Bergsteiger Paradies Ecuador–Cayambe

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Teil 2: Bergsteiger Paradies Ecuador

vom 22. zum 23.10.2016

Unser zweiter Gipfel: Vulkan Cayambe 5.790 m

Erfahrungsbericht von Olivia Haessig

vom 22. zum 23.10.2016: Cayambe, unser zweiter Gipfel

Gemeinsam mit meiner Familie bestieg ich zuerst den Vulkan Illiniza Norte, dann den Cayambe und schließlich den höchsten Gipfel in Ecuador, den Chimborazo.

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Weg zum Refugium

Mit einem Allradfahrzeug ging es zum Refugium auf 4.600 m. Auf dem letzten Stück Fahrweg wurden wir ordentlich durchgeschüttelt, da das Fahrzeug sich mühsam über die Holperpiste kämpfte. Doch bewies sich unser Fahrer als erfahrener Lenker und so erreichten wir schließlich unsere Herberge.

Die bevorstehende Bergtour wird sich nun bereits anspruchsvoller gestalten. Es wird über einen Gletscher gehen, der einige Spalten aufweist. Auch wird es deutlich kälter sein. Da man nur langsam unterwegs sein wird, spürt man die Kälte umso mehr. Dementsprechend sah nun auch unsere Ausrüstung anders aus. Nebst warmer Kleidung und für Gletschertouren geeignetem Schuhwerk, gehörten auch Steigeisen, Klettergurt, Helm, Pickel und eine Stirnlampe dazu. Denn wir werden bereits in der Nacht losmarschieren. Alles weitere, wie Seil und Karabiner, wurde von den Bergführern bereitgestellt.

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Schon von weitem war zu erkennen, dass wir nicht die einzigen Gäste im Refugium sein werden.

Nachdem wir unsere Schlafsäcke auf den Betten ausgebreitet und unsere Rücksäcke für die Bergtour gepackt hatten, genossen wir um 18 Uhr. ein schmackhaftes Abendessen. Danach legten wir uns noch für ein paar Stunden zum Schlafen hin, bis es nach einem kleinen Frühstück, um 23 Uhr losging.

Warm eingepackt verließen wir die Schutzhütte in die sternenklare Nacht hinaus. Das Wetter schien mitzuspielen. Was schon mal eine wichtige Voraussetzung für unseren Gipfelerfolg war.

 

Nach etwa 1,5 Stunden erreichten wir den Gletschereinstieg. Den Pickel in der Hand, mit den Steigeisen und am Seil gehend, ging es nun weiter. Die Steigung des Gletschers dürfte durchschnittlich um die 30 – 40° sein. Wir umgingen einige lange und tiefe Spalten. Die ansonsten kalte und klare Luft, war schon mal durchzogen von unangenehm riechenden Schwefeldämpfen.

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Ein anstrengender Aufstieg über den Gletscher war zu bewältigen.

Wir gingen jeweils zu dritt an einem Seil. Der Bergführer, als Erster voran. Es ist Vorschrift, dass ein Führer nicht mehr als zwei Personen ans Seil nehmen darf.

Je mehr wir an Höhenmeter gewannen, desto langsamer wurde unser Vorankommen. Denn die Steigungen, das mühsame Gehen auf dem Gletscher und die klirrende Kälte, setzte uns allen zu. Trotzdem kamen wir gut voran.

Als wir schließlich den letzten Steilhang erreichten und der Gipfel in Sichtweite war, verspürten wir neue Energie, um das letzte Stück in Angriff zu nehmen.

Da wir doch etwas schneller vorankamen, als unsere Bergführer erst angenommen hatten, mussten wir kurz vor dem Gipfel noch eine halbe Stunde in der Kälte ausharren. Denn es war erst kurz nach 5 Uhr, als wir bereits ca. 6 Stunden unterwegs waren und wir sollten beim Sonnenaufgang auf dem Gipfel stehen. Da es aber zu kalt gewesen wäre, auf dem Gipfel auf die Sonne zu warten, blieben wir einige Meter unterhalb von unserem Ziel. Es ging ein kalter Wind. Wir froren.

Damit das Warten etwas erträglicher wurde, gruben unsere beiden Bergführer ein Loch in den Steilhang, damit wir uns hineinsetzten konnten und dadurch etwas windgeschützt waren. Wir setzten uns eng zusammen, um Wärme zu gewinnen.

Trotz Kälte und Müdigkeit, hatten wir den Humor nicht verloren und hielten uns mit Scherzen bei Laune, um uns von den frostigen Temperaturen abzulenken.

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Auf dem Gipfel auf 5.790 m angekommen, wurden wir mit einem faszinierendem Sonnenaufgang belohnt.

Schließlich war es endlich so weit, die letzten Meter konnten in Angriff genommen werden. All die Strapazen machten sich bezahlt, als wir pünktlich zum Sonnenaufgang den Gipfel erreichten. Die Aussicht auf das Wolkenmeer, welches von der aufgehenden Sonne in verschiedene Gelb – und Orangetöne gefärbt wurde, war atemberaubend. Aus den Wolken ließen sich vereinzelte Bergspitzen erkennen, so der Vulkan Cotopaxi, der Vulkan Antisana, wie auch der Vulkan Chimborazo. Dieser faszinierende Anblick und die Freude über den Gipfelerfolg ließ unsere Gesichter strahlen.

Nach einigen Gipfelfotos ging es an den Abstieg, der nicht zu unterschätzen war, denn steil und an Gletscherspalten vorbei ging es nun auch wieder hinab. Wir kamen zügig voran und erreichten um ca. 9.00 Uhr bereits wieder das Refugium, wo uns heißer Kaffee und ein Frühstück bereitgesellt wurde. Gerne wärmten wir uns in der Hütte auf, bevor wir unsere Ausrüstung zusammenpackten und den mächtigen Cayambe verließen. Als die Erfolgseuphorie, welche uns zuvor noch wach hielt, schließlich der Müdigkeit wich, schliefen bald alle im Auto ein. Glücklicherweise galt das nicht für unseren Fahrer 🙂

 

 

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Im Tageslicht sah man erst die Gletscherspalten, an denen uns nachts die Bergführer sicher vorbeigeführt hatten.

Wie kleine Inseln, ragen die Gipfel der gigantischen Vulkane aus dem Wolkenmeer.

Auch das Abwärtsgehen strengte an. Wodurch uns nochmals bewusst wurde, welch große Leistung wir eben beim Aufstieg vollbrachten, in dem wir uns da hochgekämpft hatten.

 

Bilder und Erfahrungsbericht von Olivia Haessig

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