Ecuadorianerin
Ecuador,  Sommer Fernreisen Redaktion,  Südamerika

Ecuador Küstenvorland

 

Unsere Ecuador-Reisen finden Sie unter www.ecuador-discover.de

 

Reisebericht Teil 2

Maulesel und Palmitos
Maulesel und Palmitos
Palmitos
Palmitos

Fernab der Hauptstraße und vorbei an verschiedenen Fincas lernten wir die Chonta-Palme kennen, aus der das „Palmenherz“ (Palmito) gewonnen wird (essbares Mark des jungen Triebes am oberen Palmenende). Weiterhin erlebten wir die „Wirtschaft“ eines Kleinfarmers bzw. Selbstversorgers, der sich durch den Anbau von Maniok, Taro bzw. Malanga, Orangen, Papayas, Zuckerrohr etc. ernährt.
Im krassen Gegensatz dazu standen professionell geführte Ananas-Plantagen eines großen Unternehmens. Zur Erzielung einer annähernd gleichzeitigen Erntereife auf einer jeweils markierten Teilfläche (etwa 1-2 ha) eines großen Ananasfeldes werden die jungen blühfähigen Sprosse einer Ethylen-Behandlung unterzogen, um die Blüte zu stimulieren und eine sogenannte Blühzeitsynchronisation herbeizuführen. Damit lässt sich eine weitgehend homogene Blüte, Fruchtentwicklung und Reifezeit erreichen, was einen einheitlichen Erntetermin und hohen Anteil an gut ausgereiften Früchten auf der gesamten Teilfläche ermöglicht. Die sich der Ernte anschließende Sortierung der Früchte in Qualitätsklassen, das Behandeln und Vorbereiten für das Verpacken sowie Befüllen der Kartonagen für den Export geschieht unter behördlicher Aufsicht, um Missbrauch (Ausschmuggeln von Drogen) jeder Art auszuschließen.

Ananas
Ananas
Labor Ananasplantage
In Labor einer Ananasplantage

Den Früchten der Papaya (Carica papaya) begegneten wir in ihrer breiten Vielfalt, war doch das Kennenlernen ihrer natürlicher Anbaustandorte bis hin zur Vermarktung das ursprünglich wichtigste Anliegen unserer Reise. So wurde uns bereits in unserem ersten Quartier bei Quito, Hosteria Sommergarten, als Kompott die endemische Bergpapaya (Carica x heilbornii Badillo) serviert. Eine weitere in Ecuador und Kolumbien bis in eine Höhenlage von 2300 m wachsende Art ist die C. pentagona, Babaco genannt. Ihre großen walzenartigen fünfkantigen Früchte sind samenlos; die Vermehrung erfolgt durch Stecklinge (zit. bei G. FRANKE 1994: Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen, 2, Ulmer-Verl. Stuttgart, UTB 1768). Die Früchte dieser Art, aber natürlich auch die klassischen sehr großen Papayas wie auch die verschieden geformten kleineren waren auf den Märkten anzutreffen.
Die Papaya zählt zu den Melonenbaumgewächsen, ist mehrjährig (15-30 Jahre), wächst monopodial bis zu 10 m hoch und endet mit schirmförmig spiralig angeordneten geteilten langstieligen Blättern. Botanisch betrachtet ist

Papayahälfte
Hälfte einer Papaya

es nicht korrekt, von einem Baum zu sprechen, denn der im Inneren hohle Stamm ist nicht holzartig, sondern mit einem schwammigen Gerüst ausgestattet. Die rasch wachsende Pflanze kann wöchentlich zwei Blätter und eine gleiche Anzahl an Blütenständen jeweils in den Blattachseln am Stamm ausbilden. Nach 6-7 Monaten sterben die Blätter ab. Sie hinterlassen nach ihrem Abfallen am Stamm dreieckige

Narben. Blütenbiologisch dominieren zweihäusige Formen. Die langstieligen männlichen Blütenstände sind leicht von den kurzstieligen weiblichen Blütenständen, aus denen eine Frucht hervorgeht, zu unterscheiden. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten oder Wind. Es gibt auch zwittrig blühende Pflanzen, bei denen Selbstbefruchtung vorkommen kann.

Papaya
Papaya

In der tropischen Region begegneten wir allerorts solitär wachsenden Papaya-Pflanzen oder auch im Gemisch mit anderen baumartigen Nutzpflanzen. Der plantagenmäßige Anbau bereitet jedoch, zumindest in Ecuador, erhebliche phytopathologische Probleme, wie uns verschiedene Unternehmer, die den Papaya Anbau in Reinkulturen vornahmen, berichteten.
Zahlreiche Schaderreger, vor allem Pilzerkrankungen, tierische Schädlinge und zunehmend auch Virosen können den Anbauerfolg vereiteln, sofern keine wirksamen Pflanzenschutz-Maßnahmen zum Einsatz gelangen. Zielgerichtete Forschungsarbeiten wie auch Resistenz-Züchtung dürften erfolgversprechend sein, so wie dies beim Anbau von Ananas, Bananen und vielen anderen Kulturpflanzen bereits der Fall war. Derzeit scheint in Ecuador allein der Papaya Anbau in Mischbeständen den Infektionsdruck der Schaderreger zu mindern, obgleich wir auch einen nicht allzu großen Reinbestand, der gesund aussah, beobachten konnten. Im Interesse einer verbesserten Anbauökonomie sind neben einer gewissen Resistenz gegenüber den wichtigsten Schaderregern auch weniger hochwachsende Sorten mit einem hohen Anteil annähernd gleichgroßer Früchte gefragt, also insgesamt ein breites Spektrum an Forschungs-und Züchtungsaufgaben.

Kakaobaum
Kakaobaum

Im Gartengelände unserer kurzzeitigen Unterkunft „Cabanas Heliconias“ wurden uns mehrere Tropenkulturen vorgestellt, die als Nutzpflanzen mehr oder weniger bedeutsam sind. Das betraf u.a. die nachstehenden Pflanzenarten: Kakaobaum (Theobroma cacao L.), Kaffeestrauch (Coffea arabica),  Borojobaum (große grünfleckige Früchte mit 7-12 cm Durchmesser, etwa 740 g

Kakaomandeln
Trocknen der Kakaomandeln

schwer, 90-600 kleine Samen, das braune Fruchtfleisch ist geeignet für Saftgewinnung, Herstellung von Gelee usw.), Salakpalme (Früchte in Deutschland auch „Schlangenhautfrucht“ genannt, da die Fruchtschale schuppig überlappend an eine Schlangenhaut erinnert), Toquilla-Palme (aus ihren faserhaltigen Blättern wird nach entsprechender Aufbereitung die Faser zum Flechten der „Panama-Hüte“ gewonnen, die als Original nur in Ecuador gefertigt werden), Ylang Ylang-Baum (Parfümbaum, da das wertvolle Blütenöl für kosmetische Zwecke dient), Brotfruchtbaum (verschiedene Spezies wie Jackfruchtbaum u.a. liefern essbare Früchte), Mangobaum und natürlich die prächtigen Heliconias-Arten.

Der für Ecuador wirtschaftlich bedeutsame Kakao-Anbau erlebt in jüngerer Zeit einen gewissen Wandel, da zunehmend die Konsumkakaosorte CCN51 zum Anbau gelangt. Diese Zuchtsorte ist ertragreicher und widerstandsfähiger, andererseits aber aromaschwächer als der herkömmlich angebaute und qualitativ hochwertigere Arriba-Kakao, der als Edelkakao für hochwertige Schokolade und Schokoladenprodukte in Europa begehrt ist. Modernste Nachweisanalysen vermögen jedoch die äußerlich gleichaussehenden Kakaobohnen der beiden Sorten zu unterscheiden; ein Grund mehr, dies den Kakaoproduzenten in Ecuador zu verdeutlichen.

Auf unserer Fahrt gab es überall einen Stopp, wo es etwas Besonderes oder Interessantes zu sehen gab: Wirtschaftlich wichtige Baumarten und Früchte wie z. B. die Große Sapote, auch als „Mamey Sapote“ bezeichnet (Baum mit großen wohlschmeckenden Beerenfrüchten), Annonengewächse wie Guanabana (Stachelannone oder Sauersack, Frucht bis 40 cm lang, das saftige weißgelbe Fruchtfleisch schmeckt charakteristisch sauer, die großen schwarzen Samen im Fruchtfleisch sind nicht genießbar, keine Bedeutung für den Export), Balsa-Baum (z. T. in Plantagen angebaut zur Balsa-Holzgewinnung), üppige Bambusrohr-Bestände, am Straßenrand zahlreiche Verkaufsstände mit den verschiedensten landestypischen Früchten aus Eigenanbau, aufgekauft oder gesammelt in der freien Natur (Bananen, Maracuja, Kokosnuss, Zuckerrohrsaft – frisch gepresst, Palmito usw.).

Weiter westlich, im tropischen Küstenvorland, besuchten wir am Forschungszentrum „Rio Palenque“ ein geschütztes Küstenurwaldgebiet und erhielten beim Durchwandern einen Eindruck von dem urwüchsigen Pflanzenwachstum, dem Kampf der Pflanzen um das Licht und der enormen Vielfalt der Pflanzenanpassung. Alle aufragenden Bäume wie Kapok, verschiedene Palmenarten u.a. sind üppig besetzt mit zahlreichen Aufsetzerpflanzen wie Bromelien, Farnen, Orchideen, herabhängenden Lianen u.a. Wir begegneten der Wildsapote (Sapote sylvestre), der Bactrispalme mit ihren auffallenden nach unten gerichteten langen Stacheln an den Blattscheiden und –stielen und der Würgefeige, die selbst kräftige Bäume umschließt und letztlich zum Absterben bringt. Aber auch Lecythidaceae-Gewächse, zu dieser Familie zählt der Paranussbaum, waren vertreten.

Reisende:
Dr. Werner Schöberlein und Frau Dr. Lore
Dr. Andreas Geisenheiner und Frau Reinhild
Leipzig und Schriesheim, am 15.07.2012

 

Viele verschiedenen Ecuador Reisen finden Sie bei Sommer Fernreisen/ Ecuador Discover.

Schreibe einen Kommentar