Mein Praktikum in der Hosteria Sommergarten 2016/2017

 

 

 

Praktikum und Volontariat in Ecuador

Erfahrungsbericht von Olivia Haessig

 

 

 

 

In der Schweiz hatte ich die letzten Jahre hauptsächlich im Gastgewerbe gearbeitet. Denn als gelernte Töpferin war es relativ schwierig, eine Anstellung zu finden.

Nun, mit 30 Jahren, suche ich nach einer neuen Herausforderung. So entschied ich mich, im April 2016 für ein Jahr nach Ecuador zu reisen, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Um mir erste Spanischkenntnisse anzueignen, besuchte ich in den ersten drei Wochen eine Spanischschule, in der Hauptstadt Quito.

Weiter betätigte ich mich, in der Nähe von Quito, für ein halbes Jahr als Volontärin in einer Schweizer Fundation. Ich fand da Einsatz in verschiedenen sozialen Projekten, was sehr eindrücklich war.

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Die Zeit des Praktikums bietet Raum um sich zu entwickeln und zu entfalten. Dabei entdeckt man das faszinierende Ecuador.

Trotzdem hatte ich den Eindruck, noch nicht am richtigen Ort zu sein. Im Internet fand ich die Webseite von Sommer Fernreisen, unter anderem wird da auch ein Praktikum in Ecuador angeboten. Da Tourismus und Gastronomie ganz in meinem Interesse sind, nahm ich mit dem Inhaber Ralph Sommer Kontakt auf. Für mich war gleich klar, das ist es, wo nach ich suchte. Denn nebst der Möglichkeit, in der Hotellerie tätig zu sein und die Tourismusbranche kennenzulernen, wurde mir zudem Kost und Logie und sogar ein Taschengeld angeboten. Auch hätte ich dadurch die Gelegenheit, das Land besser kennen zu lernen, da ich nicht stets am selben Ort sein werde. Was ein weiterer ausschlaggebender Grund war, das Angebot anzunehmen. Denn ich bin sehr gerne unterwegs. Ausserdem würde ich von Ralph Sommer, einem Mann mit unwahrscheinlich grossem Wissen, noch sehr vieles lernen können, über das Land, die Natur, die Menschen, etc. Ich fühlte mich auch sehr gut aufgehoben. Man merkt sofort, dass es ihm wichtig ist, dass seine Praktikanten/innen bestens betreut und versorgt werden. Ebenso ist es natürlich angenehm, durch ihn eine Ansprechperson zu haben, mit der man sich in Deutsch unterhalten kann.

Seit gut drei Monaten bin ich nun als Praktikantin in der Hosteria Sommergarten, die sich in Sangolqui, nahe von Quito befindet. Mein Aufgabenbereich ist vielseitig. So erhalte ich Einblick in verschiedene Tätigkeiten. Es macht mir grosse Freude, auf diese Weise viel Neues zu lernen. Das Team hat mich von Anfang an bestens aufgenommen, so dass ich mich gleich willkommen fühlte. Dass innerhalb des Teams nur Spanisch gesprochen wird, ist eine optimale Voraussetzung, um die Fremdsprache zu lernen. Dabei schätze ich die Geduld meiner Mitarbeiter sehr, wenn ich etwas nicht gleich verstehe.

Ich helfe mit, die Zimmer zu reinigen, das Frühstück für die Gäste vorzubereiten und zu servieren. Aufgaben, mit welchen ich bereits durch meine Berufserfahrung in der Schweiz bestens vertraut bin. Gerne nehme ich die Gäste in Empfang und betreue sie während ihres Aufenthalts im Hotel, oder gar auf Ausflügen. Es ist stets auch für mich ein riesen Erlebnis, wenn ich als Begleitung mit darf, die Gäste vom Flughafen abzuholen und sie ein oder mehrere Tage während ihres Reiseprogramms zu begleiten. So erhalte ich einen Einblick in die Tourismusbranche und lerne gleichzeitig das Land besser kennen. Ich helfe den Gästen, wenn es darum geht zu dolmetschen oder bin behilflich, wenn es Planänderungen gibt. Weiter werde ich mit Büroarbeiten vertraut gemacht, welche ich am Computer tätige. Auch Telefonanrufe nehme ich entgegen.

Da wir zurzeit in der Hosteria Sommergarten einige Renovierungsarbeiten in den Zimmern vornehmen, werde ich auch dabei miteinbezogen. Meine Aufgabe ist es dabei, die Zimmer zu kontrollieren, auf das, was erneuert werden muss. Auch darf ich mithelfen, die Wände neu zu streichen, was mir besonders Spass macht.

Die Hosteria ist umgeben von einer beeindruckenden Gartenanlage, was einiges an Arbeit mit sich bringt. Denn die Pflanzen wachsen unwahrscheinlich schnell und so leider auch das Unkraut.

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Ein Kolibri entdeckt einer unserer Futterstellen in der Hosteria Sommergarten.

Schon oft entdeckten wir Kolibris, die sich am Nektar der gelben und roten Blüten bedienten. Diese Farben mögen die Kolibris besonders gern und haben eine anziehende Wirkung auf sie. Damit die Kolibris noch vermehrt in unserem Gartenparadies zu beobachten wären, brachten wir einige Futterstellen an. So gehört es nun zu meinen Aufgaben, für sie Zuckerwasser zuzubereiten und dieses regelmässig in den Futterstellen mit frischem auszuwechseln. Dabei muss man sich jedoch etwas in Geduld üben, bis die Kolibris sich an dem künstlichen Nektar bedienen. So war die Freude dementsprechend gross, als ich nach zwei Monaten den ersten Kolibri an unseren Tränken sah.

Ecuador sollte man mit allen Sinnen entdecken. Das Land hat so viel zu bieten. Auch kulinarisch ist es reichhaltig vertreten. So fand ich hier Früchte und Gemüse auf dem Markt, welche ich zuvor noch nie gesehen hatte. Wie zum Beispiel die Naranjilla, eine kleine, orangefarbene, säuerliche Frucht. Das Fruchtfleisch wird mit Milch oder Wasser verdünnt und mit Zucker zu Saft verarbeitet, oder in anderen Getränken verwendet, was sehr lecker schmeckt. Interessant ist es natürlich, wenn man auch sieht, wie all die Früchte wachsen. Gerade in der Hosteria Sommergarten haben wir eigene Avocado-, Limonen- und Mandarinenbäume.

clip_image006Bild: Hinten rechts zu sehen die für Ecuador typische scharfe Sauce „Aji“ (aus: Tomaten,

Zwiebeln, Koriander und Chilischoten), die zu allen Speisen serviert wird.

Kartoffeln in allen verschiedenen Variationen, wie auch der „Choclo“ – der Mais, wird oft und gerne gegessen.

Am Allerheiligen ist es in Ecuador Brauch, „Guaguas de Pan“ zu essen (süsses Brot in Form einer Puppe) und „Colada Morada“ (Getränk aus schwarzes Maismehl mit etwas Ananas, Brombeere, Zimt usw) zu trinken.

 

 

 

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Marktfrauen, oft auch mit ihren Kleinkindern auf dem Arm, warten auf ihre Kundschaft.

 

 

Von allen Märkten, die ich bisher in Ecuador besuchte, begeistert mich der lebhafte Markt im Zentrum von Sangolqui am meisten. Am Donnerstag und Sonntag wird da alles Mögliche zum Kauf angeboten und es herrscht ein reges Treiben. Früchte, Gemüse, Fleisch, Käse, Kleider, Haushaltswaren…sogar Kleintiere werden verkauft. Von allen Seiten preisen die Verkäufer ihre Ware an, in dem sie mit lauter Stimme ihr Angebot in die Menschenmenge rufen.Oft werden Gemüse und Früchte in Plastikbeutel abgepackt vorbereitet und für 1 Dollar zum Verkauf angeboten.

Besonders hat mich die Kakaopflanze fasziniert. Mit Ralph Sommer besuchte ich seine Plantagen. Seit ich erlebt habe, wieviel Arbeit dahintersteckt, bis ich eine Tafel Schokolade auf der Zunge zergehen lassen kann, geniesse ich diese viel bewusster.

Auf den Plantagen durfte ich den Arbeitern zusehen, wie sie mit einer Lanze die Früchte von den Bäumen ernteten, um diese danach geschickt mit der Machete öffneten. Und dies bei einer Geschwindigkeit, ohne sich selbst zu verletzten. Ich konnte nur staunen über diese Geschicklichkeit. Zum Vorschein kam das weisse Fruchtfleisch, in dem die schwarzen Kakaobohnen eingehüllt sind.

 

 

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Mit einer Lanze werden die Kakaofrüchte von den Bäumen geerntet.

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Gekonnt werden die Früchte mit der Machete geöffnet. Die Bohnen, die dabei zum Vorschein kommen, werden in Plastikbehälter gegeben und auf die bereitstehenden Maulesel aufgeladen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Zustand werden sie verkauft. Auch da durfte ich dabei sein und hatte so die Gelegenheit, eine Trockenanlage zu besichtigen. Denn die Bohne, die noch mit dem Fruchtfleisch umschlossen ist, wird erst zum Trocknen an der Sonne ausgebreitet. Später werden diese über dem Feuer geröstet und sind somit bereit zur Weiterverarbeitung.

Damit ich auch den weiteren Prozess kennenlernen konnte, durfte ich eine kleine Schokoladenfabrik in Mindo besuchen. Mit Interesse verfolgte ich mit, wie aus dem Fruchtfleisch Essig und aus den feinen Schalen der Bohnen Tee gewonnen wird. Weiter lernte ich den Vorgang zur Gewinnung von Kakaopulver- Masse und – Butter kennen. Nie hätte ich gedacht, dass sich so viel durch den Kakao herstellen lässt. Ein weiteres Erlebnis innerhalb meines Praktikums, dass mir unvergesslich bleibt und bei dem ich so viel lernen konnte.

 

 

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In der Frucht befinden sich die Kakaobohnen, die aber noch mit einem weißen Fruchtfleisch ummantelt sind.

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Die Bohnen werden auf einem Metallnetz über dem Feuer geröstet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kann das Praktikum allen empfehlen, die offen für Neues sind, sich für das Land, die Kultur und die Menschen interessieren.

Das Praktikum bietet sich zudem an, sein Wissen sowohl anzuwenden, wie auch zu erweitern. Bestenfalls wird man wie ich, dadurch neue Fähigkeiten an sich entdecken. Denn die vielen Eindrücke die man hier sammelt, wecken neue Interessen in einem, so dass man motiviert ist, Neues auszuprobieren. Für mich ist die Zeit hier eine riesen Bereicherung und so freue ich mich auf weitere spannende Monate…

Bilder und Praktikumsbericht von Olivia Haessig

Praktikum und Volontariat in Ecuador