Meine Ecuadortour, Teil 1, 02.08. bis 08.08.17

 

Nach meinem 5-monatigen Praktikum in der Hostería Sommergarten in Sangolquí blieben mir vor meinem Rückflug nach Deutschland noch gute 3 Wochen, um die Teile Ecuadors zu erkunden, die ich auf meinen kleinen Trips an meinen freien Tagen während des Praktikums noch nicht gesehen hatte. Ich machte mich also auf in Richtung Süden in die Kolonialstadt Cuenca, die als die schönste Stadt Ecuadors bezeichnet wird. Bereits nach einem kleinen Stadtrundgang an meinem ersten Tag dort konnte ich dies bestätigen. Die vielen kleinen kopfsteingepflasterten Gassen mit den bunten Häusern und Zeichnungen an den Hauswänden, die pompösen Kirchen an jeder Ecke (in Cuenca gibt es 52 Kirchen – eine für jeden Sonntag), das geschäftige Treiben in der Innenstadt, die Ruhe am mitten durch die Stadt fließenden Fluss und von überall der Blick auf die umliegenden Berge – all das macht Cuenca zu einer besonderen Stadt. Vom Aussichtspunkt Turi im Süden der Stadt hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt.
Nach einem Stadttag machte ich mich am zweiten Tag mit einem anderen deutschen Reisenden aus meiner Unterkunft in den nahegelegenen Nationalpark Cajas auf. Am Eingang des Parks wurden uns die verschiedenen Routen erklärt. Wir entschieden uns für eine 6-stündige Tour, für die wir allerdings nur 4 Stunden brauchten. Die Wanderung führte uns bergauf und -ab, wobei wir aufgrund der Höhe von ca. 4.000 m ganz schön aus der Puste kamen. Der Untergrund veränderte sich alle paar Meter; mal mussten wir über Steine klettern, mal große Pfützen umgehen, über moosartigen Boden wandern, uns durch das kniehohe Itchu-Gras unseren Weg bahnen und dann wieder über kleine Bäche springen. Wir waren begeistert von der Einsamkeit in dieser faszinierenden Páramo-Landschaft; bis auf kräftige Windböen war weit und breit nichts zu hören. Wir kamen an mehreren Seen vorbei (es gibt insgesamt 178 im Nationalpark Cajas), passierten auf unserem Weg abwärts kleine Wasserfälle und liefen schließlich durch einen kleinen Polylepis-Wald, an dessen Rand unsere Wanderung endete.
Am nächsten Tag fuhren wir nach Girón, einem Andendorf ca. 1,5 Busstunden von Cuenca entfernt. Kurz nach der Ortsgrenze führt eine Abzweigung zum 60 m hohen Wasserfall El Chorro. Wir hatten uns auf einen eher gemütlichen Spaziergang eingestellt, absolvierten aber schließlich eine 4-stündige Wanderung, bei der es steil bergauf ging. Belohnt wurden wir mit einem Blick auf den Wasserfall El Chorro von oben – eine völlig andere Perspektive als üblich. Außerdem kamen wir zu einem zweiten spektakulären Wasserfall. Zwar hatte ich bisher schon einige Wasserfälle in Ecuador gesehen, aber dies war definitiv einer der beeindruckendsten. Zudem war die umliegende Berglandschaft allein bereits die Wanderung wert.
Nach zwei Wandertagen verbrachte ich den nächsten Tag noch einmal in Cuenca selbst; bummelte durch die Straßen, besuchte Märkte, besichtigte das Museum Banco Central, in dem es neben einer Geldausstellung auch eine Etage zur Geschichte der Indigenen Ecuadors gibt mit 4 Schrumpfköpfen als Highlight, und radelte am Fluss entlang. clip_image008
Am darauffolgenden Tag fuhr ich weiter in die ca. 5 Stunden südlich gelegene Stadt Loja. Dort angekommen, erkundete ich die Stadt und lief auf zwei Aussichtspunkte mit tollen Blicken auf Loja und Umgebung. Die Stadt ist zwar wesentlich kleiner, untouristischer und die Straßen sind weniger prunkvoll als in Cuenca, aber auch hier gibt es zahlreiche Kirchen, bunt bemalte Häuser und eine Uferpromenade am Fluss, die zum Spazieren einlädt. Ein besonderes Merkmal Lojas ist das pompöse Stadttor, das gleichzeitig als Aussichtspunkt fungiert. Insgesamt gefiel mir die Stadt fast noch besser als Cuenca, weil sie durch die wenigen Touristen authentischer wirkt. Nach einem Marktbesuch am nächsten Morgen (unbedingt empfehlenswert ist die Spezialität Tamales!) fuhr ich weiter nach Vilcabamba, das auch das Tal der Hundertjährigen genannt wird, da die Menschen dort, wahrscheinlich aufgrund des milden Klimas, überdurchschnittlich alt werden (wobei gemunkelt wird, dass einige Einwohner bei ihrem Alter ein wenig schummeln). Nach längerer Zeit war ich das erste Mal wieder auf unter 2.000 m Höhe und tatsächlich war es deutlich wärmer und windstiller. Leider regnete es den ganzen Tag leicht, was bei der Wärme allerdings relativ angenehm war. Ich unternahm nichtsdestotrotz einen Rundgang durch das kleine Dorf, das von Gringos (so werden in Lateinamerika Ausländer aus Nordamerika und Europa genannt) nur so wimmelt und zahlreiche Cafés, kleine Restaurants, Bio- und Handwerksläden aufweist. Anschließend machte ich einen Spaziergang am Fluss entlang und fand mich bald zwischen Zuckerrohclip_image006rplantagen und einem kleinen Bambuswald am Flussufer wieder. Zu hören war nur noch Vogelgezwitscher und das Plätschern des Wassers. Ich war umgeben von Düften verschiedenster Pflanzen, die ich zuvor noch nie gerochen hatte und auch nicht zuordnen konnte. Es war eine ganz besondere, unbeschreibliche Stimmung.
An meinem zweiten Tag in Vilcabamba wanderte ich morgens zunächst den Cerro Mandango hoch. Von diesem Berg direkt neben dem Dorf hat man auf 2.040 m eine tolle Aussicht auf Vilcabamba und die umliegenden Berge. Nach dem Abstieg folgte ich einem Rundwanderweg, der mich in einem großen Bogen und mit spektakulären Blicken auf die umliegende Natur wieder zurück nach Vilcabamba brachte. Diese Wanderung war ein schöner Abschluss in den Anden, die ich abends in Richtung Guayaquclip_image002il verließ.
Damit ist meine erste Reisewoche in den südlichen Anden Ecuadors bereits um. Ich habe so viele neue Eindrücke gewonnen, Landschaften und Leute kennengelernt und kann mich langsam gar nicht mehr entscheiden, welche Ecke Ecuadors mir am besten gefällt. Nach der langen Zeit in den Anden mit den doch recht kalten Nächten freue ich mich nun aber auf die Küste Ecuadors.

 

 

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