mellisuga Helenae) bis zum Andenkondor (Vultur Gryphus), der eine Spannweite bis 3 m erreicht. Unsere Vogeltouren führen zu den unterschiedlichen Vegetationszonen, den Urwaldgebieten der Küste und des Amazonas, in das andine Hochland und den artenreichen Bergnebelwald.

 

 

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Kolibri auf einer Blüte
Kolibri auf einer Blüte

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