Asien,  Myanmar

Reisen in Myanmar (Birma, Burma): Ist das Land nach den Wahlen im November 2010 demokratisch?

Unsere Myanmar-Reisen finden Sie unter www.myanmar-discover.de

Zur Zeit der Wahlen führte ich im November 2010 eine Reisegruppe durch Myanmar. Angezogen vom Buddhismus und dem kulturellen Erbe und nicht zuletzt von den eindrucksvollen Landschaften. In den Medien findet man für dieses Land immer noch die Bezeichnung Birma und Burma, da Kritiker bemängeln, dass die Umbenennung durch die Willkür der Machthaber geschehen sei, ohne eine Volksabstimmung hierüber abgehalten zu haben. Die Umbenennung erfolgte im Juni 1989, die auch die offizielle Schreibweise vieler Ortschaften neu bestimmte. Myanmar stellt sicherlich eines der eindruckvollsten Länder Süd-Ost-Asiens dar. Besonders war meine Reisegruppe, die aus 15 Teilnehmern bestand, beeindruckt von den freundlichen Menschen, die immer ein herzliches Lächeln für uns übrig hatten. Wir nannten sie mit Recht die „liebsten Kinder Buddhas“.

Da unsere Reise in den Zeitraum der ersten freien Wahlen im November 2010 fiel, war unter meinen Mitreisenden sicherlich eine gewisse Sorge, wie wir im Lande behandelt würden und ob man überhaupt den deutschen Medien das Land bereisen sollte. Am Wahlsonntag, den 07.11.10 entdeckten wir auf Fahrten mit Langbooten den idyllisch gelegenen Inle-See, der von Inthas, Shan, Danu, Pa-O und und sogar einigen Padaung „Giraffenfrauen“ bewohnt wird. Wir besuchten schwimmende Gärten, Teakholzpagoden und eine bei Indain versteckt gelegene archäologische Anlage aus golden glänzenden Stupas. Danach flogen wir am selben Tag zur kulturellen „Hauptstadt“ des Landes, Mandalay. Dort und in der Umgebung hatten wir die Möglichkeit, uns in die Kultur des Landes zu vertiefen und den Ayeyarwaddy, den mächtigen Strom des Landes zu befahren.

Was uns während der ganzen 18-tägigen Reise durch Myanmar besonders wohlwollend auffiel, dass wir von den Einheimischen mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft  willkommen geheißen wurden und dass die zwischenmenschlichen Beziehungen bei den Einwohnern von großer Liebenswürdigkeit und Respekt geprägt waren. Die Kunstfertigkeit der Bewohner, die kontrastreichen Landschaften, die Hingabe zum Theravada-Buddhismus, die goldenen Pagoden, die vielen Buddhas und nicht zuletzt die ansprechenden Unterkünfte und die Folklore zeugten davon, dass unser Gastgeberland sehr viel zu bieten hat.

NovizinnenDas Lächeln von Myanmar hat sich tief bei uns eingeprägt. Die von den westlichen Medien dramatisch negativ geschilderten Militärs bekamen wir auf der ganzen Reise nicht einmal zu Gesicht. Das ganze Gegenteil war der Fall; das Land strahlte Ruhe, Gelassenheit aus und politische Propaganda oder Agitation konnten wir in keinem Moment feststellen. Wir hatten stattdessen Gelegenheit, die fremde Kultur und andere Regeln des Lebens kennen zu lernen: Welche Position hat der Einzelne in der Gesellschaft und wie verhalten sich Männer und Frauen untereinander? Welche Bedeutung hat Bildung und wie verhalten sich Menschen im öffentlichen und privaten Umfeld? Welche Rolle spielen Religion und Geisterglauben? Wie begegnet man dem Fremden und was erwartet man von ihm? Wie kann man mit einfachen Hilfsmitteln künstlerisch und handwerklich tätig sein?

Diese und viele andere Fragen wurden während der Reise beantwortet und wir konnten mit unseren Eindrücken aus dem Vollen schöpfen. Natürlich interessierte sich die Gruppe auch für politische Fragen, die jedoch aus Rücksichtnahme auf die politische Situation des Landes nicht mit der örtlichen Reiseleitung diskutiert wurden. Fest steht, dass sich der Eindruck, den wir während der Rundreise erhielten, nicht mit den negativen Berichten der Medien deckte.

Aus diesem Grunde halte ich es für wichtig, mit folgenden Kommentaren auf die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation nach den Wahlen vom 07.11.10 hinzuweisen sowie auf die positiven Perspektiven, die sich durch die Freilassung der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ergeben haben.

Was haben die Wahlergebnisse bewirkt?

In Myanmar fanden am 07. Nov. 2010 die ersten Mehrparteien-Wahlen seit 20 Jahren statt, die von der Oppositionspartei NLD boykottiert wurden, deren Anführerin die international anerkannte Freiheitskämpferin Aung San Suu Kyi ist. Die regierende Militärjunta erhielt ca. 80 Prozent der abgegebenen Stimmen und ging somit als klare Siegerin hervor.

Fest steht, dass der Regierungschef Than Shwe seine Macht auch weiterhin in Myanmar behält und diese durch die Wahlen noch ausbauen konnte. General Than Shwe (Regierungschef, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber über die Streitkräfte), beherrscht Myanmar seit 1992.

Die Fragen, die sich in den westlichen Ländern stellen, sind, inwieweit die „demokratische Wahl“ die in Myanmar vorherrschende Militärregierung beeinflusst und inwieweit Myanmar, eines der interessantesten und eindrucksvollsten Reiseländer Südostasiens besucht werden kann oder soll und wie die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung Myanmars sein wird?

Die Hoffung der westlichen Länder konzentriert sich vor allem auf die NLD-Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die wenige Tage nach den Wahlen am 13.11.10 aus ihrer mit Unterbrechungen 15-jährigen Hausarrest entlassen wurde. Ihre wiedererlangte Freiheit, wurde von der Weltpresse jubelnd begrüßt. Durch ein zuvor im März 2010 von der Militärregierung veröffentlichtes Wahlgesetz war Aung San Suu  Kyi jedoch von den Parlamentswahlen ausgeschlossen worden, da das Gesetz festgelegt hatte, dass Strafgefangene nicht Mitglieder einer politischen Partei sein dürfen.

Damit Ihnen Aung San Suu Kyi vertrauter wird, möchte ich wie folgt, einige Auszüge aus ihrem Leben aufführen:

Aung San Suu Kyi ist Tochter von Aung San, des vom burmesischen Volk heiß geliebten Oberbefehlshabers der „Burma Independence Army“. Er kämpfte für die Unabhängigkeit des damaligen Birma (heute Myanmar) von Großbritannien und wurde birmanischer Nationalheld. Kurz vor der Unabhängigkeit wurde Aung San 1947 während einer Kabinettssitzung ermordet. Aung San Suu Kyi war damals gerade erst 2 Jahre alt. Ihre Mutter Daw Khin Kyi war damals eine anerkannte Sozialpolitikerin.

Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Indien, wo ihre Mutter ab 1960 Botschafterin von Birma wurde. Nach ihrem Hochschul-Abschluss in Neu-Delhi ging Aung San Suu Kyi nach England und studierte in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft und schloss mit einem PhD (Doktorat) ihre Studien ab. Ab 1969 bis 1971 arbeitete sie im UN-Sekretariat in New York, wo ihr eine diplomatische Karriere in Aussicht gestellt wurde. Sie verzichtete zugunsten ihrer Ehe mit dem britischen Tibetologen Michael Aris. Das Paar bekam zwei Söhne. 1974 zog es nach Oxford, wo der Ehemann eine Anstellung an der Universität bekam. Aung San Suu Kyi begann über das Leben ihres Vaters zu recherchieren und zu schreiben. Von 1985 bis 1986 bezog sie ein Stipendium in Kioto, Japan. Weitere Veröffentlichungen über Birma und das Leben ihres Vaters folgten. 1988 kehrte Aung San Suu Kyi nach Burma zurück, um sich persönlich um ihre kranke Mutter zu kümmern. Dabei erlebte sie den Sturz des Militärdiktators Ne Win und die darauf folgenden blutigen Aufstände. Darauf hin trat sie mit ihrer ersten Rede an die Öffentlichkeit, wobei sie sich für eine „demokratische Entwicklung von Birma“ aussprach. Drei Wochen später verbot die nächste Militärregierung jegliche demokratischen Bestrebungen. Daraufhin gründete Aung San Suu Kyi die National League for Democracy (NLD). Die politischen Ziele sollten nach dem Vorbild von Mahatma Gandhi mit zivilem Ungehorsam und gewaltfrei erreicht werden. Trotz Drohungen und Gewalt gegen ihre Anhänger und Parteimitglieder setzte sie ihren Wahlkampf fort. Die Aufstellung von Aung San Suu Kyi zu den Wahlen wurde im Februar 1989 verboten und sie selbst ab 20. Juli zum ersten Mal unter Hausarrest gestellt mit der Begründung, sie gefährde die staatliche Sicherheit. Anhänger, die sich bei ihr befanden, wurden verhaftet, worauf sie solange in einen Hungerstreik trat, bis ihr deren gute Behandlung zugesichert wurde. 1990 gewann ihre Partei die Wahlen, das Ergebnis wurde aber von den Militärs nicht anerkannt.

1991 erhielt Aung San Suu Kyi für ihren Einsatz für die Demokratie in ihrem Land den Friedensnobelpreis. Ihre Söhne nahmen diesen in ihrem Namen entgegen, da die Mutter befürchtete, dass ihr die Wiedereinreise nach Myanmar verweigert würde, falls sie selbst zur Preisverleihung reiste. Erst 1995, nach rund sechs Jahren, wurde ihr Hausarrest aufgehoben, jedoch blieb ihr Bewegungsspielraum sehr eingeschränkt; ihr Überleben war des Öfteren in Frage gestellt –wegen ihrer Popularität im Lande. Journalisten und UN-Mitgliedern wurde der Besuch von Aung San Suu Kyi mehrfach gestattet, nicht jedoch ihrem Mann, den sie bis zu seinem frühen Tode 1999 nicht mehr wieder sah.

Im Dezember 2000 verlieh US-Präsident Bill Clinton ihr die Freiheitsmedaille und die irische Rock-Gruppe U2 setzte ihr 2001 mit dem Lied „Walk on“ ein musikalisches Denkmal.

Weitere Festnahmen und Hausarreste erfolgten bis 2010. Nach ungezählten Auszeichnungen verlieh ihr Kanada im Oktober 2007 die Ehrenstaatsbürgerschaft. Der US-Kongress verlieh ihr nach einstimmigem Votum die „Kongress-Medaille in Gold“.

Was kann Aung San Suu Kyi für die Demokratisierung von Myanmar unternehmen?

Aung San Suu Kyi wird voraussichtlich nur insoweit politischen Spielraum und Mitspracherecht in der Regierung bekommen, wenn sie mit der Regierung zusammenarbeitet und friedliche Lösungen sucht, Myanmar von den verhängten Sanktionen zu befreien (Verbot des zur Verfügung stellen von Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen, Einfrieren von Geldern in der EU und USA; erweitertes Miltärgüterembargo sowie Import-/Beförderungsverbot für diverse Hölzer und Holzerzeugnisse, diverse Metalle und Edelmetalle, Edelsteine und Halbedelsteine). In einem Brief an General Than Shwe bot deshalb Aung San Suu Kyi eine neue Ära der Zusammenarbeit an. Sie wollte sich gemeinsam mit der Militärführung für die Aufhebung der internationalen Sanktionen bemühen.

Auch wenn es der EU und USA politisch nicht passt, wird sich Myanmar in den nächsten Jahren wohl kaum der Demokratie zuwenden. Man darf nicht vergessen, dass Myanmar ein Vielvölkerstaat mit 135 anerkannten Volksgruppen mit ca. 240 verschiedenen Sprachen und Dialekten ist und somit eines der ethnisch vielfältigsten Länder Südostasiens. Das Land teilt sich in 7 Staaten auf, die von der Hauptbevölkerungsgruppe „Bamar“ (60 % der Bevölkerung) gebildet wird, die auch die Regierung bildet und 7 Divisionen die aus Minoritäten bestehen (40% der Bevölkerung), die unabhängig sein wollen. Mehr dazu

Wenn die Militärs in Myanmar kurzfristig eine vom Westen propagierte Demokratie einleiten würde, wäre das Chaos programmiert; eine Aufsplitterung des Landes in Teilstaaten, und Streitigkeiten wären die Folge. Man sollte sich auch einmal die Frage stellen, inwieweit der Bamar-Stamm, der 60% der Bevölkerung ausmacht und zu dem auch die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zählt, von den Minoritäten, die 40% der Bevölkerung ausmachen, der eigene wirtschaftliche und politische Interessen vertritt, akzeptiert werden würde, falls sie als Präsidentin eingesetzt würde. Aung San Suu Kyi verbrachte einen großen Teil ihres Lebens im Ausland und war mit einem Ausländer (Engländer). Durch ihre Heirat mit einem Ausländer ist sie nicht dazu legitimiert, als Präsidentin einer Demokratie zu kandidieren, hinzu kommt das „Delikt“, dass sie viele Jahre lang inhaftiert war.

China und Indien, die mächtigen politischen und wirtschaftlichen Partner Myanmars

Burma (Myanmar) bleibt von der westlichen Staatengemeinschaft wegen der Missachtung der Menschenrechte und seines politischen Systems bis jetzt ausgegrenzt (bei anderen Ländern wie China, Vietnam hat jedoch die Bundesregierung keine Skrupel, Geschäfte zu machen). China und Indien, Myanmars wichtigste Nachbarn, buhlen um Einfluss im Lande. Sie pflegen mit ihm sehr gute außenpolitische und wirtschaftliche Beziehungen. Als strategische Partner lockt sie vor allem das immense Erdgasvorkommen Myanmars. China ist als Lieferant wichtiger Konsumgüter und als politischer Partner für Myanmar sehr wichtig. Indien ist bemüht, ebenfalls ins Geschäft zu kommen, ein Interesse, das auch von Myanmar wohlwollend aufgenommen wird. Zurzeit laufen Projekte der Infrastrukturverbesserungen, darunter der Ausbau von Straßenverbindungen, Tiefseehäfen, Erdgaspipelines und Staudammprojekte. Weitere wichtige politische und wirtschaftliche Beziehungen bestehen mit Russland sowie auch mit Nordkorea. – Diese op.g. Länder sind wenig daran interessiert, dass sich die Beziehungen zu den westlichen Ländern verbessern, denn hier stehen eindeutig die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund.

Ein Artikel von Ralph Sommer, der seit 15 Jahren Myanmar bereist und Kontakte zu Waisenhäusern und Einheimischen pflegt.

 

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