Nationalpark Gunung Leuser
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Orang Utans – Menschenaffen auf Sumatra

 

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Im September 2013 brach ich mit meiner Reisegruppe über Singapur nach Sumatra (Indonesien) auf, um Orang Utans (malaisch Orang=Mensch, Hutan=Wald) zu beobachten. Diese Primaten zählen in der Evolution zu unseren nächsten Verwandten und sind heute leider eine äußerst bedrohte Tierart und nur noch in kleiner Stückzahl in freier Wildbahn zu beobachten. Über die Hafenstadt Medan erreichten wir in nordwestlicher Richtung nach etwa 70 km auf einer 2 1/2 stündigen Busfahrt das Dorf Bukit Lawang, das durch den Bohorok-Fluss getrennt am Nationalpark Gunung Leuser liegt. Hier übernachteten wir in den behaglichen Rindu Alam Cottages. Am Abend stellte sich noch unser Park-Ranger Ruslan vor, der uns mit der Lebens- und Verhaltensweise der Orang Utans bekanntmachte und uns mit bewusst Orang Utan ähnlichen Bewegungen demonstrierte, dass die Primaten mit uns noch viel gemeinsam haben.

Ranger lächelt wie ein Orang Utan
Ranger ahmt Orang Utan nach

Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, erwartete uns unser  lokaler Reiseleiter Ramlan und der Park-Ranger Ruslan und weitere Ranger und Helfer. Wir überquerten die Hängebrücke über den Bohorokfluss und drangen in den tropisch bewaldeten Nationalpark Gunung Leuser ein, der mit ca. 9.000 qkm der größte Park Südostasien ist. Nach einer halbstündigen Wanderung erreichten wir auf einem Pfad der unter riesigen Urwaldbäumen und Lianen bergaufwärts führte, das Habitat der Primaten, das im weiteren Umfeld (mit tagelangen Wanderungen verbunden) Zuflucht für den seltenen Sumatra-Tiger, das Sumatra-Nashorn, den Sumatra-Elefanten und das Leistenkrokodil bietet. In dem Nahbereich, den wir besuchten, gelangten wir zuerst durch eine Kautschukplantage, in der sich Makaken- und Langurenaffen aufhielten, in den dichten tropischen Urwald. Dieser faszinierte durch alte bis zu 40 m hohe Bäume und viele armdicke Lianen sowie eine Geräuschkulisse, erzeugt von vielen Zikaden und Vögeln.

Ranger in Orang Utan Pose
Ranger in Orang Utan Pose

Der Gunung Leuser Nationalpark ist ein einzigartiges Naturdenkmal der tropischen Regenwälder Sumatras; er wurde im Jahr 2004 zum UNESCO-Naturerbe erklärt. Er ist somit eine sehr wichtige Rückzugsmöglichkeit für viele Tierarten, die aufgrund der fortschreitenden Waldrodungen auf Sumatra bedroht sind. Der hohe Bevölkerungswachstum und die stetige Erweiterung von Gummi- und Ölpalmplantagen sowie die Anlage von Feldern und Siedlungen schränken immer mehr den  Lebensraum der vorgenannten Tierarten ein. Der Tourismus im Nationalpark ist eine bedeutende Einnahmequelle für die Region und schafft Arbeitsplätze für Ranger, Hilfskräfte, Hotelpersonal und  Transportunternehmen.

Reiseleiter Ramlan mit Blatt
Reiseleiter Ramlan mit Blatt

Während wir fast geräuschlos durch den feuchtwarmen Urwald wanderten, machte uns Ruslan auf eine Bewegung in den Baumgipfeln aufmerksam und schon tauchte eine Orang Utan-Weibchen mit seinem Baby auf, das es an die Brust gedrückt hielt. Es angelte mit seinen riesigen Armen von Baum zu Baum. Das Baby war schon ganz schön dreist und stellte immer wieder seine eigenen Kletterkünste unter Beweis, um sich auf noch höhere Äste und Lianen zu angeln. Dann aber zog die Mutter  ihr Baby und ab und zu liebevoll an ihre Brust. Das Baby, schätzungsweise 1-2 Jahre alt, sah mit dem aufgestellten rötlichen Haar, das im Gegenlicht in der Sonne leuchtete, gar zu putzig aus und wir hatten eine gute Gelegenheit, die turnerischen Aktivitäten des Gespanns zu beobachten und zu fotografieren. Mal wanderte das Baby auf den Rücken der Mutter, um sich im langen Haar festzukrallen, mal war es wieder selbständig oder es naschte mit seiner Mutter an Blättern; es stand immer im Sichtkontakt mit seiner Mutter oder wenig später hing es ihr an der Brust  oder klammerte sich im Fell fest.

Orang Utan Mama mit Baby
Orang Utan Mama mit Baby

Ruslan erklärte uns, dass sich die Sumatra-Orang-Utans sich von ihren Verwandten auf Borneo durch das hellere, rötliche Fell und den etwas zierlicheren, leichteren Körperbau unterscheiden und dass die ausgewachsene Männchen zwischen 50 und 90 kg schwer  werden, eine Kopf-Rumpflänge von ca. 1,5 m erreichen, dass die Weibchen dagegen nur 30 bis 50 kg schwer werden. Mit ausgebreiteten Armen haben die Orang Utans eine Spannweite von über 2 m. Ihre Hände sind hakenförmig, die Daumen kurz und nahe an der Handwurzel; die Beine kurz und sehr beweglich und die Füße handähnlich. Männliche und weibliche Tiere tragen einen Bart, wobei der der Sumatra Orang Utans länger als der der Borneo-Art sein soll.

Orang Utan Weibchen
Orang Utan Weibchen

Mir kam jedoch das Orang Utan Weibchen mit seinen langen Greifarmen in der Höhe fast gigantisch vor. Auffallend mächtig war ein einsames schweres Männchen, das sich auf dem Urwaldboden in nächster Nähe seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Ruslan erklärte uns, dass die älteren Männchen zu schwer sind, um in den Baumkronen zu turnen und teilweise dann eine  einzelgängerische Lebensweise führen, aber mit mehreren Weibchen ein Territorium etablieren. Jüngere Männchen haben in der Regel noch kein Territorium, sondern verbringen ihr Leben als „Wanderer“. Die tagaktiven Orang Utans errichten sich zur Nachtruhe ein Blätternest auf einem Baum, wobei sie dieses nach einer oder wenigen Nächten wieder wechseln. Ruslan erzählte uns, dass er Tiere beobachtet hatte, die Holzstöcke dazu verwendet haben, um zu graben, zu kämpfen oder sich zu kratzen. Vor Regen und praller Sonne schützen sie sich mit großen Blättern, die sie über ihren Kopf halten. Die Orang-Utans ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen, Früchten (Feigen des Gummibaums), Blättern, jungen Trieben und Baumrinde und bei Gelegenheit auch von Insekten und anderer fleischlicher Nahrung.

Nach der ca. 2-stündigen Wanderung durch den Nationalpark Leuser, unterbrochen von vielen Beobachtungen, kehrten wir gegen Mittag wieder zu unseren Rindu Alam Cottages zurück, um nach dem Mittagessen weitere Teile von Nord- und West-Sumatras zu besuchen. Ein weiteres Highlight unserer Sumatra-Reise war der Besuch der Rafflesia arnoldii, der größten Blume der Welt. Damit erfüllte sich für mich und meine Mitreisenden ein Wunschtraum. Dieser Besuch war nicht im Reiseprogramm vorgesehen; mehr darüber erfahrt ihr darüber:

Ralph Sommer auf der Suche nach der größten Blüte der Welt

Rafflesia Arnoldii
Rafflesia Arnoldii

Neben der oben geschilderten Halb-Tagestour in den tropischen Gunung Leuser Nationalpark besteht die Möglichkeit, mehrtägige Trekkingtouren zu unternehmen, wobei in Zelten im Dschungel oder am Fluss übernachtet wird. Oben stehende Fotos und die nachfolgenden sollen euch zeigen, dass der Besuch des Nationalparks sehr lohnenswert ist und dass man außer den Orang Utans in der Regel auch andere Affenarten beobachten kann.

Es gibt keine Garantie, dass man die Orang Utans tatsächlich sieht, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß; sie wird mit 80% angegeben. Es ist richtig, dass die Orang Utans durch Futterstellen angelockt werden, aber wenn der Urwald seinen eigenen „Tisch deckt“, ziehen die Primaten diesen vor und sind schwer zu finden.

Solltet ihr nicht so gut zu Fuß sein (altersbedingt), so mietet euch vor Ort zusätzlich noch eine Begleitperson, die euch über Stock und Stein zur Hand geht. Man zahlt ca. 20-25 USD für einen zusätzlichen Begleiter.

Bei der Rückkehr zur Unterkunft besteht je nach Tour die Möglichkeit, im Bohorok-Fluss zu baden und mit dem Boot auf die andere Seite überzusetzen. wer möchte kann noch eine Wanderung am Fluss entlang durch das Dorf machen.

Bootsfahrt auf dem Bohorok-Fluss
Bootsfahrt auf dem Bohorok-Fluss

Auf unserer Indonesienreise besuchten wir auch Borneo (Kalimantan), die drittgrößte Insel der Welt und reisten im Hausboot auf dem Mahakam-Fluss zum Nationalpark Kutai, um Borneo-Orang-Utans, Nasenaffen und verschiedene Vogelarten sowie eine reichhaltige Flora und Fauna zu bewundern. Unterwegs wurden wir mit dem Leben der Dayaks (Ureinwohner) vertraut gemacht, die in mächtigen Langhäusern auf Pfählen wohnen und die alten Traditionen und Glaubensvorstellungen pflegen.

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Autor Ralph Sommer auf Reise Magisches Indonesien „Sumatra-Borneo-Sulawesi-Flores-Komodo

Sept. 2013

 

Orang Utan, nächster Verwandter der Homo Sapiens
Orang Utan, nächster Verwandter der Homo Sapiens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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