Komodowaran
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Bei den Drachen von Komodo, den größten Reptilien unserer Erde

 

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Auf meiner Indonesienrundreise, die durch die kontrastreiche Inselwelt von Sumatra (siehe auch Blog Orang-Utans – Menschenaffen auf Sumatra und Blog Auf der Suche nach der größten Blume der Welt) sowie durch den Dschungel von N-O-Borneo, das Torajaland von Sulawesi und auf die Sunda-Insel Flores führte, war es dort mein sehnlichster Wunsch den Komodo-Nationalpark zu besuchen, der für seine sagenhaften „Komodo-Drachen“ in den letzten Jahrzehnten bekannt wurde und durch eine Bootsfahrt zu erreichen ist.

Komodowaran
Komodowaran

So flogen wir am Tag zuvor von Bali nach Labuan Bajo (Insel Flores). Die Kleinstadt verfügt neben einen Flughafen mit täglichen Flugverbindungen auch einen Fährhafen mit Anbindung an verschiedene Nachbarinseln, unter anderem an die Sundainsel Sumbawa. Labuan Bajo hat sich in den letzten Jahren zu einem Tourismuszentrum für Backpacker entwickelt. Restaurants und einfache und wenige gehobene Hotels sind vorhanden.

Der indonesische Nationalpark Komodo

Karte Lebensraum Komodowaran
Vorkommen des Komodowarans

Wegen der Komodo-Warane und der vielfältigen Flora und Fauna der Insel Komodo und der Nachbarinsel Rinca sowie der umliegenden Gewässer gilt der Nationalpark Komodo als Geheimtipp für Naturfreunde und Taucher. Auf Tages- und mehrtägigen Tauch-Kreuzfahrten kann man die Unterwasserwelt erleben. Etwa 1.000 Fischarten, 260 verschiedene Arten von Riffkorallen, 70 verschiedene Arten von Schwämmen, 17 Wal- und Delfinarten und zwei Arten von Meeresschildkröten sind hier im Meer zu finden. Seit Beginn der Schutzmaßnahmen wurde das Dynamitfischen strikt verboten und die mit Korallen bedeckte Fläche wuchs rasch um 60 Prozent an. Für Taucher ist der Park somit ein einzigartiges Paradies.

Der Nationalpark Komodo liegt im Bereich der „Kleinen Sunda-Inseln“ zwischen den Provinzen Ost- und West-Nusa Tenggara, umgeben von der faszinierenden Bandasee, einem Randmeer des Pazifischen Ozeans. Der Nationalpark umfasst die drei größeren Inseln Komodo, Rinca und Padar, sowie zahlreiche kleinere Inseln mit einer Landfläche von ca. 600 qkm; zusammen mit den umgebenden Gewässern weist er eine Gesamtfläche von ca. 1.800 qkm auf. Der Nationalpark wurde 1980 zum Schutzgebiet für die Komodo-Warane gegründet. In den darauffolgenden Jahren wurden die Schutzmaßnahmen auf den maritimen Bereich erweitert.

Im Gelände der Komodo-Drachen

Nationalpark Komodo Eingang
Eingang zum Nationalpark Komodo

Am nächsten Morgen verließen wir schon um 5.00 h unser Hotel Jayakarta, das wenige Kilometer außerhalb von Labuan Bajo lag und fuhren zum Hafen, um auf einer ca. 3,5 stündigen Fahrt auf einem Schoner den Nationalpark Komodo zu erreichen. Der Sonnenaufgang an Bord war ein besonderes Erlebnis. Wir durchfuhren die bezaubernde Inselwelt, die sich bei Sonnenaufgang zuerst als dunkle Silhouetten vom rotgefärbten Himmel abzeichnete und sich danach, als die Sonne höher stieg, in gelbbraune Töne verfärbte. Die steil aufragenden Inseln waren zum Teil von weißen oder rosaroten Sandstränden und intensivgrünen Mangrovenwäldern umgeben. Die dunkelblaue strömungsreiche Bandasee erzeugte an manchen Stellen riesige Strudel, die wie Glasaugen im Sonnenlicht glänzten. An Deck genossen wir den von der Schiffsbesatzung verteilten Kaffee und Tee und die süßen gebackene Bananen. Dazu kam noch die vom Hotel liebevoll zusammengestellte Breakfast-Box – wahrhaftig ein fürstliches Frühstück in einer einzigartigen Szenerie.

Auf der Insel Komodo angekommen, entrichtete unser Guide die Eintritte an die Parkbehörde und die lokalen Ranger, mit 2 m hohen gegabelten Stöcken bewaffnet, machten uns an einer Schautafel mit der Wanderroute und der Verhaltensweise der Komodo-Warane vertraut. Ich hatte mich schon zuvor über die Warane informiert und mir war es klar, dass die Komodo-Drachen mit den mythologischen Vorstellungen aus Märchen und aus phantasievollen Gemälden nur am Rande etwas gemeinsam hatten. Fest steht aber, dass diese Riesenechsen bei jedem Besuch einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen und der Nationalpark Komodo ein Naturspektakel erster Ordnung ist. Die Komodo-Warane (Varanus komodoensis) sind die größten Reptilien unserer Erde und sie werden nicht umsonst aufgrund ihres drachenartigem Aussehen als die „Letzten Drachen“ der Gegenwart bezeichnet.

In Kleingruppen von maximal 6 Reiseteilnehmern pro Ranger aufgeteilt, wanderten wir mit unserem Ranger, mit einem kräftigen Gabelstock bewaffnet, durch schattige bewaldete Gebiete, unter mächtigen Würgefeigen, Fächerpalmen und Eisenholzbäumen. Das Unterholz bestand aus armstarken Lianen, die sich in das Baumkronendach zogen. Dickicht und Lichtungen wechselten ab. Ab und zu bewegten sich kreischende Makakenaffen in den Lianen und Baumkronen oder es tauchte ein Rudel Timorhirsche und vereinzelt Wildschweine auf.

Komodowaran, Zunge und Zähne:

 

züngelnder Komodowaran
züngelnder Komodowaran

Der drachenähnliche Schädel des Komodowaran mit seiner gespaltenen fleischigen Zunge, die als Tast- und Riechorgan dient, kann noch aus einer Entfernung von mehreren Kilometern Duftstoffe aufnehmen und auch den Geschlechtspartner frühzeitig identifizieren. Die nach hinten gekrümmten Zähne, der Form nach einer Schlange nicht unähnlich, sind an ihrem hinteren Rand mit einer Linie von 14 bis 55 feinen Wiederhaken bespickt.

Mit einer Gesamtlänge von bis zu drei Metern und einem Gewicht von bis zu 100 kg ist der Komodowaran die größte gegenwärtig lebende Echse, abgesehen von Krokodilen. Jedoch liegt nach einer Studie die Durchschnittslänge der Komodowarane bei ca. 2 m und das Durchschnittsgewicht bei 23 kg.

Komodowaran, Ernährungsweise:

Inselwelt Nationalpark Komodo
Inselwelt Nationalpark Komodo

Das Nahrungsspektrum der tagaktiven Warane ist altersbedingt unterschiedlich. Die nach dem Ausschlüpfen aus den Eiern etwa 40 cm langen Jungwarane, die beim Schlüpfen ein Gewicht von ca. 100 g haben, flüchten sich auf die Bäume, um nicht von ihren erwachsenen Artgenossen aufgefressen zu werden; dort ernähren sie sich in den ersten zwei Jahren hauptsächlich von Insekten und wirbellosen Tieren. Danach werden Sie zu Bodenbewohnern. Die erwachsenen Warane (ab 5 Jahre) fressen alles, was ihnen in die Quere kommt wie Mähnenhirsche, Wildschweine, aber auch ausgewachsene Büffel, Makaken, verwilderte Hunde, domestizierte Ziegen, giftige und ungiftige Schlangen, Meeresschildkröten, deren Eier, bodenbewohnende Vögel und deren Eier sowie verwilderte Hauspferde. Von den Rangern im Park stehlen die Jungwarane aus der Küche Fische und Lebensmittel. Die Jagd auf große Säugetiere wird bei den Komodowaranen

durch die im Unterkiefer liegenden Giftdrüsen unterstützt. Das Gift und die im Speichel enthaltenen giftigen Bakterien verhindern die Blutgerinnung und verursachen beim Beutetier einen Schock. Das entflohene Beutetier geht am Gift nach Tagen unweigerlich zugrunde. Auch Aas ist ein wichtiger Bestandteil des Fressspektrums. Die stoische Geduld des Warans beim Aufspüren des Beutetiers, kombiniert mit dem hochgradig bakteriellen eiweißzersetzenden Speichelgift, den kräftigen Krallen und dem langen gefährlichen Schwanz, mit dem er mit einem peitschenartigen Hieb kleineren Beutetieren töten kann, sind seine effektivsten Waffen.

Komodowaran, Krallen und Schwanz, Schuppen:

Krallen eines Komodowarans
Krallen eines Komodowarans

Die mit scharfen Krallen versehenen 5 Zehen dienen zum Klettern, Scharren, Graben oder auch zum Zerreißen von Nahrungsbrocken. Der kräftige Schwanz macht einen großen Teil der gesamten Körperlänge aus.

Komodowaran, Anatomie

Die ausgewachsenen Komodowarane sind behäbige, große Echsen mit einer schlangenartigen breiten Schnauze. Jungwarane dagegen sind zierlich gebaut, werden aber während ihrer Entwicklung gedrungener und die Hinterbeine werden dabei stämmiger und kürzer. Ebenfalls wird der schlanke Schwanz proportional zunehmend kürzer und dicker, so dass er im Erwachsenenstadium nur noch etwa die Hälfte der Körperlänge einnimmt. Weitere besondere anatomische Details sind die dicken Knochenplatten unter den Schuppen der Vorderseite der  Beine, am Schwanzansatz, um den Hals und auf dem Schädelrücken.

Komodowaran, Fortpflanzung und Entwicklung

Zwei Komodowarane stehend im Kommentkampf
Zwei Komodowarane stehend im Kommentkampf

Die Balz- und Paarungszeit des Komodowarans ist i.d.R. von Mai bis August. Die Männchen treffen ihr Weibchen entweder beim Fressen eines Kadavers oder sie nähern sich mit ihrem stark ausgeprägten Geruchssinn über weite Strecken dem Weibchen. Sollten sich mehrere Männchen bei dem paarungsbereiten Weibchen einfinden, so liefern sich die männlichen Warane ritualisierte Kämpfe, sogenannte „Kommentkämpfe„, wobei sich die Kontrahenten einander zugewandt auf ihren Hinterbeinen aufrichten, auf ihrem Schwanz abstützend, um sich dann mit den Vorderbeinen zu umarmen und dabei versuchend, den Gegner zu Fall zu bringen. Der Sieger hat danach zur Belohnung den Vortritt bei einem oder mehreren Weibchen. Doch bevor sie zu kopulieren beginnen, werden die Weibchen zuerst von oben bis unten von dem Männchen bezüngelt. Danach reibt das Männchen seinen Kopf am Weibchen, kratzt es mit den Vorderbeinen am Rücken, und steigt schließlich zur Paarung auf ihren Rücken und hält es mit einem Nackenbiss fest. Weibchen zeigen sich während der ersten Phase der Balz oft sehr aggressiv, drohen und beißen und reißen sich los, wodurch die Paarung manchmal erst nach mehreren Anläufen erfolgreich ist.

Komodowaran, Eiablage

Die Weibchen legen in der Trockenzeit im Monat September 18 bis 33 ledrige Eier, die einen Durchmesser von ca. 80 mm haben und ca. 125 g wiegen. Dafür werden vorzugsweise die von Großfußhühnern angelegten Blätternester in einem ausgetrockneten Flussbett zu einem bis zu 1,5 m hohe Bruthügel erweitert. Dabei gräbt das Weibchen mit seinen starken Krallen senkrecht ein ca. 1 m tiefes Loch und dann anschließend im rechten Winkel dazu nochmals ca. 1 m. Häufig werden die Eier auf mehrere Nester verteilt oder es werden auch Scheinnester angelegt, um die Überlebenschancen vor Nesträubern zu erhöhen. In den ersten drei Monaten bewacht das Weibchen ihr Gelege, danach sucht es bei einsetzendem Monsun höhere Lagen auf und überlässt das Gelege sich selbst. Auf der Insel Rinca konnten wir zufällig einen Kommentkampf zwischen zwei Weibchen beobachten, die sich ihren Eiablageplatz streitig machen wollten (siehe obige Fotos). Die Bilder sprechen für sich und zeigen die Vehemenz des Kampfes.

Nach einer Inkubationsperiode von etwa acht Monaten schlüpfen am Ende der Regenzeit von März bis April die etwa 40 cm langen und 100 g schweren Jungtiere aus und flüchten auf die Bäume, um vor ihren kannibalischen größeren Artgenossen sicher zu sein. Die Jungwarane wachsen im ersten Lebensjahr beinahe auf doppelte Länge an, danach jedoch wird die Wachstumsgeschwindigkeit gebremst. Im Alter von 9 bis 10 Jahren erreichen männliche und weibliche Tiere die Geschlechtsreife. Man vermutet, dass ein Tier gewöhnlich mehr als elf Jahre benötigt, um eine Länge über 2 m zu erreichen.

Komodowarane, Population

Schätzungen zufolge gibt es auf Rinca, Komodo, Gili Motang und Flores zusammen ca. 4.000 Exemplare, wobei auf der Insel Komodo und Rinca jeweils alleine 1.000 Exemplare vorkommen.

Vom Sonnenauf- zum Sonnenuntergang

Sonnenuntergang auf dem Meer
Sonnenuntergang auf dem Meer

Nachdem wir die Komodowarane eingehend auf unseren Wanderungen durch Wad- und Savannengelände sowohl auf der Insel Komodo als auch auf der Insel Rinca studiert hatten und zusätzlich verschiedene weitere Tierarten beobachten konnten: Makakenaffen, Mähnenhirsche, Wildschweine, Wildbüffel, Sumba-Grüntauben, Flugdrachen, kehrten wir zufrieden auf unseren Schoner zurück. In der Nachmittagssonne, die die Inselwelt der Banda-See in ihr schönstes Licht tauchte, fuhren wir Richtung Labuan Bajo zurück. Bei einem spektakulären Sonnenuntergang erreichten wir den Hafen und kehrten zu unserem schönen Hotel Jayakarta zurück.

Anmerkung: Bei der beschriebenen Tagestour wird in der Regel nur eine der Komodoinseln besucht mit der Möglichkeit, anschließend oder zuvor am rosafarbenen Sandstrand von Pantai Merah (auch als Pink Beach bekannt) zu schwimmen und zu schnorcheln.

Wenn ihr mich fragt, welche der beiden Inseln (Komodo und Rinca) besonders besuchenswert sei, so würde ich der Komodo-Insel den Vorzug geben, da euch dort außer den Komodowaranen im Wald ein großer Tierreichtum und eine bunte Vogelwelt erwartet. Bei der oben geschilderten Waranexkursion auf beiden Inseln war das Spektakel des Kommentkampfs auf der Insel Rinca (siehe Fotos) ein absoluter Höhepunkt. Wie bei allen Touren gehört eine Portion Glück dazu, so etwas beobachten zu können. Wenn ihr an der Organisation einer Komodo-Tour oder an einer Kombination von Komodo und Rinca oder an einer Tauckkreuzfahrt interessiert seid, so könnt ihr euch vertrauensvoll an mich wenden.

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copyright:

Autor Ralph Sommer auf Reise Magisches Indonesien „Sumatra-Borneo-Sulawesi-Flores-Komodo

 

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