Werner und Lore im Boot
Ecuador,  Sommer Fernreisen Redaktion,  Südamerika

Ecuador: Von Matal bis Guayaquil

 

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Reisebericht Teil 4

Hazienda Stauble bei Jama
Auf der Hazienda Stauble

Auf der Fahrt entlang der Pazifik-Küste in südliche Richtung bis nach Canoa konnten wir in einem Fischerdorf bei Matal die erste Verarbeitungsstufe des frischen Fanges (Schlachtung von Heilbutt und Einlegen in Eis für den Abtransport) beobachten. Einen weiteren interessanten Stopp erlebten wir bei der Farm von Gordon Stauble (70, ehemaliger IT –Ing. für DELL-Computer und in einem Projekt der NASA). Nach einem herzlichen Empfang führte er uns durch einen Teil seiner Plantagen (Orangen, Kakao, Mango, Ingafrüchte, Brotfruchtbäume, Maracuja), vorbei an solitär stehenden Kokospalmen, Papayabäumen, Stachelbeerbäumen (Crosilla spec.). Ferner wies er uns auf eine Balsaholz-Plantage hin, die in größerer Entfernung zu sehen war.

Schnitzer Ricardo Alcivar in Jama
Schnitzer Ricardo Alcivar

In der Küstenregion existieren mehrere Fundorte, die auf eine Besiedelung um etwa 2000 und mehr Jahre v. Chr. hinweisen. In einem Museum konnten wir Fundstücke aus dieser Zeit und einigen Jahrhunderten später bewundern. Zugleich besuchten wir einen Holzschnitzkünstler, der, angeregt von den Fundstücken und durch das Studium der einschlägigen Literatur dazu, kunstvolle Nachbildungen aus Holz gestaltet und damit Teile des alten Kulturgutes wieder belebt.

Schnitzwerkstatt von Ricardo Alcivar
Schnitzwerkstatt von Ricardo Alcivar

Unterwegs war in Strandnähe häufig der Seemandel-Baum zu sehen, dessen Kronenaufbau aus übereinander liegenden Blattetagen besteht und damit einen sehr guten Schattenspender darstellt.

Eine ornithologische Sehenswürdigkeit ist während der Balz der Fregattvögel zu beobachten. Dieses Schauspiel konnten wir von kleinen Booten aus auf der Fregattvogelinsel „Isla Corazon“, die in der Bucht „Bahia de Caraquez“ liegt, erleben. Die männlichen Tiere blasen ihren Kehlsack, ähnlich einem Luftballon auf, der sich dabei rot verfärbt und auf die weiblichen Tiere offensichtlich imponierend wirkt. In dieser Brutkolonie inmitten eines Mangrovenwaldes herrschte buntes Treiben, zumal sich dort auch Pelikane ebenfalls zum Brüten eingefunden hatten und zugleich von den Mangrovenbäumen aus ihre Jagd nach Fischen starteten. In dieser Küstenregion befanden sich einst ausgedehnte Mangrovenwälder, die einen natürlichen Küstenschutz gewährleisteten. Bis auf kleine Reste wurden diese Wälder ein Opfer von zahlreich angelegten Shrimps-Farmen (Garnelenzuchtgewässer), da der Garnelenexport für Ecuador einen Wirtschaftsfaktor darstellt.

Papayabäume vor Reisfeld
Papayabäume vor einem Reisfeld

In diesen Feuchtgebieten bietet sich weiterhin der Reisanbau an und ist hier verbreitet anzutreffen. In den sich angrenzenden hügeligen bis bergigen Gebieten wird fortschreitend kostbarer Wald gerodet, um weitere Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung, vor allem für den Maisanbau (an den Hängen ausschließlich in Handarbeit) zu erschließen.
Die etwas größeren Fincas lassen ihre zu erntenden Reisbestände und mit Ausnahme der Hanglagen auch den Mais von einer Maschinenfirma mit einem Mähdrescher (made in China) ernten; die Kosten dafür betragen pro Dezitonne Dreschgut nach Information von einem Farmer 0,40 US-Dollar. Die Reiserträge liegen angeblich bei 25 Dezitonnen pro ha, und der Preis pro Dezitonne Reis soll 50 US-Dollar betragen (Anm.: unwahrscheinlich hoch!).

Die von unserer kleinen Gruppe konsultierten Farmer waren stets aufgeschlossen für Fragen und Informationen, was aber sicher auch auf das stets sehr freundliche Auftreten unseres Reiseleiters, Herrn Sommer, sein perfektes Beherrschen des Spanischen und seine Kontaktfreudigkeit zurückzuführen war. So wurde uns auch demonstriert, wie sich sehr einfach und schnell mit einem in den Fluss untergetauchten Netz von etwa 1,5 x 1,5 qm Größe die Fische für die Selbstversorgung fangen lassen. Auch bei einer Reis-Aufbereitungsanlage öffneten sich für uns die Türen.

Unsere weitere Fahrt in südliche Richtung (Spondylusroute) führte über Manta in den halbtrockenen Küstenbergwald (250-300 m NN) mit großflächig mager bewaldeten Hügeln (Hecken, vereinzelt hochgewachsene Kakteen, Palo-Santobäume, liefern Räucherholz), vorbei am Ort El Aroma. Mit weiterem Höhenanstieg auf über 300 m NN dominierte zunehmend wieder eine üppigere Pflanzenvegetation mit verbreitetem Anbau der verschiedenen Tropenkulturen.

Blaufußtölpel
Blaufußtölpel

Bei Puerto Cayo erreichten wir wieder die Pazifikküste und uns boten sich auf der Fahrt bis Puerto Lopez szenenreiche Küstenabschnitte. Hier in P. Lopez erlebten wir am frühen Morgen (7.00 Uhr) das Vermarkten des frischen Fischfanges unmittelbar nach Ankunft der relativ kleinen Fischerboote.
Am Vormittag startete dann eine erlebnisreiche, teils von Delphinen begleitete Bootsfahrt (knapp 2 h) zur Silberinsel (Isla de la Plata), auch „Klein Galapagos“ genannt. Unsere Inselwanderung durch die Flora des tropischen Trockenwaldes führte zu den Brutkolonien der Blaufußtölpel. Diese hervorragenden Taucher konnten wir hier in sehr großer Zahl an der steilen Felsküste beobachten. Faszinierend waren ihre imposanten Sturzflüge in das Wasser, gleichzeitig massenhaft – einem Fischschwarm folgend.
Auch ein Albatros-Brutpaar, d.h. ein Partner davon, war in greifbarer Nähe zu bewundern.
Bezüglich der Pflanzenvegetation kommt dort der Palo-Santobaum (enthält ätherische Öle und Duftstoffe  Räucherholz) verbreitet vor, aber in den Hochlagen der Insel sind z.T. auch Curcurbitaceae-Arten bodendeckend vertreten, deren enteneigroße Früchte nach dem Entfernen der mit Stacheln besetzten Fruchtschale von den Einheimischen zur mechanischen Körperpflege verwendet werden.

Simon Bolivar Parque Seminario Guayaquil
Simon Bolivar Parque Seminario Guayaquil

Am vorletzten Tag trafen wir im Nationalpark Machalilla bei einem Spaziergang durch den Trockenwald auf Fundorte aus der „Mantakultur“ und auf interessante Fundstücke, die im Archäologischen Museum zu besichtigen waren. Danach ging es zunächst wieder in nördliche Richtung, um dann in Puerto Cayo nach Jipijapa abzubiegen und von hier aus gen Südosten nach Guayaquil zu fahren. Hier in der größten Hafenstadt des Landes erlebten wir bei der halbtägigen Stadtrundfahrt neben der City und Uferpromenade „Malecon 2000“ auch den „Parque el Seminario“ mit dem Reiterdenkmal von Simon Bolivar (Befreier Südamerikas von der Kolonialherrschaft) und den hier lebenden grünen Landleguanen sowie der Kathedrale auf einer Seite des Parkes.

Leguan Parque Seminario Guayaquil
Leguan im Parque Seminario Guayaquil

Als abschließendes Highlight erfreuten wir uns an der endemischen Flora und Fauna, die im  „Parque Historico“ in ihren natürlichen Biotopen Mangrovenwald, Sumpfwald und Tropischer Trockenwald den Besuchern vorgestellt werden.

Nach dem Rückflug in den Abendstunden des 03.06.12 ab Guayaquil, über Kolumbien, die Karibik und Madrid in die Heimat fand eine erlebnisreiche Reise ihren Abschluss, nicht aber die Verarbeitung der erlebten Eindrücke. Unsere Reise entsprach, gemessen an ihren Inhalten, teils schon fast einer Studienreise.

Insgesamt betrachtet wurde uns in Ecuador auf relativ kleinem Raum die typische Vegetation und Landnutzung der verschiedenen Klimate, die weltweit auf annähernd gleicher geographischer Breite existent sind, nahe gebracht. Die von uns gewünschten Schwerpunkte bei der Auswahl der Objekte wurden vom Reiseunternehmen in fachlicher und organisatorischer Hinsicht perfekt umgesetzt, wobei dank der Flexibilität des Reiseleiters noch manche zusätzliche Überraschung uns erfreute. Das Kennenlernen des Anbaus der wichtigsten Tropenfrüchte vor Ort und der biologischen Vielfalt in den feuchten wie auch trockenen Tropen in verschiedenen Reservaten mit ihrer Urwüchsigkeit waren in Verbindung mit den fundierten Informationen absolute Highlights, aber auch die von unserem Reiseleiter spontan geknüpften Kontakte mit den Verantwortlichen von größeren Unternehmen wie auch mit Menschen, die unter bescheidensten Bedingungen leben und mit einfachsten Mitteln des Landbaues ihre zumeist kinderreiche Familie ernähren müssen.

Der vorliegende Bericht konzentriert sich auf die wichtigsten inhaltlichen Aspekte ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Natürlich beeindruckten uns auch die Sehenswürdigkeiten und überaus reichhaltige Innenausgestaltung einiger Kirchen in Quito gewaltig und selbstverständlich badeten wir mit viel Spaß im Pazifik. Auf viele andere nebenher erlebte Dinge, Eindrücke, Begebenheiten und Informationen, die unsere Reise noch weiter bereicherten, bis hin zur jüngeren Geschichte und zu den gesellschaftlichen Fragen, Aufgaben und Problemen des Landes der Gegenwart und Zukunft, wurde bewusst nicht eingegangen, weil derartige Einschätzungen im Ergebnis einer weitgehend biologisch geprägten und relativ kurzen Reise nicht hinreichend objektiv ausfallen können.

Die Reiseteilnehmer und Unterzeichner dieses Berichtes sprechen Herrn Ralph Sommer für sein großes persönliches Engagement noch einmal auf diesem Wege einen sehr herzlichen Dank aus.

Reisende:
Dr. Werner Schöberlein und Frau Dr. Lore
Dr. Andreas Geisenheiner und Frau Reinhild
Leipzig und Schriesheim, am 15.07.2012

 

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